Rathbun AM.
et al.
Depression Subtypes in Individuals With or at Risk for Symptomatic Knee
Osteoarthritis.
Arthritis Care Res (Hoboken) 2020;
72: 669-678
Sie werten die Daten von 4486 Personen aus, die an der Osteoarthritis Initiative
(OAI), einer Beobachtungsstudie zur Identifikation von Risikofaktoren und Biomarkern
bezüglich des Neuauftretens oder Voranschreitens der Gonarthrose,
teilgenommen hatten. 1626 Individuen galten bei Studieneinschluss als
Arthrose-Risikopersonen und 2860 litten an einer symptomatischen Arthose. Alle
Studienteilnehmer beantworteten initial die 20 Items umfassende Center for
Epidemiologic Studies Depression Scale (CES-D). Anhand des hiermit erfassten
Spektrums depressiver Symptome identifizierten die Forscher Personen mit
ähnlichem Symptommuster. Anschließend prüften sie, welcher
Zusammenhang zwischen diesen verschiedenen Depressions-Phänotypen und den
nach 4 Jahren mittels WOMAC (Western Ontario and McMaster Universities Arthritis
Index) objektivierten Endpunkten „Schmerzen“ und
„Behinderungen“ bestand.
Ergebnisse
Im Studienkollektiv identifizierten die Forscher 4 Depressions-Subtypen: Den
asymptomatischen Typ (80,6%), dem katatonen Typ (5,3%), den
anhedonistischen Typ (10,6%) sowie den melancholischen Typ (3,5%).
Personen vom asymptomatischen Typ hatten die niedrigsten, Personen vom
melancholischen Typ dagegen die höchsten CES-D-Scores. Die Personen der
beiden anderen Typen wiesen ähnlich hohe, mittlere Punktwerte auf. Die
Individuen mit einer anhedonistischen Symptomdominanz zeichneten sich durch die
Unfähigkeit, Freude zu empfinden, aus. Beim katatonen Subtyp standen eine
psychomotorische Agitation sowie somatische Beschwerden (Energie- und
Bewegungsarmut, Konzentrationsschwierigkeiten, ruheloser Schlaf) im Vordergrund. Das
breiteste Symptomspektrum beobachteten die Forscher beim melancholischen Subtyp
(Traurigkeit, Einsamkeit, Anhedonie, psychomotorische Agitation, somatische
Symptome). Bezüglich des Arthroseverlaufs zeigte sich: Im Vergleich zum
asymptomatischen Depressions-Typ wiesen die Personen vom anhedonistischen und
melancholische Subtyp stärkere Schmerzbelastungen und
Einschränkungen auf, wobei die Patienten mit manifester Kniegelenkarthrose
diesbezüglich deutlicher betroffen waren als die Risikopersonen.
Gonarthrosepatienten sowie Personen mit diesbezüglicher
Risikokonstellation, so das Fazit der Autoren, lassen sich 4 differenzierten
Depressions-Phänotypen zuordnen, welche sich durch bestimmte
Symptommuster auszeichnen und den Arthroseverlauf in unterschiedlichem
Ausmaß beeinflussen. Sie halten daher ein entsprechendes
Depressionsscreening für Kniearthrosepatienten für sinnvoll. Auf
der Basis dieser Diagnostik könnten anschließend personalisierte
psychische Interventionen eingeleitet werden.
Dr. med. Judith Lorenz, Künzell