Zusammenfassung
Opfer eines sexuellen Missbrauchs können ein breites Spektrum an Störungen aufweisen.
Häufig wird dieses von einer Posttraumatischen Belastungsstörung dominiert. Der vorliegende
Beitrag beschreibt auf der Grundlage des aktuellen Forschungstandes zentrale psychotherapeutische
Strategien in der Behandlung von Opfern eines sexuellen Missbrauchs. Ein Schwerpunkt
der Darstellung liegt in der Bedeutung des traumaassoziierten Gedächtnisnetzwerks
für die Entstehung, Aufrechterhaltung und Behandlung der Folgen eines sexuellen Missbrauchs.
Besonderheiten des Traumas des sexuellen Missbrauchs werden dabei spezifisch berücksichtigt.
Aus den Ursachen für eine isolierte Abspeicherung von Traumaerinnerungen und dessen
Konsequenzen für die Symptomatik wird gemäß des aktuellen Forschungsstandes das Erfolg
versprechendste psychotherapeutische Konzept abgeleitet, das sich im Wesentlichen
auf die Strategien der Konfrontation und der kognitiven Umstrukturierung gründet.
Zudem wird auf Besonderheiten der therapeutischen Beziehung in der Behandlung von
sexuellen Missbrauchopfern eingegangen.
Schlüsselwörter
Sexueller Missbrauch - Posttraumatische Belastungsstörung - Traumagedächtnis - Konfrontation
- kognitive Umstrukturierung - therapeutische Beziehung - dysfunktionale Bewältigung
Literatur
- 1 Bohus M, Wagner A W.
Dialektisch-behaviorale Therapie früh traumatisierter Patientinnen mit Borderline-Störung. In: Egle UT, Hoffmann SO, Joraschky P (Hrsg) Sexueller Missbrauch, Misshandlung,
Vernachlässigung. Erkennung und Therapie psychischer und psychosomatischer Folgen
früher Traumatisierungen. Stuttgart; Schattauer 2000: 405-432
- 2 Eschenröder C T.
Entwicklung und gegenwärtiger Status der EMDR - Ein Überblick. In: Eschenröder CT (Hrsg) EMDR: Eine neue Methode zur Verarbeitung traumatischer
Erinnerungen. Tübingen; dgvt 1997: 11-65
- 3
Falsetti S A, Resnick H S, Davis J.
Multiple Channel Exposure Therapy. Combining Cognitive-Behavioral Therapies for the
treatment of Posttraumatic Stress Disorder with Panic Attacks.
Behavior Modification.
2005;
29 (1)
70-94
- 4
Foa E B, Meadows E A.
Psychosocial treatments for Post-traumatic Stress Disorder: A critical review.
Annual Review of Psychology.
1997;
48
449-480
- 5
Gilboa-Schechtman E, Foa E B.
Patterns of recovery from trauma: The use of intraindividual analysis.
Journal of Abnormal Psychology.
2001;
110 (3)
392-400
- 6 Hirsch M. Realer Inzest. Psychodynamik des sexuellen Missbrauchs in der Familie. Gießen;
Psychosozial-Verlag 1999
- 7 Kendall-Tackett K A, Meyer Williams L, Finkelhor D.
Die Folgen von sexuellem Missbrauch bei Kindern: Review und Synthese neuerer empirischer
Studien. In: Amann G, Wipplinger R (Hrsg) Sexueller Missbrauch. Überblick zu Forschung, Beratung
und Therapie. Ein Handbuch. 3. überarb. und erg. Aufl. Tübingen; dgvt 2005: 179-212
- 8 Meichenbaum D. A clinical handbook/practical therapist manual for assessing and
treating adults with Post-traumatic Stress Disorder (PTSD). Waterloo, Canada; Institute
Press 1994
- 9
Power K, McGoldrick T, Brown K, Buchanan R, Sharp D, Swanson V, Karatzias A.
A controlled comparison of Eye Movement Desensitization and Reprocessing versus Exposure
plus Cognitive Restructuring versus waiting list in the treatmant of Post-traumatic
Stress Disorder.
Clinical Psychology and Psychotherapy.
2002;
9
299-318
- 10 Shapiro F. Eye Movement Desensitization and Reprocessing. Basic principles, protocols,
and procedures. New York; Guildford Press 1995
- 11
Spaccarelli S, Fuchs C.
Variability in symptom expression among sexually abused girls: Developing multivariate
models.
Journal of Clinical Child Psychology.
1997;
26 (1)
24-35
- 12
Etten M L Van, Taylor S.
Comparative efficacy of treatments for Post-traumatic Stress Disorder: A meta-analysis.
Clinical Psychology and Psychotherapy.
1998;
5
126-144
1 Der Einfachheit halber verwenden wir in diesem Beitrag - analog zur Grundwahrscheinlichkeit
- für PatientInnen immer die weibliche, für TäterInnen immer die männliche Form, auch
wenn sich die Aussagen immer auf beide Geschlechter beziehen.
Korrespondenzadresse:
Univ.-Prof. Dr. Gabriele Amann
Fachbereich Psychologie, Universität Salzburg
Hellbrunnerstraße 34
5020 Salzburg
Österreich