Notfallmedizin up2date 2006; 1(2): 125-146
DOI: 10.1055/s-2006-924667
Spezielle Notfallmedizin

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Akute Bewusstseinsstörungen im Kindesalter

Andreas Merkenschlager, Thomas Kapellen, Werner Siekmeyer
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Publikationsdatum:
26. Oktober 2007 (online)

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Kernaussagen

Krampfanfälle, die diabetische Ketoazidose und Vergiftungen sind wichtige Ursachen der kindlichen Bewusstseinsstörung. Die Erhaltung der Vitalfunktionen gemäß den ABC‐Richtlinien hat bei Bewusstseinsstörungen absoluten Vorrang! Die Glasgow-Coma-Skala gibt es in einer für Kinder modifizierten Form.

Die Notfalldiagnostik bei einem Kind mit akuter Bewusstseinsstörung muss solange vorangetrieben werden, bis die Ursache gefunden worden ist. Nach Ausschluss häufiger Ursachen und/oder bei fehlendem Aufklären der Ursache müssen bereits auf der Intensivstation weiterführende diagnostische Maßnahmen eingeleitet werden.

Krampfanfälle machen ca.⅓ der Einsatzindikationen bei präklinischen Bewusstseinsstörungen bei Kindern aus. Davon sind etwa ⅔ Fieberkrämpfe. Der Status epilepticus ist ein medizinischer Notfall mit einer Mortalität von etwa 8 % und einem Risiko bleibender Folgeschäden von 5 - 10 %.

Für metabolisch bedingte Komaursachen ist die Akutphase das wertvollste diagnostische Fenster. Hier muss z. B. an das Asservieren von Urin für organische Säuren gedacht werden, die Bestimmung von Ammoniak, Laktat und Acylcarnitinen. Die diabetische Ketoazidose wird durch einen Mangel an Insulin verursacht und führt zu einem Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten. Eine ernste Komplikation bei der Behandlung ist das Hirnödem, das allerdings auch schon vor der Behandlung bestehen kann.

Die Anamnese ist der entscheidende Schritt zur Risikostratifizierung bei Vergiftungen. Ist die Menge der eingenommenen Substanz unbekannt, muss davon ausgegangen werden, dass das Kind die gesamte in der Packung/Flasche fehlende Menge zu sich genommen hat. Auch die Gabe von Aktivkohle ist mit dem Risiko von Erbrechen und Aspiration behaftet.

Die Zahl häufiger Komaursachen ist beim Kind überschaubar. Die elementare Vorgehensweise orientiert sich an der Basis jeder Notfallversorgung. Jeder Notarzt weiß, dass akut lebensbedrohlich erscheinende Erkrankungen beim Kind häufig eine transiente Dynamik haben, so etwa der Fieberkrampf, aber auch der hier nicht diskutierte Krupp-Anfall. Insbesondere beim Fieberkrampf soll die Invasivität des Vorgehens diesem Umstand Rechnung tragen, d. h. man wird eine Intubation zu vermeiden suchen.