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DOI: 10.1055/s-0043-1769521
Eibischextrakt – eine systematische Übersicht zur Anwendung bei Reizhusten
Autor*innen
Reizhusten ist in der Erkältungszeit weit verbreitet. Ursache ist eine Reizung der Schleimhaut im Rachenraum, bei der sich seit der Antike wässrige Extrakte der Eibischwurzel bewährt haben. Auch das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) der Europäischen Arzneimittelzulassungsbehörde EMA hat dazu eine Monografie publiziert. Während ihre Wirkung früher vor allem auf den physikalischen Schutz zurückgeführt wurde, sind mittlerweile auch entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Wirkungen gezeigt worden. Daher erscheint es wichtig, jetzt auch den Stand der Daten zur Anwendung beim Patienten zusammenfassend darzustellen.
Zu diesem Zweck wurde eine systematische Literaturrecherche in medizinisch-wissenschaftlichen Datenbanken durchgeführt, ergänzt durch Cross Referencing.
Was wissenschaftliche Übersichtarbeiten betrifft, wurde neben dem Assessment Report der EMA (2016) und Monografien der WHO (2002) und der ESCOP (2019) [1] [2] [3] eine weitere wissenschaftliche Übersichtsarbeit gefunden (Mahboubi 2020), die einen Überblick über die wissenschaftliche Forschung geben kann [4]. An Studien zur therapeutischen Anwendung wurde eine placebokontrollierte Arbeit an Patienten mit durch ACE-Hemmer induziertem Reizhusten identifiziert (Rouhi und Ganji 2007), in der eine signifikante Wirkung beschrieben wurde [5]. Zu einem pflanzlichen Arzneimittel mit einem wässrigen Eibischextrakt (STW 42) wurden vier nicht-interventionelle Studien (NIS) zur Anwendung beim erkältungsbedingten Reizhusten identifiziert: Die Studie von Bässler (2005) an 599 Kindern und die Studie von Fasse et al. (2005) an 313 Kindern wurden mit Eibischsirup durchgeführt, während in der Studie von Fink et al. (2018) an 822 Patienten und in der Auswertung von Daten von 126 Patienten aus der PhytoVIS-Studie (Möller et al. 2019) wahlweise Sirup oder Lutschpastillen verwendet wurde [6] [7] [8] [9]. Die Verträglichkeit war überwiegend sehr gut, ebenso wie die Einschätzung der Wirkung durch den Patienten, bei schnellem Wirkeintritt, meist innerhalb weniger Minuten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass insbesondere die in den vorliegenden NIS dokumentierte Real World Evidence sehr gut den hohen Stellenwert von Eibischextrakten in der Therapie des Reizhustens belegt.
Danksagung Dank gilt insbesondere der Kooperation Phytopharmaka und Ralph Mösges, Esther Raskopf und Kija Shah Hosseini vom Institut für medizinische Statistik in Köln sowie der Hessen-Technikum-Praktikantin Alexa Göpfert, Darmstadt.
Publikationsverlauf
Artikel online veröffentlicht:
14. Juni 2023
© 2023. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany
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Literatur
- 1 EMA/HMPC. Final Assessment Report on Althaea officinalis L. 2016
- 2 WHO. Radix Althaeae. WHO monographs on selected medicinal plants. 2002
- 3 ESCOP. Althaeae radix. ESCOP Monograph Online Series. 2019
- 4 Mahboubi M.. Complement Med Res 2020; 27: 174-182
- 5 Rouhi H, Ganji F, Pak J. Nutr 2007; 6: 256-258
- 6 Bässler D.. Steigerwald Arzneimittelwerk GmbH. 2005
- 7 Fasse M. et al. Paed 2005; 11: 3-8
- 8 Fink C. et al. Complement. Med Res 2018; 25 (05) 299-305
- 9 Möller J. et al. Z Phytother. 2019; 40 (Suppl. 01) S35-S36