Handchir Mikrochir Plast Chir 2008; 40(3): 145-148
DOI: 10.1055/s-2007-965317
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Konservative Behandlung von großen ossären Malletläsionen: 10 Fälle

Non-Surgical Treatment of Mallet Finger Fractures Involving More than One Third of the Joint Surface: 10 CasesP. Weber1 , H. Segmüller1
  • 1Handchirurgie, Spitalzentrum Biel, Schweiz
Further Information

Publication History

eingereicht 15.1.2007

akzeptiert 16.4.2007

Publication Date:
23 April 2008 (online)

Zoom Image

Zusammenfassung

In der Literatur finden sich zahlreiche Beschreibungen von operativen Stabilisierungsmethoden für die großen ossären Malletläsionen. Häufig sind die Resultate in einem großen Prozentsatz unbefriedigend. Unklar ist in vielen Publikationen auch neueren Datums die exakte Operationsindikation. Im Allgemeinen wird bei einer Beteiligung von einem bis zwei Dritteln der Gelenklinie, ersichtlich auf dem Röntgenbild im seitlichen Strahlengang, von einer Operationsindikation ausgegangen, dies obwohl Wehbé und Schneider schon 1984 die konservative BehandIung unabhängig von der Fragmentgröße und ‐dislokation empfohlen haben. Wir stellen die Resultate der konservativen Behandlung von 10 konsekutiven Patienten vor. Alle Patienten zeigten radiologisch eine Gelenklinienbeteiligung von einem bis zwei Dritteln, eine durchschnittliche Dislokation des Fragmentes von 1,5 mm (0,5 bis 3 mm) und eine Gelenkflächeninkongruenz infolge Fragmentrotation bis maximal 1 mm. Eine palmare Subluxation war in keinem Fall vorhanden. Es erfolgte eine Schienenbehandlung mit dorsaler Aluschiene während 4 - 6 Wochen, die Nachtschienung wurde insgesamt 8 Wochen durchgeführt. Alle Patienten zeigten bei der Nachuntersuchung eine sehr gute Beweglichkeit. Das durchschnittliche Bewegungsausmaß der DIP-Gelenke lag bei 83 Grad (75 bis 90 Grad). Radiologisch findet sich eine ausgezeichnete sekundäre Gelenkkongruenz auch bei initialer Dislokation bis 3 mm und Gelenkstufe von 1 mm. Bei keinem der 10 Patienten entstand eine sekundäre palmare Subluxation. Unsere Resultate bei einem klar definierten und radiologisch exakt dokumentierten Patientenkollektiv bestätigen die Aussagen von Wehbé und Schneider sowie Tuttle und Mitarb., dass unabhängig von der Fragmentgröße konservativ behandelt werden kann. Eine initial schon vorliegende palmare Subluxation der Endphalanx ist unseres Erachtens das einzige Kriterium für eine allfällige Operationsindikation.

Abstract

Operative stabilisation of mallet finger fractures is generally recommended in cases with more than one-third of the articular surface involved. Results of surgical stabilisation are often unsatisfying regarding anatomic reconstruction of the joint surface and mobility of the DIP joint. In a retrospective study we present the results of conservative treatment of 10 consecutive patients with mallet finger fractures involving one-third to two-thirds of the joint surface. Treatment consisted in splinting with a dorsal aluminium splint for 4 to 6 weeks, nightsplinting continued for a total of 8 weeks. Functional results at 9 months follow-up are very good with an extensor lag of maximally 5 degrees in 5 cases, a reduced flexion of maximally 10 degrees in 2 cases. All patients are pain-free. Radiological results show a very good remodelling of the DIP joint surface with anatomic joint congruency even in cases with initially up to 3 mm fragment displacement and 1 mm fragment rotation. There was no secondary palmar subluxation. Our findings support the conclusion of Wehbé and Schneider and Tuttle et al. that most mallet finger fractures can be treated conservatively, regardless the size and amount of displacement of the bone fragment. In conclusion, we consider that operative stabilisation has to be discussed only in the presence of palmar subluxation.