Zusammenfassung
Ziel: Im Rahmen dieser Pilotstudie erfolgte erstmals eine Bestimmung der Prävalenz von
Labmagengeschwüren bei Rindern in Österreich. Außerdem wurden Managementfaktoren evaluiert,
die möglicherweise die Bildung von Labmagengeschwüren begünstigen, und der diagnostische
Wert von Tests für okkultes Blut im Kot für die Diagnose von Labmagengeschwüren geprüft.
Material und Methoden: Bei 91 Mastbullen, 33 Kühen und 91 Kälbern wurden nach der Schlachtung die Labmägen
auf Geschwüre untersucht. Festgestellte Ulzera sowie der pH-Wert des Lagmageninhalts
wurden dokumentiert und der Kot auf okkultes Blut getestet. Ferner erfolgte eine Erfassung
der Fleischigkeits- und Fettklassen der Tierkörper. Die telefonisch kontaktierten
Tierbesitzer konnten freiwillig an einer Befragung zu Managementund Fütterungspraktiken
mit potenziellem Einfluss auf die Gesundheit des Labmagens teilnehmen.Ergebnisse: Der pH-Wert des Labmageninhalts betrug im Median 3,0 bei Kälbern, 3,6 bei Bullen
und 3,9 bei Kühen. Mehr als die Hälfte der Tiere hatten Labmagengeschwüre der am wenigsten
schwerwiegenden Art. Beide Tests für okkultes Blut im Kot waren nicht geeignet, diese
Art von Ulzera nachzuweisen. Durch die Befragung ließen sich keine eindeutigen Faktoren
feststellen, die für die Bildung von Labmagengeschwüren ursächlich sein könnten. Schlussfolgerung und klinische Relevanz: Die Ergebnisse legen nahe, dass die Haltungssysteme in Österreich die Bildung geringgradiger
Labmagengeschwüre begünstigen. Da es beim Rind keine Möglichkeit gibt, dies in vivo
zu erforschen, bleiben weiterreichende Schlussfolgerungen rein spekulativ. Weitere
Aspekte, z. B. die Rolle von Bakterien bei der Bildung von Geschwüren oder ihre Auswirkungen
auf Produktivität und Tierwohl, sollten in folgenden Studien untersucht werden. Ebenso
sollten die Ergebnisse dieser Pilotstudie in größeren experimentellen Studien bestätigt
werden.
Schlüsselwörter Okkultes Blut im Kot - pH-Wert - Managementfaktoren - Tierschutz