Dtsch Med Wochenschr 2006; 131(7): 314-318
DOI: 10.1055/s-2006-932517
Originalien
Neurologie / Epidemiologie
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Veränderungen in der Wahrnehmung der Risikofaktoren für einen Schlaganfall in der deutschen Bevölkerung zwischen 1995/1996 und 2000/2001[1]

Ergebnisse zweier repräsentativer EMNID-BefragungenChanges in the perception of risk factors for stroke in the German population: Experience from two representative surveys 1995 - 1996 and 2000 - 2001M. Wagner1 , S. Roebers2 , J. Breckenkamp3 , J. Heidrich2 , B. Mohn1 , K. Berger2 , P. U. Heuschmann2
  • 1Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Gütersloh
  • 2Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin, Universitätsklinikum Münster
  • 3AG Epidemiologie & International Public Health, Universität Bielefeld
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

eingereicht: 23.8.2005

akzeptiert: 5.12.2005

Publikationsdatum:
08. Februar 2006 (online)

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Zusammenfassung

Hintergrund und Fragestellung: Der Schlaganfall ist weltweit eine der Hauptursachen für Tod und Behinderung. Voraussetzung für die Planung effektiver Präventionsstrategien ist ein verbesserter Wissensstand über die beeinflussbaren Risikofaktoren des Schlaganfalls in der Bevölkerung. Im Rahmen zweier repräsentativer Umfragen wurde die Wahrnehmung der Schlaganfallrisikofaktoren in der deutschen Allgemeinbevölkerung sowie die Veränderungen in einem Zeitraum von 5 Jahren untersucht.

Methodik: In den Jahren 1995 - 1996 und 2000 - 2001 wurden von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe in Kooperation mit der Barmer-Ersatzkasse und Sanofi-Synthelabo bundesweite Aufklärungskampagnen zum Krankheitsbild Schlaganfall initiiert. Im Rahmen dieser Aufklärungsprogramme wurden durch TNS EMNID zwei Befragungen zum Wissen der Bevölkerung über Schlaganfallrisikofaktoren durchgeführt. Hierzu wurde eine repräsentative Stichprobe der deutschen Wohnbevölkerung ausgewählt und die Teilnehmer aufgefordert, ihre subjektive Wahrnehmung hinsichtlich des Schlaganfallrisikos für häufige vaskuläre Risikofaktoren in vier Kategorien einzustufen.

Ergebnisse: Ingesamt wurden 8193 Personen befragt (4081 im Zeitraum 1995 - 1996; 4112 im Zeitraum 2000 - 2001). 43,5 % der Teilnehmer waren ³ 50 Jahre alt, der Frauenanteil lag bei 52,5 %. Insgesamt wurde die arterielle Hypertonie von 68,3 % der Befragten mit der höchsten Kategorie für ein Schlaganfallrisiko bewertet, gefolgt von Rauchen (52,3 %), Hypercholesterinämie (48,0 %), Übergewicht (48,0 %), übermäßigem Alkoholkonsum (32,9 %) und Diabetes (26,6 %). Der Anteil der Teilnehmer, der diese Faktoren für ursächlich für die Entstehung eines Schlaganfalls hielt, war in der Umfrage 2000 - 2001 durchgehend höher als 1995 - 1996.

Folgerung: In zwei repräsentativen Umfragen in Deutschland stieg die Wahrnehmung der modifizierbaren Risikofaktoren des Schlaganfalls in einem Zeitraum von 5 Jahren an. Die Bedeutung des Diabetes mellitus als Schlaganfallrisikofaktor wird in der Allgemeinbevölkerung unterschätzt.

Summary

Background and objective: Stroke is one of the leading causes for death and disability worldwide. A better understanding of the perception of modifiable stroke risk factors in the population is the first step to initiate effective prevention strategies on population level. Changes over 5 years in the risk perception in the general population were investigated by two representative surveys in Germany.

Methods: Nationwide programs to screen voluntary participants for stroke risk were undertaken in 1995-1996 and 2000-2001 by the German Stroke Foundation, in cooperation with the health insurance company BARMER and the Sanofi-Synthelabo Company. As part of these programmes two surveys were performed by TNS-EMNID to collect data on population knowledge. A representative sample of the German population was selected and asked to categorize their perception of stroke risk for common vascular risk factors.

Results: A total of 8193 participants were interviewed (4081 in 1995-1996 and 4112 in 2000-2001); 43.5% were ³ 50 years of age and 52.5% were female. Hypertension was rated by 68.3% to be in the highest risk category for stroke, followed by smoking (52.3%), hypercholesterolemia (48.0%), overweight (48.0%), excessive alcohol consumption (32.9%) and diabetes (26.6%). The proportion of participants who graded these factors to be important for stroke occurrence was persistently higher in 2000-2001 than in 1995-1996.

Conclusion: Perception of modifiable risk factors for stroke increased over a 5-year time period in two representative surveys in Germany. The importance of diabetes mellitus as a risk factor for stroke is especially underestimated in the general population.

1 Vorherige Veröffentlichungen: Ergebnisse der Studie wurden als Vortrag während der 11. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie, Heidelberg, 15.-19. März 2004, präsentiert.