Ziele: Frühere Studien haben mittels Diffusionstensor-Bildgebung (DTI) anderweitig nicht sichtbare Veränderungen im Corpus callosum (CC) von Patienten mit definitiver Multipler Sklerose (MS) aufgedeckt. Dies lässt einen axonalen Schaden und/oder eine Demyelinisierung der weißen Substanz außerhalb entzündlicher Plaques vermuten. Bei Patienten mit „clinically isolated syndrome“ (CIS) sind Vorhersagefaktoren für die Entwicklung einer definitiven MS von großem Interesse. Als Teil einer Longitudinalstudie untersucht diese Arbeit, ob DTI Veränderungen in normal erscheinender weißer Substanz (NEWS) bei Patienten mit CIS detektiert. Methode: 18 Patienten mit bis dato nicht therapiertem CIS und 8 gesunde Probanden wurden mittels DTI bei 3.0T untersucht. Die „Extended Clinical Disability Status Scale“-Werte der Patienten betrugen 0–3,5 (Mittelwert 2,2). „Apparent diffusion coefficient“ (ADC)- und „franctional anisotropy“ (FA)-Werte wurden durch „region-of-interest“ (ROI)-Analyse in verschiedenen Abschnitten des CC und in frontaler und okzipitaler weißer Substanz (FWS/OWS) bestimmt. ROI wurden manuell so platziert, dass nur NEWS enthalten war. Zusätzlich wurde die Anzahl der Läsionen in T2-gewichteter Bildgebung ermittelt. Ergebnis: Sowohl hinsichtlich der ADC-, als auch der FA-Werte fanden sich zwischen Patienten und Probanden keine signifikanten Unterschiede (bei p<0,05). Dies traf auf alle Teile des CC und auf FWS und OWS zu. Bei den Patienten fanden sich 2–20 (Mittelwert 9) Läsionen in der T2-gewichteten Bildgebung (T2-Läsionen). Schlussfolgerung: DTI deckt bei Patienten mit CIS und T2-Läsionen im Gegensatz zu Patienten mit definitiver MS keine signifikanten Unterschiede auf. Dies lässt vermuten, dass eine längere Krankheitsdauer nötig ist, bevor sich solche Veränderungen manifestieren. Die Verlaufskontrollen unserer Patienten im Rahmen der Longitudinalstudie werden zeigen, ob mögliche, mit DTI detektierbare Veränderungen einen sensitiven Vorhersagefaktor für die Entwicklung einer definitiven MS darstellen.
Korrespondierender Autor: Krautmacher C
Radiologische Klinik, Universität Bonn, Weberstrasse 7, 53113, Bonn
E-Mail: Carsten.Krautmacher@ukb.uni-bonn.de
Schlüsselwörter
MRT - DTI - Multiple Sklerose - CIS - quantitative Auswertung