Was ist neu?
Natürlicher Verlauf und Therapieindikation Die Nomenklatur der 4 Phasen der chronischen Hepatitis-B-Virus (HBV) -Infektion wurde modifiziert. Es wird zwischen HBeAg-positiver Infektion, HBeAg-positiver Hepatitis, HBeAg-negativer Infektion und HBeAg-negativer Hepatitis unterschieden. Eine klare Therapieindikation besteht bei einer Hepatitis, insbesondere bei Leberfibrose oder Leberzirrhose. Die Therapie von Schwangeren mit hoher HBV-DNA > 200 000 IU/ml zur Verhinderung der vertikalen Transmission auf das Neugeborene hat nun einen höheren Stellenwert. Unter immunsuppressiver Therapie kann eine inaktive oder „ausgeheilte“ HBV-Infektion in lebensbedrohlicher Form reaktivieren. Die Prävention einer HBV-Reaktivierung ist daher ein zentrales Thema in neuen Leitlinien.
Therapie der chronischen Hepatitis B Neben dem Standard (direkt antiviral wirkende Nukleosid/Nukleotidanaloga [NA]) steht mit Tenofovir-Alafenamid (TAF) ein neues NA zur Verfügung. Die antivirale Wirksamkeit ist mit Tenofovir-Disoproxil (TDF) vergleichbar. Durch höhere intrazelluläre Konzentrationen des Wirkstoffs Tenofovir ist eine geringere Ausgangsdosis des Prodrugs TAF erforderlich, sodass Nebenwirkungen geringer sein können. Die Anwendung beschränkt sich aber auf Patienten mit Niereninsuffizienz und oder Osteoporose, die Therapie mit NA ist meist eine Dauertherapie. Bei HBeAg-negativen Patienten sollte die Therapie erst nach Erreichen eines HBsAg-Verlusts abgesetzt werden. Allerdings kann man in Einzelfällen die NA-Therapie jetzt früher abbrechen. Geeignete Kandidaten sind Patienten ohne fortgeschrittene Fibrose mit einer langjährigen HBV-DNA-Suppression (> 3 Jahre) – mit einem engmaschigen Kontrollintervall als Voraussetzung. Das neue Ziel in der HBV-Therapie heißt „HBV-cure“, d. h. die funktionelle Heilung der chronischen Infektion. Hier laufen aktuell zahlreiche Phase-I- bis II-Studien.
Hepatitis Delta Bei der Hepatitis Delta ist weiterhin pegyliertes Interferon-alfa (PEG-IFN) die einzig effektive Therapie. Die Therapiedauer sollte mindestens 48 Wochen betragen. Eine längere Therapiedauer kann bei deutlichem Abfall des HBsAg sinnvoll sein, um einen HBsAg-Verlust zu erreichen. Aktuell werden hoffnungsvolle neue antivirale Konzepte (z. B. Lonafarnib, Myrcludex) in Phase-II-Studien evaluiert. Da die Hepatitis Delta einen „Orphan Disease“-Status hat, können diese Medikamente schneller entwickelt bzw. zugelassen werden.
Schlüsselwörter
Hepatitis B - Hepatitis-B-Virus - Therapie - Tenofovir - Entecavir - Reaktivierung
Key words
hepatitis B - hepatitis B virus - therapy - tenofovir - entecavir - reactivation