Zusammenfassung
Bei einem 19jährigen Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie kam es 3 Tage nach
einem Zytostase-Zyklus zu Fieber, Verschlechterung des Allgemeinzustandes und Somnolenz.
Es bestanden eine Anämie (Hämoglobin 6,6 g/dl), eine Leukopenie (100/µl) und eine
Thrombopenie (7000/µl), so daß unter dem Verdacht auf eine beginnende Sepsis eine
breite antibiotische Therapie begonnen wurde. Gleichzeitig erhielt der Patient jeweils
zwei Erythrozyten- und Thrombozytenkonzentrate. In den nächsten 5 Stunden verschlechterte
sich sein Zustand rapide (Meningismus, Krampfanfälle, Fieber bis 41,1°C, Schnappatmung).
Bei einer erneuten Blutbildkontrolle fiel eine schwerste Hämolyse auf. Ein Computertomogramm
des Schädels ließ eine multilokuläre intraparenchymale Gasbildung erkennen. Trotz
Erweiterung der Antibiotikatherapie starb der Patient wenige Stunden später. Die Nachuntersuchung
des vermeintlichen Transfusionszwischenfalls ergab keinerlei Anhalt für eine Unverträglichkeit
im erythrozytären Bereich. Es fand sich jedoch eine Freilegung des T-Antigens als
Zeichen einer bakteriell bedingten Schädigung der Erythrozyten. In einer anaeroben
Blutkultur wurde in den nächsten Tagen Clostridium perfringens angezüchtet. Eine im
Rahmen einer Sepsis auftretende akute intravasale Hämolyse ist somit als Differentialdiagnose
des hämolytischen Transfusionszwischenfalls zu berücksichtigen.
Abstract
A 19-year-old man with acute lymphoblastic leukaemia developed fever, general deterioration
and somnolence 3 days after a cycle of cytostatic treatment. He had anaemia (haemoglobin
6.6 g/dl), leukopenia (100/µl) and thrombocytopenia (7,000/µl). As an acute septicaemia
was suspected he received broad spectrum antibiotic therapy, together with two units
of red cell and platelet concentrates. However, his condition worsened rapidly over
the next 5 hours (meningism, seizures, fever to 41.1°C, dyspnoea). Another blood count
revealed severe haemolysis. Computed tomography of the skull demonstrated multilocular
intraparenchymal gas formation. Although the antibiotic treatment was extended the
patient died several hours later. Retrospective examination for suspected transfusion
mismatch provided no evidence for erythrocyte incompatibility. But there was liberation
of T-antigen as sign of a bacterial cause of erythrocyte damage. An anaerobic blood
culture grew Clostridium perfringens. This case demonstrates that acute intravascular
haemolysis in septicaemia should be considered in the differential diagnosis of transfusion
mismatch.