Zusammenfassung
Hintergrund Es sollte untersucht werden, von welchen Parametern die präoperative Schmerzintensität bei Patienten mit osteochondralen Läsionen des Sprunggelenks abhängt. Dafür wurden patientenbezogene Parameter wie Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index (BMI) und defektbezogene Parameter wie Lokalisation, Größe und Stadium (gemäß der Klassifikation der International Cartilage Repair Society [ICRS] und der Berndt-Harty-Loomer-Klassifikation) betrachtet. Darüber hinaus wurde der Zusammenhang zwischen den verschiedenen Operationsmethoden und etwaigen Begleiteingriffen einerseits und der präoperativen Schmerzintensität andererseits überprüft.
Material und Methoden Zwischen Oktober 2014 und Dezember 2016 wurden 259 Patienten mit einer osteochondralen Läsion des Sprunggelenks in 32 Zentren operiert und in das Knorpelregister der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie eingeschlossen. 151 Patienten standen für die Auswertung zur Verfügung. Zum Zeitpunkt der Operation wurde die präoperative Schmerzintensität der Patienten mithilfe der numerischen Rating-Skala (NRS) online erfasst.
Ergebnisse Die mediane präoperative Schmerzintensität gemäß NRS im gesamten Kollektiv (n = 151) betrug 3 (min. 0 bis max. 10). Ein Zusammenhang zwischen dem Alter und der präoperativen Schmerzintensität wurde nicht festgestellt (ρ = − 0,06). Ein Unterschied zwischen den Geschlechtern hinsichtlich der präoperativen Schmerzintensität ergab sich nicht (p = 0,31). Bei weiblichen Patienten ging ein höherer BMI mit einer höheren präoperativen Schmerzintensität einher (ρ = 0,16). In der Gruppe der solitär behandelten Talus-Läsionen zeigte sich kein Unterschied zwischen den Defektlokalisationen (medialer vs. lateraler Talus) hinsichtlich der präoperativen Schmerzintensität (p = 0,82). Bei Patienten mit einer solitär behandelten Läsion des Talus oder der Tibia bestand kein Zusammenhang zwischen der Defektgröße oder dem Stadium gemäß der ICRS Klassifikation einerseits und der präoperativen Schmerzintensität andererseits (ρ = 0,09 bzw. ρ = 0,04). Bezüglich der Berndt-Harty-Loomer-Klassifikation hing ein höheres Stadium (Stadium IV und V) mit einer höheren präoperativen Schmerzintensität zusammen (ρ = 0,13). Ein Unterschied hinsichtlich der präoperativen Schmerzintensität zwischen Patienten bei denen begleitend zur Knorpeltherapie ein Debridement eines knöchernen oder weichteiligen Impingements erfolgte und Patienten ohne diesen Begleiteingriff lag nicht vor (p = 0,10). Ferner bestand kein Unterschied hinsichtlich der präoperativen Schmerzintensität zwischen Patienten die begleitend zur Knorpeltherapie eine Stabilisierung des Sprunggelenks erhielten und Patienten bei denen keine Stabilisierung erfolgte (p = 0,83).
Schlussfolgerung Osteochondrale Läsionen des Sprunggelenks können zu einer moderaten und in einzelnen Fällen hohen Schmerzintensität führen. Bei weiblichen Patienten geht ein höherer BMI mit einer höheren Schmerzintensität einher. Außerdem geht ein höheres Stadium gemäß der Berndt-Harty-Loomer-Klassifikation mit einer höheren Schmerzintensität einher, was die klinische Relevanz dieser Klassifikation unterstreicht.
Schlüsselwörter osteochondrale Läsion - Sprunggelenk - Talus - Schmerz - Knorpelregister