
Zusammenfassung
Ziel der Studie: Der vorliegende
Artikel beschreibt Ergebnisse der Evaluation des Projekts „Nécessaire für junge
Frauen”. Das Projekt zielte auf Förderung und Erhaltung der sexuellen und reproduktiven
Gesundheit von jungen Frauen in der Deutschschweiz. Hierbei handelt es sich um ein originelles
Konzept, dessen Grundidee es war, jugendgerechte Informationsbroschüren kombiniert mit
Beilagen (Kondom, Kleber, Kaugummi) in einem Kosmetiktäschchen abzugeben und gleichzeitig die
Beratungsqualität zu verbessern.
Methode: Die Meinung sowohl
junger Nécessaire-Empfängerinnen (n = 183) als auch von
Fachpersonen (n = 154), die mit Nécessaires gearbeitet haben, wurde
mittels halbstrukturierter Fragebogen erhoben. Das Monitoring der Bestellungen während 7
Monaten (n = 264) vermittelte einen Eindruck über die Verwendung des
Produkts durch verschiedene Institutionen.
Ergebnisse: Junge
Mädchen beurteilen das Produkt äußerst positiv. Geschätzt wird v. a.
die Broschüre „Rosa zwischen Lust und Frust”, die im Stile eines kommentierten
Tagebuchs die Leserinnen sehr anspricht. Kritisch angemerkt wird, dass grundsätzlich junge
Männer auch vermehrt auf ihre Verantwortung im Zusammenhang mit Kontrazeption,
HIV-Prävention und Partnerschaft sensibilisiert werden sollen.
Die befragten
Fachpersonen, die mit einem Nécessaire gearbeitet haben, möchten generell das
Nécessaire auch weiterhin in ihrer Berufstätigkeit einsetzen. Gewünscht wird
Umsetzungshilfe für den praktischen Einsatz des Nécessaires im Berufsalltag. Zudem
werden ähnliche Produkte für die Arbeit mit jungen Männern und Migrantinnen
gefordert.
Das Monitoring des Bestellwesens zeigt, dass sich vor allem Schulen und
Institutionen der nichtschulischen Jugendarbeit für das Produkt interessierten. Von
ärztlichen Praxen und Beratungsstellen - für die das Projekt auf Grund einer
vorgängigen Bedarfsabklärung hauptsächlich entworfen wurde - gingen
verhältnismäßig wenig Bestellungen ein.
Schlussfolgerungen:
Das Nécessaire genießt generell eine hohe Akzeptanz. Die Wissensvermittlung und
die Unterstützung von jungen Frauen in der Umsetzung HIV-präventiver Maßnahmen ist
dem Projekt „Nécessaire” gelungen. Als Hilfsmittel für die individuelle
Beratung von jungen Frauen - insbesondere im Zusammenhang mit der HIV-Prävention -
wurde das Produkt nicht im erwünschten Maße eingesetzt. Auf Grund der sehr guten
Beurteilung durch die Nécessaire-Empfängerinnen eignet sich das Nécessaire
ausgezeichnet als Unterstützung in Beratungssettings und für den Einsatz in Schulen resp.
in der Jugendarbeit. In Zukunft sollte der praktische Einsatz durch zielgerichtete Maßnahmen
wie Begleitmaterialien und Anwendungstraining gefördert werden. Bei der Entwicklung eines
ähnlichen Projekts für junge Männer resp. Migrantinnen muss das Konzept an die
Lebenswelt der jeweiligen Zielgruppe angepasst werden.
An Integrated Concept for Contraceptive Counselling and HIV Prevention for Young
Women: The Project "Necessaire”
Purpose: The aim of this
study was to evaluate the effectiveness of the innovative project "Nécessaire” on
sexual and reproductive health promotion. "Nécessaire” was developed for young women
and carried out in the German-speaking part of Switzerland. The concept consisted of giving
theoretical information in a brochure suitable for young women in its design combined with several
items (such as condom, chewing gum, sticker) in a spongebag.
Method:
Young women (n = 183) as well as professionals
(n = 154) were asked to give their opinion on the "Necessaire” by
filling in a semi-structured questionnaire. In addition, the product ordering was monitored over 7
months, in order to examine the use of the product by various institutions.
Results: On the whole, the young women praised the product. They especially
liked the brochure, which was made up like a diary written by a young woman called Rosa. According
to their answers the combination of information and useful items stimulated the reflection on
topics like sexuality, love, and prevention of sexually transmitted diseases. Critical voices
pointed out the need for interventions aimed at young men, in order to make them more aware of
their responsibility in contraception, HIV prevention and partnerships.
The professionals
generally would like to continue using the product in their work with young women. Many of them
asked for more accompanying material with practical ideas for using the product. A similar product
for young men and foreign youngsters was often asked for.
The monitoring of the product
ordering showed that schools and institutions such as youth centres evinced the greatest interest
in the product. This contrasted with the results of a feasibility study conducted in advance.
Although medical and advice centres indicated a need for a product to support professionals
counselling young women, these institutions ordered relatively few kits.
Conclusion: Generally speaking the "Nécessaire” was well received
by young women as well as by professionals. It not only informs on sexual health but also promotes
preventive behaviour in daily life. The product was not used as an aid for counselling young women
as much as was intended. It is suggested to promote the Nécessaire’s use by taking
specific measures like developing written material with practical ideas for professionals. In the
case of developing a similar product for young men and migrants, their specific backgrounds and
cultures should be taken into account and the material adapted accordingly.
Key words
Sexual Health - Young
Women - Evaluation - Intervention Study - Prevention of Sexually
Transmitted Diseases