Zusammenfassung
Fragestellung: In einer retrospektiven Analyse haben
wir die Wassergeburten an der Universitäts-Frauenklinik Bern untersucht.
Material und Methodik: Die Analyse der mütterlichen
und kindlichen Morbidität bei Wassergeburten im Vergleich zu „normalen”
Geburten erfolgte anhand der Patientenunterlagen in einer Fall-Kontroll-Studie
mit „matched pairs”.
Ergebnisse: Im Zeitraum vom 12.8.1994 bis zum 15.2.1998
wollten 100 Frauen im Geburtspool gebären. Bei 78 Frauen fand die Geburt
tatsächlich im Wasser statt. Aus der Kontrollgruppe wurden 5 Frauen durch
eine sekundäre Sektio entbunden, bei 11 Frauen erfolgte die Geburt vaginal-instrumentell
(bei 3 Frauen mit versuchter Wassergeburt und bei 8 Kontrollgeburten). Im
Kollektiv der Wassergeburten wurden signifikant weniger Dammschnitte durchgeführt
(30 vs. 53; p <0,001), die Anzahl höhergradiger Dammrisse unterschied
sich jedoch nicht signifikant (6 vs. 5). Ebenso waren der Einsatz von Wehenmitteln
(16 vs. 49; p <0,001), Schmerzmitteln (39 vs. 46) und der Peridural-Anästhesie
(1 vs. 18; p <0,001) bei den Wassergeburten seltener. Der Anteil an 5-Minuten-Apgar-Werten
<7 (1 vs. 0) sowie die Anzahl arterieller IMabelschnur-pH-Werte <7,15
(13 vs. 7) unterschied sich in den beiden Kollektiven nicht signifikant. Die
postpartalen mütterlichen und kindlichen Komplikationen, insbesondere
die Infektraten, unterschieden sich in den beiden Kollektiven nicht und waren
insgesamt selten.
Schlußfolgerung: Bei guter Selektion und Überwachung
stellt die Wassergeburt für die Gebärende und das Neugeborene kein
erhöhtes Risiko gegenüber einer herkömmlichen Geburt dar. Durch
eine verminderte Rate an Episiotomien, ohne häufigeres Auftreten höhergradiger
Dammrisse, durch den verminderten Wehen- und Schmerzmittelkonsum, erhöht
sich der Komfort der Gebärenden bei der Geburt im Wasser. Aufgrund der
insgesamt geringen Inzidenz von postpartalen mütterlichen und kindlichen
Komplikationen bedarf die Überprüfung der Sicherheit der Wassergeburt
jedoch Untersuchungen an größeren Kollektiven.
Abstract
Objective: To assess the maternal and neonatal morbidity
associated with water birth.
Methods: We analysed water births retrospectively
in a matched-pair study.
Results: A total of 100 women requested water birth
between August 1994 and February 1998. Seventy-eight (78%) of these women
were delivered in water. In the control group five women had a secondary Caesarean
section. There were three operative vaginal deliveries after attempted water
birth and eight in the control group. Patients delivered in the water had
significantly fewer episiotomies (30 vs. 53; p <0.001), and less use of
oxytocin (16 vs. 49; p <0.001), pain medication (39 vs. 46), and epidural
anaesthesia (1 vs. 18; p <0.001) than patients delivered conventionally.
There were no differences between the groups in major perineal tears (6 vs.
5), 5-minute Apgar scores <7 (1 vs. 0), or fetal cord pH values <7.15
(13 vs. 7). Postpartal maternal or neonatal morbidity was uncommon and did
not differ between the groups.
Conclusion: With appropriate patient selection and
surveillance water birth does not seem to entail increased maternal or neonatal
risks. Water birth may be more comfortable because of the lower episiotomy
rate without a higher rate of major perineal lacerations and the reduced need
for oxytocin and pain medication.