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DOI: 10.1055/s-2007-967007
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
Aus der Gutachtenpraxis: Beiderseitige Hochtonschwerhörigkeit mit Senkenbildung nach Explosion
From the Expert's Office: Bilateral High-frequency Hearing Loss with C5-Senke Following ExplosionPublication History
Publication Date:
13 December 2007 (online)
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Einleitung
H. H., 52 Jahre, Bürokaufmann
Der Versicherte führt ein Unternehmen in eigens dafür gemieteten Räumlichkeiten. Eines Tages stellte er morgens beim Betreten der Räume einen Stromausfall fest und vermutete einen Kurzschluss. Er begab sich in den im Keller gelegenen Technikraum und suchte im Schein einer Taschenlampe nach den Sicherungen. Er wusste nicht, dass der Hausmeister am Tag zuvor mit einem Gasbrenner Unkraut auf den Gehwegen vernichtet und die noch halbvolle 11 kg-Propangasflasche nach der Arbeit im Elektroraum abgestellt hatte. Wie später festgestellt wurde, war der Verschluss nicht fest zugedreht. Dadurch konnte Propangas austreten und sammelte sich, da es schwerer als Luft ist, im Bereich des Bodens an. Der Verunfallte schaltete eine Sicherung wieder ein und bediente den Lichtschalter. Dabei kam es zu einer gewaltigen Explosion, als sich das Propangas-Luft-Gemisch entzündete.
Die Druckwelle war so stark, dass die zum Treppenhaus gelegene, gemauerte Wand zerstört wurde. Im gesamten Treppenhaus wurden Türen und Fenster eingedrückt.
Der Versicherte selber wurde mehrere Meter durch die Luft geschleudert und schlug irgendwo mit dem Kopf auf. Er erwachte erst vier Tage später auf der Intensivstation einer Neurochirurgischen Klinik. Im Behandlungsbericht der Klinik wurden schwere Verletzungen vermerkt: Verbrennungen II. Grades mit ca. 2 % der Körperoberfläche unter Beteiligung des Gesichtes und der rechten Schulter, C6-Symptomatik bei Verdacht auf Plexusüberdehnung rechts, eine 4 cm lange Riss-Quetschwunde temporo-parietal mit Kalotten- und Orbitadachfraktur links sowie eine große Schnittwunde an der rechten Hand.
Monate nach der Entlassung fiel seiner Frau auf, dass er den Fernseher immer lauter stellte. Er selber fand, dass er vermehrt nachfragte und das Klingeln einer Eieruhr nicht mehr hörte. Auch gab er an, nunmehr einen Piepton in den Ohren zu haben. Vor allem bemerkte er eine einseitige Beeinträchtigung des Riech- und Schmeckvermögens links. Eine gestörte Nasenatmung lag nicht vor.
Der niedergelassene HNO-Arzt, den der Untersuchte dann aufsuchte, stellte rechts eine hochgradige Hochton-Innenohrschwerhörigkeit und links eine mittelgradige Tiefton- und hochgradige Hochtonschwerhörigkeit fest. Als Diagnose wurde ein Zustand nach Explosion mit Knalltrauma und Schädel-Hirntrauma vermerkt.
Bei der gutachtlichen Befragung gab der Versicherte an, vor dem Ereignis immer einwandfrei gehört zu haben. Es seien bei ihm auch nie Hörprüfungen durchgeführt worden, weder vor aber auch nicht in Zusammenhang mit dem Unfallereignis. Während der 20-jährigen Zugehörigkeit zur Bundeswehr als Berufssoldat habe er an den üblichen Schießübungen teilgenommen, jedoch stets persönlichen Gehörschutz getragen, Vertäubungen seien nie aufgetreten. Früher habe er im Übrigen immer ein gutes Gehör gehabt, da er selbst ein Instrument gespielt habe, in einer Band gespielt und Musik mit der Familie gemacht habe.
Literatur
- 1 Feldmann H. Das Gutachten des Hals-Nasen-Ohren-Arztes. 6. Auflage. Stuttgart, New York; Georg Thieme Verlag 2006: a) zum Knalltrauma, Seite 163 ff., b) zum Explosionstrauma, Seite 167 ff.
Prof. Dr. med. T. Brusis
Institut für Begutachtung
Dürener Straße 199 - 203
50931 Köln
Email: prof-brusis@t-online.de