Fragestellung: Aktive nicht pigmentierte Endometrioseherde werden häufig mit entzündlichen, postentzündlichen
oder unspezifischen Veränderungen des Peritoneums verwechselt bzw. gänzlich übersehen.
Mit der Fluoreszenzdiagnostik steht in der Gynäkologie ein neues endoskopisches Verfahren
zur Verfügung, mit dem visuell nicht oder nur schlecht sichtbare benigne und maligne
Veränderungen besser erkannt werden können.
Studienziel: Ermittlung des diagnostischen Zugewinns der Autofluoreszenzdiagnostik im Vergleich
zur konventionellen Diagnostik mittels Weißlicht bei der Endometriosediagnostik.
Material und Methodik: 83 konsekutive Patientinnen mit dem klinischen Verdacht auf eine Endometriose wurden
in den Jahren 2003 und 2004 im Weißlichtmodus unter dem zusätzlichen Einsatz der Autofluoreszenz
laparoskopiert. Zur Induktion der Autofluoreszenz wurde das D-Light AF System (Karl
Storz, Tuttlingen) eingesetzt. Intraoperativ erfolgte zunächst eine lupenoptische
Betrachtung des Situs unter Weißlicht und anschließend im Autofluoreszenzmodus. Sämtliche
Endometriose verdächtigen oder Areale mit einer verminderten Autofluoreszenz wurden
gemäß der ASRM klassifiziert und extirpiert. Der histologische Nachweis der Endometriose
war Referenzstandard. Die statistische Auswertung erfolgte mittels des Chi-Quadrat
und des Mc Nemar Testes.
Ergebnisse: Bei 65 Patientinnen ließ sich eine Endometriose histologisch sichern. Insgesamt wurden
160 Biopsien unter dem visuellen oder fluoreszenzoptischen Verdacht auf eine Endometriose
sowie 38 Kontrollbiopsien entnommen. Der zusätzliche Einsatz der Fluoreszenzdiagnostik
führte zu einem signifikanten Zugewinn an histologisch gesicherten nicht pigmentierten
Endometriose-Herden (p<0.05) mit einem relativen Sensitivitätszugewinn von 1,42. Okkulte
Endometrioseherde in unauffälligem Peritoneum waren mittels Autofluoreszenz gezielt
diagnostizierbar. Die Sensitivität der Weißlichtdiagnostik bei der Diagnose nicht
pigmentierter aktiver Endometrioseherde erhöhte sich durch den zusätzlichen Einsatz
der Autofluoreszenz von 65% auf 92% und die Spezifität von 68% auf 84%.
Schlussfolgerung: Die Kombination von Weißlicht- und Autofluoreszenzdiagnostik erhöht die diagnostische
Sicherheit in Bezug auf die Detektion aktiver nicht pigmentierter Endometrioseherde
signifikant. Der diagnostische Zugewinn ist etwas geringer ausgeprägt als bei der
Fluoreszenzdiagnostik nach Applikation eines exogenen Photosensibilisators. Demgegenüber
stehen ein sehr viel einfacheres klinisches Handling und die fehlende Notwendigkeit
eines vorübergehenden Lichtschutzes, welches die Autofluoreszenz für die Routinediagnostik
und das ambulante Vorgehen besonders interessant machen.