Zusammenfassung
Hintergrund In einigen Studien wurde bereits eine inverse Assoziation zwischen Vitamin D und Brustdichte diskutiert. Da die Brustdichte wiederum als etablierter Risikofaktor für Brustkrebs gilt, könnte ein derartiger Zusammenhang einen neuen Ansatzpunkt in der Prävention von Brustkrebs darstellen.
Material und Methoden Um der obigen Vermutung auf den Grund zu gehen, wurden im Rahmen dieser Querschnittstudie 412 prä- und 572 postmenopausale Frauen mit einer Indikation zur Mammografie rekrutiert. Neben einem fragebogengestützten Interview zu allgemeiner und gynäkologischer Anamnese sowie zu Ernährungs- und Lebensgewohnheiten erfolgte eine Serumwertbestimmung von 25-Hydroxyvitamin D [kurz: 25(OH)D], Calcium, Phosphat und Kreatinin. Die mammografisch ermittelte Brustdichte wurde in die Kategorien 1 bis 4 nach ACR-Klassifikation eingeteilt. Neben einer deskriptiven Analyse zur besseren Übersicht des Datenmaterials wurden diverse multivariate Regressionsmodelle erstellt, mit deren Hilfe der Einfluss von Confoundern sowie der Zusammenhang zwischen Vitamin D und mammografischer Dichte erfasst werden sollte.
Ergebnisse Mehr als die Hälfte aller Teilnehmerinnen wiesen einen 25(OH)D-Mangel (< 20 ng/ml) auf und nur ein geringer Anteil der Frauen (5,7 %) zeigte einen nach aktuellem Kenntnisstand optimalen 25(OH)D-Serumspiegel von mindestens 30 ng/ml. Die deutliche Mehrheit des Kollektivs hatte eine mittlere mammografische Dichte (n = 463 mit ACR 2 und n = 343 mit ACR 3). In der logistischen Regressionsanalyse ergab sich, dass niedrigere 25(OH)D-Serumspiegel signifikant häufiger mit einer hohen statt mit einer mittleren Brustdichte einhergingen. Dieser Zusammenhang blieb auch nach Adjustierung für weitere Einflussfaktoren der Brustdichte, wie Alter, BMI und Menopausenstatus, bestehen (p = 0,032 für ACR 4 vs. ACR 2; p = 0,028 für ACR 4 vs. ACR 3). Führte man die gleiche Analyse für prä- und postmenopausale Frauen getrennt durch, so korrelierte der BMI in beiden Gruppen hochsignifikant invers mit der Brustdichte. Bei postmenopausalen Frauen zeigte auch das Alter eine derartige Korrelation, wohingegen 25(OH)D nicht mit ACR assoziiert schien. Prämenopausal verhielt es sich umgekehrt: Zwar fand sich hier kein Zusammenhang zwischen Alter und der Brustdichte, jedoch ging ein höherer Vitamin-D-Spiegel tendenziell mit einer geringeren Brustdichte einher (p = 0,06 für ACR 2 vs. ACR 4) bei kleiner Stichprobe (n = 412). Bei zusätzlicher Berücksichtigung von Vitamin-D-reicher Nahrung und Nahrungsergänzungsmitteln war eine regelmäßige Vitamin-D-Präparateinnahme knapp signifikant mit einer niedrigeren Brustdichte assoziiert (p = 0,05 für ACR 3 vs. ACR 4). Unterschied man auch hier nach Menopausenstatus der Probandinnen, so fand sich prämenopausal eine hochsignifikant erniedrigte Brustdichte bei regelmäßiger Vitamin-D-Präparateinnahme (p < 0,001 für ACR 1 bzw. ACR 2 vs. ACR 4). Postmenopausal konnte dieser Effekt nicht beobachtet werden. Ein häufiger Konsum Vitamin-D-haltiger Nahrungsmittel zeigte bei beiden Gruppen keinerlei signifikanten Einfluss auf ACR.
Schlussfolgerung Diese Ergebnisse bestärken die bereits von einigen Autoren geäußerte Annahme, dass vor allem prämenopausal höhere 25(OH)D-Spiegel sowie eine Vitamin-D-Substitution mit einer niedrigeren Brustdichte einhergehen und damit auch eventuell zu einer Reduktion des Brustkrebsrisikos führen können. Eine postmenopausale Assoziation von Vitamin D und mammografischer Brustdichte bestätigte sich nicht.
Schlüsselwörter
Vitamin D - Brustdichte - BMI - Alter - Menopausenstatus