Von den Anfängen
Da die MHB Theodor Fontane noch jung an Jahren ist und sich daher ihr Bekanntheitsgrad
noch in einem frühen Stadium befindet, seien hier einige Vorbemerkungen erlaubt. Nach
der wiedererlangten Einheit 1990 wurden die drei Bezirke Potsdam, Frankfurt/O. und
Cottbus zum Bundesland Brandenburg vereint. Berlin wurde wie Hamburg ein Stadtstaat.
Im Land Brandenburg gab es keine Hochschulmedizin im Gegensatz zum Bundesland Berlin
mit zwei Universitäten!
1991 erfolgte die Gründung der Universität Potsdam, in Frankfurt/O. der Europa-Universität
Viadrina und in Cottbus-Senftenberg der Brandenburgischen Technischen Universität
(BTU). Allerdings hatte keine dieser Neugründungen eine Medizinische Fakultät.
2012 wurde das Fehlen einer Ärzteausbildungsstätte akut. Hauptinitiatoren für die
Beseitigung dieses Mangels waren die Ruppiner Kliniken in Neuruppin und das Städtische
Klinikum Brandenburg. Im September 2012 stellten beide Kliniken beim zuständigen Potsdamer
Ministerium den Antrag zur Gründung der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor
Fontane.
Am 8. Juli 2014 erfolgte die staatliche Anerkennung der MHB. Das Gründungsdatum der
MHB und die Bestallung des Gründungsdekans Prof. Dr. med. Dieter Nürnberg war der
28. Oktober 2014. Der Dekan Prof. Nürnberg hatte sich während seiner kurzen Amtszeit
um das „Projekt MHB“ sehr verdient gemacht: Es wurden 2 Studiengänge in Humanmedizin
und Psychologie etabliert, 26 Professoren berufen und alle erforderlichen universitären
Gremien gebildet.
Am 1. September 2016 wurde die MHB mit einem neuen Dekan, dem Univ.-Prof. em. Dr.
med. Prof. h. c. Dr. h. c. Edmund A. M. Neugebauer bedacht. Mit ihm erhielt die MHB
eine fest in der medizinischen Forschung und Lehre verankerte Persönlichkeit. Sein
Oeuvre sind bislang 850 wissenschaftliche Publikationen sowie 12 verfasste Bücher.
Die Trägerschaft für die MHB stellen Brandenburg sowie Neuruppin zu je einem Drittel,
ein weiteres Drittel verteilt sich auf weitere Träger. Studienabschlüsse sind das
Staatsexamen für die Humanmedizin und der Bachelor of Science für die Psychologie.
Ab 2017 ist auch der Masterstudiengang möglich.
Die MHB Theodor Fontane wird durch den Campus Brandenburg und den Campus Neuruppin,
letzterer mit 800 Betten in den Ruppiner Kliniken, repräsentiert. Seit 2016 gehört
das Städtische Klinikum Dessau (SKD) zu den kooperierenden Kliniken der MHB. Damit
ist der Fachbereich Dermatologie und Venerologie die erste Hochschulabteilung der
MHB am SKD. Der Chefarzt der Hochschulklinik für Dermatologie, Venerologie, Allergologie
und Immunologisches Zentrum Prof. Dr. med. Christos C. Zouboulis wurde zum Ordinarius
für Dermatologie und Venerologie an der MHB Theodor Fontane gewählt und erhielt 2017
aus den Händen von Spectabilis Prof. Neugebauer, dem Dekan der Medizinischen Fakultät,
die Ernennungsurkunde als Ordinarius für Dermatologie und Venerologie an der MHB Theodor
Fontane. Prof. Zouboulis nimmt sowohl im Campus Neuruppin als auch im Klinikum Dessau
seine Lehrtätigkeit „mit Freude und Stolz“ wahr und das bereits seit dem Wintersemester
2017.
Die Antrittsvorlesung
Nach altem akademischem Brauch hält der neu berufene Ordinarius eine Antrittsvorlesung,
die öffentlich und staatlichen, universitären, kommunalen und kollegialen Würdenträgern
und auch den Studenten zugänglich ist. Die Leitung dieser festlichen Sitzung obliegt
dem Dekan.
In den Monaten Mai bis September 2018 finden sechs Antrittsvorlesungen in der MHB
statt. Am 27. Juni 2018 fand nun die dritte Antrittsvorlesung dieses Jahres im Großen
Festsaal des Campus Neuruppin statt, zu der der Dekan Prof. Neugebauer eingeladen
hatte und einführende Worte für den bereits 2017 berufenen Prof. Zouboulis, Chefarzt
am Dessauer Klinikum, fand.
Vorstellung von Univ.-Prof. Dr. Zouboulis
Univ.-Prof. Dr. Dr. med. Dr. sc. nat. Wolfgang Jungraithmayr, Klinikdirektor für Thoraxchirurgie
an der MHB, trug zunächst den wissenschaftlichen Werdegang von Univ.-Prof. Dr. Zouboulis
vor.
Univ.-Prof. Dr. med. Christos C. Zouboulis studierte Medizin und Politikwissenschaften
von 1978 bis 1987 an der Nationalen Kapodistria Universität Athen, Griechenland. 1988
promovierte er zum Dr. med. an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Universitätsklinikum
Benjamin Franklin der Freien Universität Berlin, wo er auch seine Facharztweiterbildung
für Dermatologie und Venerologie sowie die Zusatzweiterbildungen in Allergologie,
Andrologie und Proktologie abschloss. Er absolvierte Stipendienaufenthalte in der
Molekularbiologie am Department of Dermatology, University of Michigan Medical School,
Ann Arbor, MI, USA, und in der klinischen Forschung am Department of Dermatology,
Cleveland Clinic Foundation, OH, USA, sowie am Department of Dermatology, Massachusetts
General Hospital, Harvard University, Boston, MA, USA. Anschließend kehrte er an die
Klinik für Dermatologie der Freien Universität Berlin als Oberarzt zurück, wo er seine
Habilitationsschrift im Jahr 1995 abschloss und die Venia legendi erhielt. Im Jahr
2000 wurde er zum apl. Professor für Dermatologie und Venerologie an der Freien Universität
Berlin ernannt und hatte in den Jahren 2000 bis 2005 die Stelle des stellvertretenden
Direktors der Klinik für Dermatologie inne. 2005 wurde er zum Direktor für Dermatologie,
Venerologie und Allergologie und des Immunologischen Zentrums des Städtischen Klinikums
Dessau gewählt. 2017 wurde er nach seiner Wahl zum Gründungsprofessor des Lehrstuhls
für Dermatologie und Venerologie an der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor
Fontane ernannt.
Forschungsschwerpunkte
Die Forschungsschwerpunkte von Prof. Zouboulis liegen auf den Gebieten der Dermato-Endokrinologie
und der Talgdrüsenbiologie, der Akne, der Hidradenitis suppurativa/Akne inversa, der
Hautstammzellen, der molekularen Alterung, der Dermato-Pharmakologie, der Kryochirurgie
und der seltenen Krankheiten, z. B. des Morbus Adamantiades-Behçet und der malignen
atrophen Papulose Kohlmeier-Degos. Er ist Autor von mehr als 700 wissenschaftlichen
Publikationen.
Ehrungen
Prof. Zouboulis wurde zum Prof. honoraire der Universität Franche-Comté, Besançon,
Frankreich, zum Dr. h. c. der Nationalen Kapodistria Universität Athen und zum Gastprofessor
für Dermatologie der Shanghai Medizinischen Jiao Tong Universität, Shanghai, VR China,
gewählt. Er hat zahlreiche Auszeichnungen für seine wissenschaftliche Arbeit erhalten,
unter anderen den Oskar-Gans-Preis der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, das
EADV-Forschungsstipendium, den Felix-Wankel-Tierschutz-Forschungspreis, den Paul-Gerson-Unna-Preis
für immunologische Forschung und den Springer-Preis für Dermatologie. Seine Klinik
wurde 2009 als Exzellenzort im Programm „Deutschland Land der Ideen“ für die Arbeit
an den Stammzellen der Haut benannt. Darüber hinaus ist Prof. Zouboulis Ehrenmitglied
der französischen, der ungarischen und der litauischen Dermatologischen Gesellschaft.
Derzeit ist er im Ehrenamt Präsident des Europäischen Hidradenitis Suppurativa Foundation
(EHSF) e. V., Ehrenpräsident der Europäischen Gesellschaft für Präventive, Regenerative
und Anti-Aging Medizin (ESAAM) und Vorstandsmitglied der Europäischen Akademie für
Dermatologie und Venerologie (EADV) sowie der Internationalen Gesellschaft für den
Morbus Behçet. Prof. Zouboulis ist derzeit Editor der EADV News, Co-Editor der Zeitschriften
Dermato-Endocrinology und Rejuvenation Research und Mitglied der Editorial Boards
verschiedener internationaler Fachzeitschriften.
Nach dieser kurzen Einführung folgte die angekündigte Antrittsvorlesung mit dem Thema:
„Die Bedeutung der Hautgesundheit in der Medizin der Zukunft“. Prof. Zouboulis begann
mit der Betrachtung der menschlichen Entwicklung im griechischen Altertum, indem er
Platon von Athen als Vertreter der Genetik und Aristoteles von Stageira als Lehrer
der Umwelteinflüsse auf die Genetik, die heutzutage sog. Epigenetik, vorstellte. Die
Ätiologie der Krankheiten definiert auch i. d. R. den Zeitpunkt der Manifestation,
nämlich genetische Erkrankungen manifestieren sich in der frühen Kindheit, während
epigenetisch bedingte Erkrankungen sich deutlich später manifestieren. Die Alterspyramide
von 1910 in der Form einer „Alterstanne“ wurde bereits im Jahr 2001 und wie erwartet
im Jahr 2050 noch deutlicher in einer „Altersurne“ umgewandelt. Damit nimmt die Zahl
von epigenetisch bedingten Krankheiten deutlich zu. Während das Populationsbüro, Abteilung
für Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten des UN-Sekretariats bestimmte altersassoziierte
Körperveränderungen nannte, die zu Volkskrankheiten führen ([Tab. 1]), zeigte eine Befragung von EU-Bürgern, dass Zeichen der Hautalterung wie der Übergang
zu grauen oder weißen Haaren und die Zunahme der Hautfalten den Menschen Alterungssorgen
verursachen.
Tab. 1
Bewertung der fünf wichtigsten Alterungszeichen, die zu Volkskrankheiten im Alter
führen.
Populationsbüro, Abteilung für Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten des UN-Sekretariats
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Umfrage von EU-Bürgern
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Knochen- und Gelenkveränderungen
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Entstehung von grauen/weißen Haaren
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Gangunsicherheit
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Entwicklung von Hautfalten
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Abnahme des Erinnerungsvermögens
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Reduktion der Anpassungsfähigkeit
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Inkontinenz
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Sehschwäche
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Reduktions des Hörvermögens
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Reduktion der muskulären Kraft und der Körperstärke
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Eine Reihe von Hautfunktionen werden im Alter reduziert ([Tab. 2]). Die Hautalterung wird besonders durch einen hohen Lichteinfluss – über Dezennien
hinweg – beeinflusst, d. h. deutlich vermehrt. Mit zunehmendem Alter können Dermatosen
wie Xerosis cutis, Zoster, bullöses Pemphigoid, Lichen sclerosus et atrophicus sowie
epitheliale Tumoren assoziiert werden.
Tab. 2
Altersbedingte Reduktion von Hautfunktionen.
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Nachweis der Hautalterung
Instrumentell lässt sich die Hautalterung nichtinvasiv messen, wie die zunehmende
Rarefikation der Hautlinien in verschiedenen Altersklassen der Haut zeigt. Auch mit
histologischen Schnitten lässt sich die Verdünnung (Atrophie) der Epidermis und der
tieferen Cutisschichten in den verschiedenen Altersstufen gut demonstrieren.
Die Haut als Spiegel des Organismus
Wie die Haut mit anderen Erkrankungen verschiedener Organe vernetzt sein kann, zeigte
Prof. Zouboulis an verschiedenen Fällen der Komorbidität, z. B. bei Psoriasis vulgaris,
Rosazea, Hidradenitis suppurativa oder der Hyperhidrosis. Bei letzterer zeichnen sich
als komorbide Erkrankungen: Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen, Arthritis/Arthrose,
kardiovaskuläre und neuropsychiatrische Erkrankungen ab. Interessant ist auch die
Feststellung, dass Haut und Knochen gemeinsam altern. Ein exakt paralleler Verlauf
der beiden Kurven von Hautkollagen und Hydroxylapatit zwischen 20 und 60 Jahren wurde
nachgewiesen.
Prof. Zouboulis wies auch auf die gemeinsame embryonale ektodermale Herkunft von Haut
und Nervensystem hin mit dem Resultat, dass Haut und Gehirn gemeinsam altern, woraus
sich die Zukunftsfrage ergibt, ob eine Hautbiopsie eine Gehirnbiopsie überflüssig
machen wird.
Stammzelllinien
„Ein weites Feld“ ist auch die Stammzellforschung, wobei man undifferenzierte und
unbegrenzt teilungsfähige Zellen durch die Reprogrammierung von adulten differenzierten
Hautzellen in induzierten pluripotenten Stammzellen (iPSC) gewinnen kann ([Abb. 2]). Diese iPSC sind bereits in der Lage durch entsprechende Genmodifikation sich zu
differenzieren.
Abb. 2 Induzierte pluripotente Stammzellen und ihre Fähigkeiten.
Abschließend und zusammenfassend konstatierte Prof. Zouboulis, dass die Haut in der
Zukunft eine große Rolle in der Medizin spielen wird. Vor der Hautforschung liegt
ein enormes Entwicklungspotenzial. In dieses ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit
eingebettet, die die Anforderung von Ätiologie und Therapie komplexer Krankheiten
zum Ziel hat.
Langanhaltender, kräftiger Beifall zeigte dem Festredner und auch dem Auditorium,
dass sein breit gefächerter Vortrag „gut angekommen“ war. Prof. Jungraithmayr führte
nun die lebhafte Diskussion, an der sich auch Studenten beteiligten, durch.
Ein Rundumblick im gut besetzten Festsaal zeigte dem Berichterstatter, dass eine Reihe
bekannter Dermatologen und Kollegen anderer Disziplinen – neben vielen Ordinarien
der MHB und aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern und Doktoranden der Klinik – an
dem Festakt teilgenommen hatten, so:
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Prof. Dr. Prof. h. c. Dr. h. c. mult. Constantin E. Orfanos, Direktor (em.) der Klinik
für Dermatologie und Venerologie, Freie Universität Berlin
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Dr. med. Joachim Zagrodnick, Ärztlicher Direktor des Städtischen Klinikums Dessau
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Dr. med. André Dyrna, Verwaltungsdirektor, ebenfalls Klinikum Dessau
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Prof. Dr. Yaron Har-Shai, Direktor, Department of Plastic Surgery, Technion University
of Haifa, Israel – Dean for Scientific Affairs
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Prof. Dr. Daniel Töröcsik, Department of Dermatology, University of Debrecen, Ungarn
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Prof. Dr. med. Harald Gollnick, Direktor (em.) der Klinik für Dermatologie und Venerologie,
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Past-President Deutsche Dermatologische
Gesellschaft
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Prof. Dr. med. Hans-F. Merk, Direktor (em.) der Hautklinik – RWTH Universität Aachen
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Prof. Dr. med. Thomas B. Dschietzig, Prof. für Innere Medizin der Charité, UMB/CEO,
Relaxera Pharmazeutische Gesellschaft mbH & Co. KG
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PD Dr. med. Dr. rer. nat. Katrin Schlatterer-Krauter, Chefärztin Zentrallabor, Sankt
Gertrauden-Krankenhaus Berlin
Abschließend bat der Dekan die Gäste noch zu einem Stehempfang, bei dem sich alte
Bekannte über das Wiedersehen freuten, was zu einer lebhaften „Causerie“ führte, wie
Theodor Fontane es sicher genannt hätte.