Intensivmedizin up2date 2006; 2(4): 301-315
DOI: 10.1055/s-2006-944794
Allgemeine Prinzipien der Intensivmedizin
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Differenzierter Einsatz kardiovaskulär aktiver Substanzen

Björn Ellger, Martin Westphal
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
02. November 2006 (online)

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Kernaussagen

Die hämodynamische Therapie kann anhand der Zusammenschau verschiedener Messparameter gesteuert werden. Verschiedene Surrogatparameter der systemischen (z. B. HZV, arterieller Mitteldruck) und regionalen Perfusion (z. B. Stundendiurese, Lactat, Quotient aus zentralvenöser und gemischtvenöser Sauerstoffsättigung, Basenüberschuss, Bilirubin) sind hilfreich. Die Zielwerte sollten durch eine subtile Titration der eingesetzten Pharmaka erzielt werden. Dabei sollte der Erfolg des Vorgehens engmaschig evaluiert werden.

Ein Optimieren des zirkulierenden Blutvolumens ist Basis jeder Intervention.

Kardiovaskulär wirksame Substanzen dienen der symptomatischen Therapie einer hämodynamischen Insuffizienz.

Therapieprinzip der kardialen Insuffizienz sind Vor- und Nachlastsenkung, Rhythmuskontrolle und Steigerung der Inotropie. Vasopressoren werden v. a. beim distributiven Schock eingesetzt.

Da Katecholamine schwere Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen oder eine Verschlechterung der myokardialen Leistung bewirken können, sollten sie sorgsam eingesetzt werden. Modernere Inodilatatoren beeinflussen Kontraktilität, Vor- und Nachlast und können somit effektiver sein als konventionelle Therapeutika.

Noradrenalin ist der Vasopressor der Wahl beim distributiven Schock und kann nach Sicherstellung einer Normovolämie mit Dobutamin kombiniert werden, um die Organperfusion zu verbessern.

Bei einem katecholaminrefraktären septischen Schock sollte der Einsatz niedrig dosierter Vasopressinanaloga erwogen werden.

Glucocorticoide zur Therapie der hämodynamischen Insuffizienz sind nur bei nachgewiesener Nebenniereninsuffizienz indiziert.

Calciumsensitzer können - ggf. in Kombination mit anderen vasoaktiven Substanzen - die Herzleistung und das Outcome verbessern.

Dopamin ist nicht renoprotektiv. Es ist mit einem verschlechterten Outcome septischer Patienten assoziiert und sollte daher nicht eingesetzt werden.