Geburtshilfe Frauenheilkd 2022; 82(10): e173
DOI: 10.1055/s-0042-1757078
Abstracts | DGGG

Schwangerschaftsadaptierte L-Thyroxin Substitution und Frühgeburtenrate

Autor*innen

  • E Torremante

    1   Praxis, Ochsenhausen, Deutschland
  • C Weiß

    2   Universitätsmedizin Mannheim, Medizinische Statistik, Biomathematik und Informationsverarbeitung, Mannheim, Deutschland
 

Zielsetzung Ziel war es herauszufinden, inwieweit regelmäßige Kontrollen des mütterlichen freien Thyroxinspiegels und eine schwangerschaftsadaptierte L-Thyroxin Substitution vor und in der Schwangerschaft bei bestehender oder neu diagnostizierter latenter und manifester Hypothyreose, sowie Hypothyroxinämie die Frühgeburtenrate beeinflussen kann.

Materialien Retrospektiv Auswertung von 1440 Erhebungsfragebögen zur Evaluation von Frühgeburtsrisiken mit zwei Studiengruppen aus einer Praxis und einer bundesweit rekrutierten Kontrollgruppe. Studiengruppe A (n = 360) hatte bereits präkonzeptionell L-Thyroxin eingenommen, Studiengruppe B (n = 580) nach Eintritt der Schwangerschaft. Beide Studiengruppen hatten ein maximales Gestationsalter von 12+0 SSW. TSH und freier Thyroxinspiegel wurden zur Dosisanpassung regelmäßig in den Studiengruppen bestimmt. Ziel war es, den freien Thyroxinspiegel schwangerschaftsadaptiert im euthyreoten hyperthyroxinämischen Bereich zu halten. Die Kontrollgruppe hatte während der Schwangerschaft L-Thyroxin eingenommen nach Kriterien, die nicht bekannt waren, da im Erhebungsfragebogen nicht danach gefragt wurde.

Methode Retrospektive prospektive Kohortenstudie mit pseudonymisierten Erhebungsfragebögen. Unter Berücksichtigung anderer Risikofaktoren wurde mittels Regressionsanalyse der Einfluss einer schwangerschaftsadaptierten L-Thyroxin Substitution auf die Frühgeburtenrate ermittelt.

Ergebnisse Im Vergleich zur Kontrollgruppe war die Frühgeburtenrate in der Studiengruppe A um 70 % (p < 0,0001) und in der Studiengruppe B um 42 % (p = 0,0086) niedriger, wobei die Odds Ratio mit 3,46 besonders in der Studiengruppe A hoch signifikant war. Bluthochdruck (Odds Ratio 5,21) und Body-Mass-Index (Odds Ratio 0,91) konnten als weitere unabhängige Risikofaktoren identifiziert werden.

Zusammenfassung Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Schilddrüsendiagnostik und schwangerschaftsadaptierter L-Thyroxin Substitution zur Vermeidung von Frühgeburten. Weitere Untersuchungen sollten die Ergebnisse bestätigen.



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
11. Oktober 2022

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