Klin Monbl Augenheilkd 2001; 218(6): 401-405
DOI: 10.1055/s-2001-16252
ÜBERSICHT

Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Dissoziierte Horizontaldeviationen (DHD): Bezeichnung und Ursachen. Ein Orientierungsversuch im terminologischen Dickicht[1] [2]

Dissociated horizontal deviations (DHD): terminology and causes - a reviewMichael Gräf
  • Augenklinik für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie der Justus-Liebig-Universität Gießen, Friedrichstr. 18, 35385 Gießen
  • (Direktor: Prof. Dr. H. Kaufmann), E-mail: michael.h.graef@augen.med.uni-giessen.de
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Publikationsdatum:
31. Dezember 2001 (online)

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Zusammenfassung

Hintergrund In dem Beitrag sollen dissoziierte Horizontaldeviationen (DHD) nach möglichen Ursachen der ihnen zugrundeliegenden Vergenz eingeteilt werden.

Methodik Die Diagnose eines dissoziierten Schielens beruht auf der Schielwinkeländerung beim Wechsel der Fixation vom einen auf das andere Auge unter sonst konstanten Bedingungen (Kopfhaltung, Blickrichtung, Fixationsdistanz, Akkommodation) im Fixationswechseltest: Nachdem bei monokularer Fixation mit dem einen Auge die Abweichung des anderen Auges am Synoptometer oder mit einem Prisma neutralisiert ist, wird die Fixation auf dieses Auge gewechselt, das dabei seine Stellung beibehält. Wenn durch diesen Wechsel der Fixation das vorher fixierende Auge seine Stellung ändert, liegt ein dissoziiertes Schielen vor. Behält es seine Position unverändert bei, ist das Schielen nicht dissoziiert.

Ergebnisse Der Fixationswechseltest erlaubt den Nachweis dissoziierten Schielens und dessen Abgrenzung vom sowohl konkomitanten als auch inkomitanten nicht assoziierten Schielen. Wenn eine unterschiedliche akkommodative Konvergenz ausgeschlossen ist, kommt eine DHD im Zusammenhang mit nystagmushemmender Konvergenz und bei Ersatz von Version durch Konvergenz vor. Auch die horizontale Nebenwirkung von Vertikalmotoren bei asymmetrischer DVD kann eine dissoziierte horizontale Schielkomponente bewirken.

Schlussfolgerung Dissoziiertes Schielen ist Ausdruck einer Vergenzänderung infolge des Wechsels der Fixation oder der Dominanz vom einen Auge auf das andere oder einer Veränderung im Seitenverhältnis der globalen Afferenz (Helligkeit). Einteilungen des dissoziierten Schielens sind nach seinen Richtungen und vermutlichen Ursachen möglich.

Purpose To classify dissociated horizontal deviations (DHD) based on the etiology of the vergence that causes the dissociation of the squint angle.

Methods Dissociated strabismus can reliably be diagnosed by a change of the squint angle caused by an alternation in the fixation from one eye to the other, when all the other conditions (head posture, direction of gaze, fixation distance, accommodation) remain unchanged. The decisive diagnostic tool is the reversed fixation test: During monocular fixation with one eye, the squint angle of the other eye is neutralized using a synoptometer or a prism. Then, the fixation is changed to the other eye, which keeps its position behind the prism. If the change in fixation causes a change in the position of the previously fixating eye, the deviation is dissociated. If the position of the previously fixating eye does not change, the deviation is not dissociated.

Results Dissociated strabismus can be detected and differentiated from both comitant and incomitant non dissociated strabismus by the reversed fixation test. The dark red glass test is less sensitive and less specific for dissociated strabismus than the reversed fixation test. If a difference in accommodative convergence is excluded, possible causes of DHD are nystagmus-attenuating convergence, substitution of version eye movement by convergence, and a horizontal side effect of the vertical eye muscles in asymmetric DVD.

Conclusion Dissociated strabismus is an effect of vergence which is brought about by the change in the fixation or dominance from one eye to the other eye or in the interocular ratio of afferent input (luminance). Dissociated strabismus can be classified based on its direction or due to its etiology.

1 1 Manuskript erstmalig eingereicht am 25. 10. 00 und in der vorliegenden Form angenommen am 26. 1. 01.

2 2 Als Poster präsentiert bei der 98. Tagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft 21. - 24.9.2000 in Berlin.

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