Zusammenfassung
Derzeit liegt ein neuer Entwurf einer Schwimm- und Badebeckenwasserverordnung (SchwBadebwV)
vor (März 2002), der in seinem Aufbau und hinsichtlich vieler Regelungsmechanismen
an die ab 1.1.2003 in Kraft tretende neue Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001) angepasst
wurde. Hierbei werden bei der Frage der Definition der Badewasserqualität eindeutig
mikrobiologische Kriterien priorisiert. Wenn sich auch der Bundesrat im Dezember 2003
mit diesem Verordnungsentwurf nicht befasst hat und ein Erlass dieser Verordnung zunächst
wieder in weite Ferne gerückt ist, sind dennoch aus der Sicht einer Überwachungsbehörde
einige Anmerkungen dazu zu machen
Vor dem Hintergrund allgemeiner Überlegungen zum Unterschied von Trinkwasser- und
Bäderanlagen sowie rechtlicher Aspekte werden umfangreiche Daten (n = 14 425 Datensätze)
aus der Überwachungspraxis von Gesundheitsämtern aus den letzten Jahren dargelegt.
Aufgrund der vorgelegten Untersuchungsbefunde, aber insbesondere wegen der Zeit zwischen
Probenahme und Befundmitteilung an das Gesundheitsamt (oder den Betreiber) wird dargestellt,
dass mikrobiologische Parameter in der Praxis nicht geeignet sind, dem Badbetreiber
(oder dem Gesundheitsamt) als sofort verfügbare Indikatoren für die Qualität des Badebeckenwassers
zu dienen.
Dies führt zu der Empfehlung, dass die Gehalte an freiem und gebundenem Chlor in Verbindung
mit dem pH-Wert anstelle der mikrobiologischen Befunde als primärer Indikator für
eine einwandfreie Badewasserqualität eingeführt werden sollten - neben den vorgesehenen
technischen Anforderungen an die Badewasseraufbereitung. Bei entsprechender Überwachungshäufigkeit
dieser Parameter kann die Untersuchungshäufigkeit für mikrobiologische Parameter im
Badebeckenwasser erheblich verringert werden. Demgegenüber sollte die Einführung ergänzender
mikrobiologischer Untersuchungen im Filtrat vor der Desinfektionsmitteldosierstelle
zur Überprüfung der mikrobiellen Besiedlung bei Einsatz von Ein- und Mehrschichtfiltern,
wie sie sich bei der Legionellenprophylaxe durchaus bewährt haben, fachlich diskutiert
werden.
Abstract
In April 2002, a new draft regarding the quality of the water of public swimming pools
in Germany was published. This draft was adapted to the new regulations for drinking
water in respect of its structure and regulations. Microbiological tests for assessing
the quality of bathing water are given priority.
With regard to basic differences in facilities for drinking water and such for bath
water and to legal aspects, many data (n = 14,425 data) on the practical experience
of public health authorities are presented, obtained during the last few years. With
regard to the data and in respect of the great delay between sampling and obtaining
the results it is concluded that microbiological methods are inappropriate parameters
for rapid assessment of the quality of bath water.
Hence it is recommended to implement the evaluation of disinfection by chlorination
including pH as an indicator for the quality of a bath water, parallel to the guidelines
on technical standards. A high frequency of chlorination testing can markedly reduce
the number of microbiological tests. Additionally, microbiological tests of the filtrate
before disinfection by chlorination are recommended. This procedure has proved successful
in legionella control.
Schlüsselwörter
Badebeckenwasser - Schwimmbad - Hygiene - Mikrobiologie - Chlor im Badebeckenwasser
Key words
Hygiene - bath water - public baths - infection prevention
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1 Wir danken den Kollegen aus den anderen Ämtern für die Bereitstellung der Befunde
und die Zustimmung zur Publikation. Unser Dank gilt ebenso den Mitarbeitern und Kollegen
unserer Abteilung.
2 In Schwimmbädern gibt es neben den Infektionsmöglichkeiten beim Schwimmen noch Infektionsmöglichkeiten
durch Kontakt mit Barfuß-, Sitz- und Liegeflächen und vor allem auch durch den Gebrauch
von erwärmtem Trinkwasser beim Duschen, die möglicherweise in ihrer Häufigkeit (z.B.
Fußpilz und Dornwarzen) oder Schwere (Legionellen-Pneumonie) die rein badewasserbürtigen
Infektionen sogar übertreffen. Es erscheint dringend notwendig, die Praxis der Flächendesinfektion
in Schwimmbädern zu validieren sowie die Frage zu diskutieren, warum die Trinkwasserverordnung
im Gegensatz zum Entwurf der SchBadebwV keinen Grenzwert für Legionellen kennt, wo
doch das Infektionsrisiko beim Duschen erheblich höher liegt als beim Baden in legionellenhaltigem
Beckenwasser. Zu beiden Themenbereichen werden im Stadtgesundheitsamt Frankfurt derzeit
Untersuchungen und Auswertungen durchgeführt, die zu gegebener Zeit publiziert werden
sollen.
Dipl.-Ing. Wolfgang Hentschel
Abteilung Umweltmedizin und Hygiene, Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt am Main
Braubachstraße 18-22
60311 Frankfurt/M.
eMail: wolfgang.hentschel@stadt-frankfurt.de