Zusammenfassung
Anamnese und klinischer Befund: Eine 33jährige Patientin aus Laos wurde wegen rezidivierenden Erbrechens und Gewichtsabnahme
stationär aufgenommen. Die Patientin wurde seit einem Jahr wegen eines medikamenteninduzierten
Sharp-Syndroms immunsuppressiv mit Azathioprin (50 mg/d) und Methylprednisolon (18 mg/d
oral) behandelt. Einen Monat vor Beginn der Krankheitserscheinungen war wegen eines
medikamentös bedingten Stevens-Johnson-Syndroms Methylprednisolon hochdosiert (100 mg/d)
intravenös gegeben worden. Der Allgemeinzustand der Patientin war stark reduziert.
Im Bereich des Mittelbauches war ein leichter Druckschmerz auslösbar; Abwehrspannung
oder Resistenzen waren jedoch nicht vorhanden. Eine Obstruktion und (oder) ein entzündlicher
Prozeß im Gastrointestinaltrakt wurden als Differentialdiagnose in Erwägung gezogen.
Untersuchungen: Als Hinweise auf eine Helminthose wurden eine Eosinophilie von 8 % im Differentialblutbild
und eine IgE-Erhöhung auf 1111 IU/ml (Norm < 100 IU/ml) im Serum gefunden. In der
Ösophagogastroduodenoskopie wurde eine ausgeprägte Stenosierung im Duodenum nachgewiesen.
Die Biopsie der duodenalen Mucosa zeigte einen massiven Befall mit Strongyloides stercoralis.
Die daraufhin durchgeführten Stuhluntersuchungen blieben jedoch mehrfach ohne Befund.
Therapie und Verlauf: Unter einer Therapie mit Thiabendazol (2 g/d) gingen Ileussymptomatik und Infektion
schnell zurück. In der Kontroll-Ösophagogastroduodenoskopie eine Woche nach Therapiebeginn
war keine duodenale Stenose mehr nachweisbar. Da weder klinisch noch laborchemisch
Hinweise auf einen akuten Schub des Sharp-Syndroms bestanden, wurde die Methylprednisolon-Dosis
reduziert und das Azathioprin abgesetzt. 3 Wochen nach Therapiebeginn konnte die Patientin
in deutlich gebessertem Allgemeinzustand entlassen werden.
Folgerung: Bei immunsupprimierten Patienten, die sich in Endemiegebieten aufgehalten haben,
sollte bei unklaren gastrointestinalen Erkrankungen immer auch an eine Strongyloidiasis
gedacht werden. Diese Helminthose kann unbehandelt einen fatalen Verlauf nehmen.
Abstract
History and clinical findings: A 33-year-old woman from Laos was admitted due to recurrent vomiting and weight loss.
Since one year, she was receiving immunosuppressive therapy (azathioprine 50 mg/d
and methylprednisolone 18 mg/d) for a mixed connective tissue disease. Because of
a drug induced Stevens-Johnson-Syndrom one month earlier high doses of methylprednisolone
(100 mg/d intravenously) had been administered. The patient's general condition was
reduced. Examination elicited a mild pain in the middle abdomen on palpation but no
resistance or tumour. The differential diagnosis included obstructive and (or) inflammatory
disease of the gastrointestinal tract.
Investigations: Elevated IgE-levels (1111 IU/ml; normal up to 100 IU/ml) and eosinophilia (8 %) lead
to the suspicion of a helminthosis. Oesophagogastroduodenoscopy showed a significant
duodenal stenosis. Duodenal biopsy revealed a severe infestation with Strongyloides
stercoralis. Stool examinations were negative though.
Treatment and course: With administration of thiabendazole (2 g/d) a rapid recovery was noted. A second
oesophagogastroduodenoscopy one week after the onset of therapy revealed no further
stenosis. Since there was no activity of the mixed connective tissue disease the methylprednisolone
dosage was reduced and the administration of azathioprine was ceased. 3 weeks after
beginning of treatment the patient was discharged in improved condition.
Conclusion: In immunocompromised patients suffering from gastrointestinal complaints who have
been in endemic areas an infection with Strongyloides stercoralis should be excluded.
Without treatment, this helminthosis may be fatal.