Aktuelle Urol 2003; 34(1): 52-54
DOI: 10.1055/s-2003-37560
Fallbericht
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Ovarialtorsion - Seltene Ursache eines kindlichen Harnverhaltes

Ovarian Torsion - An Unusual Cause of Childhood Urinary RetentionD.  Schuster1, 3 , P.  Pruss2 , P.  H.  Langen1 , J.  Steffens1
  • 1Klinik für Urologie und Kinderurologie des St. Antonius-Hospitals Eschweiler
  • 2Kardiovaskuläres Zentrum der Med. Klinik des St. Antonius-Hospitals Eschweiler
  • 3Institut für Pathologie, Städt. Krankenanstalten Düren
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
03. März 2003 (online)

Zusammenfassung

Akute Harnverhaltungen im Kindsalter zeigen ein breites differenzialdiagnostisches Spektrum. Eine akute Appendizitis oder die in dem vorliegenden Fall beschriebene Ovarialtorsion stellen Raritäten dar und erschweren die Diagnostik. Es wird über den Fall eines 6-jährigen Mädchens berichtet, bei dem eine Ovarialtorsion als Ursache für einen Harnverhalt erst durch Laparotomie diagnostiziert werden konnte. Während das klinische Bild völlig unspezifische Symptome zeigte und die bildgebende Diagnostik keine eindeutigen morphologischen Korrelate einer Ovarialtorsion aufzeigen konnte bzw. sich nur eine retrovesikale Raumforderung erkennen ließ, wurde durch die Laparotomie eine länger zurückliegende Ovarialtorsion nachgewiesen. Die Schwierigkeit der Diagnose der akuten Ovarialtorsion wird durch den vorliegenden Fall erneut bestätigt. Die bildgebende Diagnostik zur Sicherung des vorliegenden Befundes stößt an ihre Grenzen, wenn derartige strukturelle Veränderungen auftreten, dass eine anatomische Struktur nicht mehr als solche identifizierbar ist. Auch die Laparoskopie, die wegen des minimalinvasiven Eingriffs viele Vorteile zeigt, erlaubt bei adhärenten Netzanteilen keine Beurteilung, so dass die Laparotomie in diesem Falle als sicherste Methode anzusehen ist. Der pathophysiologische Hintergrund, der dem Harnverhalt bei Ovarialtorsion zugrunde liegt, kann durch Beeinflussung des vegetativen Nervensystems erklärt werden.

Abstract

Acute urinary retention in children may be associated with a broad spectrum of different causes. Acute appendicitis or acute ovarian torsion are rare and complicate the diagnosis. The case of a 6-year-old girl with urinary retention caused by ovarian torsion is reported, in which clinical presentation showed nonspecific complaints and ultrasound demonstrated a retrovesical mass. The long-standing ovarian torsion could only be diagnosed by laparotomy. This case once again demonstrates possible difficulties in obtaining a correct diagnosis, especially when imaging techniques reach their limits. Here, the anatomical structures had become so altered by adhesions of the omentum that they were no longer identifiable, redering the advantageous, non-invasive laparoscopy ineffective. As a result, laparotomy became the most accurate and reliable method for obtaining a correct diagnosis. The occurrence of acute urinary retention with ovarian torsion can be explained by an earlier disturbance of the vegetative nervous system.

Literatur

Dr. D. Schuster

Klinik für Urologie und Kinderurologie

Dechant-Deckers-Straße 8

52245 Eschweiler