Z Orthop Unfall 2007; 145(2): 161-168
DOI: 10.1055/s-2007-965183
Hüftgelenksendoprothetik und -revision

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Biomechanische Einflüsse nach Implantation einer Hüfttotalendoprothese auf die periprothetische Knochendichte an der Pfanne

Biomechanical Influences after Implantation of a Total Hip Endoprosthesis on the Periprosthetic Bone Density around the CupF. Layher1 , J. Babisch1 , A. Roth1
  • 1Orthopädische Klinik am Waldkrankenhaus „Rudolf-Elle“ gGmbH, Lehrstuhl für Orthopädie, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Eisenberg
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
10. Mai 2007 (online)

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Zusammenfassung

Studienziel: Das Ziel der vorliegenden Untersuchung bestand darin, nachzuweisen, inwieweit Änderungen der biomechanischen Gelenkbelastung als Folge einer zementfreien Hüft-Total-Endoprothese (HTEP) die Verteilung der Knochendichte im Bereich des Pfannenimplantates beeinflussen. Methode: 43 Patienten unterschiedlicher Ausgangsdiagnosen wurden einheitlich mit Pfannenimplantaten von Typ Duraloc versorgt. Mit Hilfe einer biomechanischen Modellierung wurde die biomechanische Gesamtsituation, die Änderung der Gelenkbelastung und deren Einfluss auf die lokale Knochendichte ermittelt. Das periprothetische Knochenlager wurde in drei Zonen unterteilt, in denen mittels DEXA-Messung am 10. postoperativen Tag sowie 3 und 12 Monate nach der Operation die Änderung der periprothetischen Knochendichte analysiert wurde. Ergebnisse: In Folge der HTEP-Implantation kam es zu einer Normalisierung der biomechanischen Parameter. Der biomechanische Bewertungsscore stieg signifikant von durchschnittlich 6,9 präoperativ auf 9,7 postoperativ bei maximal 12 möglichen Punkten. Den größten Anstieg zeigten die Patienten mit Dysplasiekoxarthrose von 2,1 auf 8,6 Punkte. Die periprothetische Knochendichte reduzierte sich im Untersuchungszeitraum im Mittel um 14,4 %, wobei die stärksten Änderungen nach 3 Monaten festzustellen waren (- 9,5 %). Die zonen- und diagnosebezogene Analyse der Knochendichteabnahme in Kombination mit der biomechanischen Belastungsanalyse führte zu dem Ergebnis, dass die Normalisierung der biomechanischen Parameter nach einer HTEP-Implantation mit einer Harmonisierung der Knochendichte einherging. In Regionen mit hohen Knochendichteausgangswerten führte dies zu einer besonders ausgeprägten Abnahme der Knochendichte. Dies betraf den lateralen Pfannenrand bzw. Pfannenerker bei Dysplasiekoxarthrosen und Coxa valga sowie die Bereiche am unteren Pfanneneingang bis hin zum Pfannenpol bei Protrusionskoxarthrosen. Schlussfolgerung: Die Versorgung hüftgelenkserkrankter Patienten mit einer HTEP muss im Hinblick auf eine möglichst lange Verweildauer unter der Prämisse erfolgen, eine biomechanisch optimale Rekonstruktion der Hüftgelenksmechanik zu erreichen. Präoperativ bestehende pathologische Gelenkkonstellationen, die infolge mechanischer Fehlbelastung zu einer Ungleichverteilung der Knochendichte führen, müssen im Hinblick auf die Vermeidung erhöhter Implantatbelastung und einem erhöhten Polyethylenabrieb des Pfanneninlays korrigiert werden.