Aktuelle Dermatologie 2020; 46(10): 407-408
DOI: 10.1055/a-1154-2597
Editorial

Impfung

Vaccination
C. Bayerl
1   Klinik für Dermatologie und Allergologie Wiesbaden, Helios, Dr. Horst Schmidt Kliniken, Hauttumorzentrum Wiesbaden
,
M. Herbst
2   Dr. med. Matthias Herbst & Kollegen, Hautärzte im Merckhaus, Darmstadt
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Prof. Dr. med. Christiane Bayerl
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Dr. med. Matthias Herbst

Einige – in Wirklichkeit wenige – ärztliche Kollegen haben über Jahre eine Welle der Ablehnung der Masern-Impfung befördert. Gerade die 2. Masernimpfung mit 2 Lebensjahren wurde in Deutschland nur zu 74 % durchgeführt. Entsprechend mussten 2019 in Deutschland 500 Masernfälle gemeldet werden. Dem ist nun ein Riegel vorgeschoben worden. Die Masern-Schutzimpfung ist ab dem 1. März 2020 verpflichtend festgelegt worden; ohne ausreichenden Masernschutz ist keine Kita und kein Kindergartenbesuch möglich. Die Bestimmungen gelten übrigens auch für das medizinische Personal [1]!

Man tut sich schwer, unerwünschte Effekte nach den neu entwickelten Impfungen zu finden. Auf Zoster-Impfung mit attenuiertem Lebendimpfstoff wird 4 Wochen nach Impfung eine leukozytoklastische Vaskulitis beschrieben; das ist als Kasuistik zu finden [2]. Für den aktuell ab dem 60. Lebensjahr empfohlenen Passiv-Impfstoff ist bekannt, dass Kopfschmerzen, Myalgien und ausgeprägtere Lokalreaktionen auftreten können, aber keine dramatischen darüber hinausreichenden Unverträglichkeitsreaktionen.

Allergische Reaktionen bei Impfungen sind möglich, auf Kontaminationen aus den Kulturmedien (Ei, Pferdeserum, Maus, Affe, Hund) auf den Latexstopfen, auf Antibiotika-Zugaben (Neomycin, Kanamycin, Gentamycin, Polymyxin B, Amphotericin B), auf Konservierungsmittel (Formaldehyd, Thiomersal, Natriumtimerfonat) oder auf Stabilisatoren (Gelatine, Laktose, Polysorbat 80/20) [3]. Klinisch relevant wird das in seltenen Fällen bei der Gelbfieberimpfung. In diesen Fällen kann man bei Ovalbumin-Allergikern unter stationären Bedingungen fraktionierte Impfdosen geben oder wie bei der Grippeimpfung im Einzelfall auf hühnereiweißfreie Impfstoffe aus Zellkulturen umsteigen [3].

Der Mythos „Impfen macht allergisch“ kann mittlerweile aufgrund großer Studien „ad acta“ gelegt werden. Eine höhere kumulative Zahl von Impfdosen ist mit einer geringeren Prävalenz von Asthma bronchiale und atopischer Dermatitis vergesellschaftet [4] [5] [6].

Impfen ist eine Aufgabe, der wir uns als Dermatologen stellen müssen. In diesem Heft finden Sie die immunologischen Grundlagen dargestellt und Impfen aus dem Blickwinkel der niedergelassenen Kollegen widergespiegelt. Wie man entsprechende Kenntnisse zum Impfen erwerben kann, hatte die Aktuelle Dermatologie mit Hinweis auf die Zertifizierung über die Deutsche Dermatologische Akademie (DDA) im Märzheft 2020 dargestellt [7].

Gerade in eine Zeit der Impfmüdigkeit und der Diskussionen zur Masernimpfung trat die Pandemie mit SARS-CoV-2. Die Entwicklungen laufen der Situation geschuldet auf Hochtouren. Es werden unterschiedliche Ansätze verfolgt wie die Entwicklung genbasierter Impfstoffe, Lebendimpfstoffe mit Vektorviren oder Totimpfstoffe mit Virusprotein [8]. Hoffen wir, dass die notwendigen Studien bei der notwendigen gebotenen Sorgfalt in unser aller Interesse so schnell wie möglich eine wirksame Impfsubstanz hervorbringen werden.


Ihre

Christiane Bayerl

Matthias Herbst


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Interessenkonflikt

Die Autorinnen/Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.


Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Christiane Bayerl
Klinik für Dermatologie und Allergologie Wiesbaden
Helios, Dr. Horst Schmidt Kliniken, Hauttumorzentrum Wiesbaden
Ludwig-Erhard-Straße 100
65199 Wiesbaden
Deutschland   

Publication History

Article published online:
12 October 2020

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Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany


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