Zusammenfassung
Es wird die homöopathische Behandlung eines Jungen vom Zeitpunkt seiner Geburt
an bis zum 13. Lebensjahr geschildert. Weil das Simillimum des Patienten über
viele Jahre nicht erkannt wird, kommt es unter dieser Behandlung zur Verschlechterung
des Gesundheitszustandes mit rezidivierender Otitis media und Adenoiden. Diese
Beschwerden heilen erst mit der Verabreichung der Arznei Staphisagria.
Die vorliegende Kasuistik zeigt die Wirksamkeit von Staphisagria bei entzündlichen Prozessen. Sie gibt Hinweise, dass Staphisagria innerhalb des diagnostischen Arsenals der Homöopathie, besonders im Repertorium,
bislang äußerst ungenügend berücksichtigt ist und dass die Diagnostik dieses
Heilmittels vornehmlich über die Bestimmung des Gemütszustandes erfolgen kann.
Schließlich werden auf Grundlage des vorliegenden Falles Rubriken des Kent'schen
Repertoriums benannt, in denen Staphisagria nach Auffassung des Verfassers nachgetragen bzw. in ihrer Wertigkeit erhöht werden
kann.
Summary
Homeopathic treatment of a boy from birth to his 13. year. This treatment brings
about an aggravation of the state of health with recurrent otitis media and adenoids,
because the simillimum of the patient has not been found for years. These ailments
heal only with the administration of Staphisagria. This case shows the efficacy of Staphisagria in inflammatory processes. There are hints that Staphisagria is underrepresented in the diagnostic range of homeopathy, esp. in the repertories,
and that the diagnose of this remedy can be evaluated foremost via the state of
mind. On the base of this case, rubrics in Kent's repertory are being shown, to
which, according to the author, Staphisagria can be added or upgraded.
Schlüsselwörter
Staphisagria
- Otitis media - Adenoide - chronische Entzündungen - chronisch-rezidivierende Entzündungen
- Psychodiagnostik
Keywords
Staphisagria
- otitis media - adenoids - chronic inflammations - chronic recurrent inflammations
- psychodiagnostics
Anmerkungen
01 Den beiden sehr lieben Menschen, der Germanistin Laureen Nussbaum und dem Physiker
Rudi Nussbaum, Portland/Oregon, in herzlicher Verbundenheit zugeeignet.
02 Vornamen geändert.
03 mündliche Mitteilung im Rahmen der Zürcher Supervision Dr. Künzlis
04 Die Differenzialdiagnose zwischen Lycopodium und Staphisagria kann sich bisweilen schwierig gestalten. So stellte sich z.B. bei einer größeren
Anzahl meiner erwachsenen Patientinnen heraus, dass sie Lycopodium benötigen, obwohl ich ihren Gemütszustand als sehr typisch für Staphisagria angesehen und diese Arznei auch zunächst für ein bis zwei Jahre sehr gut getan
hatte. Andererseits habe ich mehrere Männer in Behandlung, bei denen ich nach
ihrer äußeren Erscheinung sehr an Lycopodium gedacht habe, die trotzdem Staphisagria benötigen.
Literatur
- 01 Barthel H, Klunker W. Synthetisches Repertorium. Bd. I-III. 2. Auflage Heidelberg;
Haug 1981 bzw. 1982
- 02 Hadulla M M, Richter O. Staphysagria zwischen Er-dulden und Em-pörung/Ent-rüstung. In:
Die homöopathischen Arzneien. Bd. II. Uelzen; ML Verlag 2002: 165-194
- 03 Kishore J. Comparison of Staphysagria and Colocynthis with special reference
to Psychosomatic Conditions. Proceedings. 42nd Congress of the International Homoeopathic
Medical League. Arlington/Virginia, USA; 1987: 112-127
- 04 Fimmelsberg J Künzli von. Kent's Repertorium Generale. Engl. Ausgabe Berg am Starnberger
See; Barthel & Barthel 1987
- 05 Sankaran R. Staphysagria. In: Die Seele der Heilmittel. Deutsche Ausgabe. Homoeopathic
Medical Publishers Mumbai/India; 2000: 200-205
- 06
Thomas C.
Erfahrungen mit der homöopathischen Arznei Staphisagria.
ZKH.
2005;
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- 07
Thomas C.
Erfahrungen mit der homöopathischen Arznei Staphisagria - Teil 2.
ZKH.
2006;
50
28-39
- 08 Zandvoort Rv. The Complete Repertory. Leidschendam; 1994-1996
Anschrift des Verfassers:
Dr. med. Christoph Thomas
Raiffeisenstr. 1
78465 Konstanz