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DOI: 10.1055/s-2007-967029
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
Clostridium difficile-assoziierte Diarrhöe
Publikationsverlauf
Publikationsdatum:
11. Dezember 2007 (online)


Kernaussagen
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C. difficile ist ein anaerobes, Gram-positives, sporenbildendes Stäbchenbakterium und wurde 1935 erstmalig von Hall und O'Toole beschrieben.
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Die Prävalenz beträgt bei Erwachsenen 1 - 3 %, bei Säuglingen bis zu 80 %, bei hospitalisierten Patienten 15 und 35 %.
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Die Symptome der CDAD reichen von krampfartigen Unterbauchschmerzen ohne Diarrhöe bis zur lebensbedrohlichen Kolitis. 60 % der Infizierten sind symptomlos.
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Bei schweren Verläufen zeigen sich Unterbauchkrämpfe, oft blutig-schleimige Durchfälle, Fieber, Appetitlosigkeit, Schwindel, periphere Leukozytose. Die Letalität beträgt etwa 1 - 2 %.
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Fibrinöse Pseudomembranen in der Endoskopie sind pathognomonisch für eine Pseudomembranöse Colitis. Histologisch zeigen sich ein submuköses Ödem mit granulozytärer Infiltration der Lamina propria und Gefäßdilatationen.
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Toxische C. difficile Stämme produzieren zwei Toxine, das überwiegend enterotoxische TcdA und das überwiegend zytotoxische TcdB.
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Deren aktives Fragment blockiert GTPasen durch Glycosylierung der Rho-Proteine am Threonin-37. Es folgen Desintegration des Aktinzytoskeletts, Apoptose, Auflösung der Tight-Junctions und Schrankenstörung des Darmepithels.
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Aktinspezifische ADP-Ribosyltransferase (CDT) als weiterer putativer Virulenzfaktor fanden sich bei etwa 10 % der untersuchten Isolate.
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2000 - 2003 wurden nosokomiale Ausbrüche durch einen neuen Epidemiestamm in den USA und Kanada mit bis fünffach erhöhter Letalität beobachtet. Seit 2003 erfolgt eine Ausbreitung nach Europa.
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Dabei handelt es sich um folgenden Epidemiestamm: PCR-Ribotyp 027, Toxinotyp III, CDT, 18 bp Deletion im Regulatorgen TcdC, Leserahmenverschiebung an Position 117 mit Inhibition des negativen Regulators TcdC, dadurch 16 - 23fach erhöhte in vitro Zytotoxizität, kombinierte Erythromycin- und Moxifloxacin Resistenz.
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Infektionswege der nosokomialen CDAD sind die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch sowie die indirekte Übertragung über Personal, Flächen oder Gegenstände.
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Krankenhaushygienische Maßnahmen sind: Isolierung infektiöser Personen, Händehygiene, Einmalhandschuhe, geeignete Schutzkleidung und Wäscheaufbereitung, geeignete Flächen- und Instrumentendesinfektion und vermehrte Verwendung von Einweg-Medizinprodukten.
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Ausbrüche sollten durch engmaschige mikrobiologische Diagnostik möglichst zeitnah erfasst werden. Händehygiene und Desinfektion sind zu intensivieren, ggf. eigene Pflegeteams und Isolierzimmer bereitzustellen, ggf. ein Aufnahme- und Verlegungsstopp zu organisieren.
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Zur mikrobiologischen Routinediagnostik gehören der Nachweis der C. difficile-Toxine A und B aus Stuhl und die Anzucht des Erregers mit Toxinnachweis. Anschließend ist eine Feindiagnostik über PCR-Ribotyping und Analyse des Pathogenitätslocus (Toxinotyping) möglich.
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Mittel der ersten Wahl, möglichst nach Absetzen des laufenden Antibiotikums, sind Vancomycin (4 × 125 - 250 mg/Tag) oder Metronidazol (3 × 500 mg/Tag), oral verabreicht.
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Bei schwerem Verlauf sollte kombiniert mit Vancomycin (bis 4 × 500 mg/Tag, oral, per Sonde oder als rektalen Einlauf) und Metronidazol (2 - 3 × 500 mg/Tag, i. v.) therapiert werden.