Pneumologie 2007; 61 - P2
DOI: 10.1055/s-2007-985707

Prognostische Bedeutung der Mundverschlussdruckmessung bei Patienten mit chronisch-ventilatorischer Insuffizienz

S Budweiser 1, RA Jörres 2, CP Criée 3, V Langer 1, F Heinemann 1, AP Hitzl 1, K Schmidbauer 1, 4, W Windisch 5, M Pfeifer 1, 4
  • 1Klinik Donaustauf, Zentrum für Pneumologie, Donaustauf
  • 2Institut für Arbeits- und Umweltmedizin, Ludwig-Maximilians-Universität, München
  • 3Klinik für Pneumologie, Intensiv- und Schlafmedizin, Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende, Bovenden-Lenglern
  • 4Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II, Universitätsklinikum, Regensburg
  • 5Abteilung für Pneumologie, Universitätsklinikum, Freiburg

Hintergrund: Die Mundverschlussdruckmessung ist eine weitverbreitete Methode zur Untersuchung der Atemmuskelfunktion, insbesondere bei Patienten mit respiratorischer Insuffizienz. Der prädiktive Wert für das Langzeitüberleben bei diesen Patienten ist jedoch weitgehend unklar.

Methoden: Bei 464 Patienten mit chronisch-hyperkapnischer respiratorischer Insuffizienz (CHRI) und nicht-invasiver Beatmung (NIV), wurden der maximale statische Inspirationsdruck (PImax), der Ruhe-Mundverschlussdruck bei 100ms (P0.1) und das Verhältnis von P0.1/PImax vor und nach Therapie bestimmt. Sowohl die baseline-Daten als auch deren Veränderung zum follow-up wurden zusammen mit anthropometrischen Daten, Lungenfunktionswerten und Laborparametern hinsichtlich ihres prognostischen Wertes evaluiert.

Results: In der Gesamtgruppe lag der Median (Quartile) von P0.1 bei 177,0 (109,2;287,0) % des Sollwertes, der PImax bei 35,0 (24,0;47,0) % des Sollwertes, und P0.1/PImax bei 564,0 (275,7;1082,3) % des Sollwertes. In der multivariaten Regressionsanalyse war P0.1 mit der Lungenfunktionseinschränkung, der Überblähung, dem Hämoglobinwert und den Leukozyten, und PImax mit Lungenfunktion und Überblähung assoziiert (p<0,05). Die Gesamt-Mortalität während des follow-up (median 31,6 Monate) lag bei 31,5%. Das Langzeitüberleben war mit Alter, BMI, Lungenfunktion, Leukozyten, Hämoglobin, PImax, P0.1 und P0.1/PImax (jeweils p<0,01, univariat) assoziiert. In der multivariaten Cox Regression konnten Alter, BMI, FEV1, Leukozyten und P0.1/PImax als unabhängige Prädiktoren identifiziert werden. (jeweils p<0,05). Weiterhin war bei Patienten mit hohen initialen P0.1/PImax (>50th oder 75th percentile; p<0,05) eine Abnahme von P0.1/PImax zum follow-up-Zeitpunkt mit einem verbesserten Überleben verbunden.

Schlussfolgerung: Bei Patienten mit CHRI und NIV war P0.1/PImax ein unabhängiger Prädiktor für das Langzeitüberleben, zusätzlich zu den bereits bekannten Risikofaktoren. Darüberhinaus war bei Patienten mit hohen initialen P0.1/PImax-Werten eine Abnahme von P0.1/PImax nach Behandlung der CHRI unter Einschluss der NIV prognostisch relevant.