Wie diese Betroffenen mit der Information über ein erhöhtes
Risiko umgehen, welche Sorgen und Ängste damit verbunden sind und wie
sich die aktuelle Situation auf die rheumatologische Versorgung sowie die
Grunderkrankung auswirkt, möchte die Deutsche Gesellschaft für
Rheumatologie e.V. (DGRh) nun mithilfe einer Patientenbefragung
klären.
Rund 2% der erwachsenen Bevölkerung Deutschlands sind von
entzündlich-rheumatischen Erkrankungen betroffen. Noch lässt die
derzeitige Datenlage zwar keine gesicherten Schlüsse darüber zu,
wie sich eine solche Vorerkrankung auf den Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion
auswirkt. Denn zum einen bindet und erschöpft das entzündliche
Geschehen die Kapazitäten des Immunsystems. Zum anderen nehmen viele
Rheumapatienten Medikamente wie Methotrexat, Cortisonpräparate oder
Biologika ein, die die Immunabwehr beeinträchtigen können.
Viele Patienten sind deshalb verunsichert. Die aktuelle Patientenbefragung soll
dazu beitragen, ihre Situation besser zu verstehen und zu untersuchen, ob die
Pandemie sich auf die rheumatologische Versorgung auswirkt:
„Beeinflussen die Veränderungen im Rahmen der Coronakrise
– angefangen bei möglicher Jobunsicherheit bis hin zu einer
veränderten Schlafqualität oder dem Umfang an sportlicher
Aktivität – die Versorgung und die Krankheitsaktivität
unserer Patienten? Können wir sie mit Telemedizin derzeit
adäquat erreichen und versorgen? Wie geht es unseren Patienten damit?
– diese Fragen stehen im Fokus der Befragung“, erläutert
Prof. Bimba Hoyer von der Universität Kiel, die gemeinsam mit Dr.
Rebecca Hasseli sowie der Abteilung für Klinische Psychologie von der
Justus-Liebig-Universität Gießen und Dr. Tim Schmeiser vom
Krankenhaus St. Josef, Wuppertal zur „Task Force“
Patientenumfrage der DGRh zählen. Fragen zur rheumatischen Erkrankung,
zur Medikation und Untersuchungen nehmen einen breiten Raum ein, ebenso Fragen
nach der Durchführung von Physiotherapie und Änderungen der Job-
und/oder der Lebenssituation (home office, home schooling). Ein weiterer
Schwerpunkt liegt schließlich auf möglichen psychischen
Auswirkungen der Krise wie Ängsten und Sorgen.
„Für uns ist es auch wichtig zu wissen, ob die Patienten nun etwa
dazu tendieren, ihre Medikamente ohne ärztlichen Rat abzusetzen oder zu
reduzieren“, greift Prof. Christof Specker, Direktor der Klinik
für Rheumatologie & Klinische Immunologie am Evangelischen
Krankenhaus der Kliniken Essen-Mitte und DGRh-Vorstandsmitglied, ein weiteres
Beispiel heraus . Das sei auf keinen Fall ratsam. Auch warnt er davor, den
Kontakt zum Rheumatologen und anderen Ärzten oder Therapeuten aus Angst
vor einer Infektion abzubrechen – auch Art und Umfang der Arztkontakte
werden daher abgefragt.
Die Umfrage spricht alle Menschen mit Rheuma an – unabhängig
davon, ob sie an Covid-19 erkrankt sind/waren oder nicht. Wer sich als
Teilnehmer registriert, wird gebeten, den digitalen Fragebogen über ein
Jahr hinweg einmal monatlich auszufüllen. „Wir sind hier auf die
Mithilfe der Patienten angewiesen“, sagt Prof. Hendrik Schulze-Koops,
Präsident der DGRh. „Nur wenn möglichst viele Patienten
Rückmeldung zu ihrer Situation geben, können wir grundlegende
Probleme erkennen und Versorgungslücken schließen“,
betont Prof. Ulf Müller-Ladner, wissenschaftlicher Leiter der Initiative
Patientenbefragung für den Vorstand der DGRh.
Die aktuelle Befragung ist eine Ergänzung zum Covid-19-Register, das die
DGRh bereits vor einigen Wochen ins Leben gerufen hat. Darin dokumentieren
Rheumatologen medizinische Informationen über ihre rheumatologischen
Patienten, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben. Anonymisiert werden dort
Angaben erfasst, wie Alter, Art der Erkrankung und Medikation sowie der Verlauf
der Covid-19-Erkrankung. „Bereits jetzt sind hier Daten von über
150 Patienten erfasst“, sagt Schulze-Koops – ein überaus
wertvoller Datensatz. Denn mithilfe der ständig aktualisierten Daten
lässt sich womöglich bald genauer abschätzen, welche
Rheuma-Patienten während der SARS-CoV-2-Pandemie besonders
gefährdet sind – und wie man dieser Gefahr begegnen kann.
Informationen zum Covid19-Register und erste Auswertungen finden sich unter der
Adresse https://www.covid19-rheuma.de. Wer an der
Patientenbefragung teilnehmen möchte, kann sich unter https://www.covid19-rheuma.de/patienten-information
registrieren. Das Register und der Fragebogen werden von der „Ad hoc
Kommission COVID-19-Register der DGRh“ entwickelt und wissenschaftlich
ausgewertet. Beide Projekte sind in einer gemeinsamen Initiative der DGRh und
der Professur für Innere Medizin mit Schwerpunkt Rheumatologie der
Justus-Liebig-Universität Gießen entstanden. Die Daten dieses
deutschen Registers sollen unter Wahrung des Datenschutzes soweit
möglich auch in das internationale Projekt „COVID-19 Global
Rheumatology Alliance“ einfließen, um diesen
weltweiten Überblick zu unterstützen und zugleich
Verständnis von den Besonderheiten aus den verschiedenen Regionen zu
generieren.
Nach einer Pressemitteilung der DGRh