Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere 2016; 44(06): 397-403
DOI: 10.15654/TPK-160433
Originalartikel
Schattauer GmbH

Multiple thorakolumbale partielle laterale Korpektomien bei 17 Hunden

Article in several languages: deutsch | English
Thomas Flegel
1   Klinik für Kleintiere der Universität Leipzig
,
Maria Münch
1   Klinik für Kleintiere der Universität Leipzig
,
Karina Held
1   Klinik für Kleintiere der Universität Leipzig
,
Florian Salger
2   Abteilung für klinische Neurologie, Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern
,
Luisa Ziegler
3   Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische, Justus-Liebig-Universität Gießen
,
Peter Böttcher
1   Klinik für Kleintiere der Universität Leipzig
› Author Affiliations
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Publication History

Received: 08 April 2016

Accepted after major revision: 03 August 2016

Publication Date:
20 December 2017 (online)

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Zusammenfassung

Gegenstand und Ziel: Beschreibung der Durchführbarkeit und des Endresultats multipler thorakolumbaler partieller lateraler Korpektomien (TLPLCs) bei Hunden mit vorwiegend ventralen thorakolumbalen Bandscheibenvorfällen. Hintergrund war die in der aktuellen Fachliteratur geäußerte Befürchtung, dieser chirurgische Eingriff zur Dekompression könne eine erhebliche Instabilität der Wirbelsäule zur Folge haben. Material und Methoden: Retrospektive Auswertung der Daten von Hunden mit Bandscheibenvorfällen Hansen Typ I und II, die mit multiplen TLPLCs versorgt wurden. Die präoperative Rückenmarkskompression und die postoperative Dekompression sowie die Morphometrie der Korpektomien wurden anhand von computertomo - graphischen Myelographien ausgewertet. Das neurologische Ergebnis wurde mithilfe wiederholter neurologischer Untersuchungen unter Anwendung eines modifizierten Frankel-Scores und einer Besitzer - befragung beurteilt. Ergebnisse: Siebzehn Hunde mit einer mittleren Körpermasse von 20,3 kg (Spanne: 4,0–49,0 kg) gingen in die Studie ein. Bei 14 Hunden erfolgten zwei TLPLCs, bei zwei Hunden drei und bei einem Hund vier. Die Auswertung der Korpektomiemorphometrie ergab folgende Mittelwerte: Tiefe: 63%, Höhe: 29%, Länge: 25% des Wirbelkörpers. Zwischen zwei benachbarten Korpektomieöffnungen verblieben im Mittel 55% der Wirbelkörperlänge. Bei der Kontrolle 4 Wochen post operationem hatten 6/17 Hunden (35,3%) den gleichen Frankel-Score wie vor der Operation, während 11/17 (64,7%) einen neurologisch verbesserten Score aufwiesen. Nach Angaben der Besitzer zeigten 78,5% der Hunde innerhalb 6 Monaten einen unauffälligen Gang. Die mittlere Überlebenszeit von 16 nachverfolgbaren Hunden betrug 951 Tage. Schlussfolgerung und klinische Relevanz: Multiple thorakolumbale Bandscheibenvorfälle können durch mehrere TLPLCs, sogar an unmittelbar benachbarten Bandscheiben, dekomprimiert werden, ohne dass bei den meisten Hunden mit einer klinisch signifikanten Instabilität der Wirbelsäule zu rechnen ist.