Manasson J.
et al.
Interleukin-17 Inhibition in Spondyloarthritis Is Associated With Subclinical
Gut Microbiome Perturbations and a Distinctive Interleukin-25-Driven Intestinal
Inflammation.
Arthritis Rheumatol 2020;
72: 645-657
Dieser Frage gingen US-Wissenschaftler nach. Ihre Hypothese: Insbesondere Interleukin
(IL)-17A-Inhibitoren stören das Gleichgewicht und die Interaktionen der den
Darm besiedelnden Bakterien und Pilze und verursachen Veränderungen der
Stoffwechselvorgänge sowie der lokalen Zytokinproduktion. An der Studie
nahmen 29 Patienten mit einer Psoriasisarthritis/Spondylarthritis teil,
welche neu auf einen TNF (Tumor-Nekrose-Faktor)-Inhibitor (n=15) oder einen
IL-17A-Inhibitor (n=14 ) eingestellt wurden. Vor Therapiebeginn sowie 6
Monate später (TNF-Inhibitor-Kohorte) bzw. vor Therapiebeginn sowie 5 Wochen
oder 3 Monate später (IL-17A-Inhibitor-Kohorte) analysierten die Forscher
Stuhlproben der Patienten mittels Gensequenzierung im Hinblick auf die
Mikrobiomzusammensetzung. Zusätzlich quantifizierten sie die
Fettsäuremetaboliten sowie die an der Pathogenese der
Psoriasisarthritis/Spondylarthritis beteiligten Zytokine und
Entzündungsproteine im Stuhl und prüften, welche
Mikroorganismenkonstellationen hiermit korrelierten. Abschließend
untersuchten die Forscher Ileumbiopsien von 5 Spondylarthritis-Patienten, welche in
Folge einer Behandlung mit IL-17A-Inhibitoren entzündliche
Darmveränderungen im Sinne eines Morbus Crohn entwickelt hatten, im Hinblick
auf die Besiedlung mit adhäsiven bzw. invasiven Bakterien sowie die lokale
Immunantwort. Das Vergleichskollektiv bildeten hier 5 Spondylarthritis-Patienten,
welche trotz Behandlung mit IL-17A-Inhibitoren keine intestinalen Komplikationen
entwickelt hatten.
Ergebnisse
Die Behandlung mit einem TNF- oder IL-17A-Hemmer veränderte die
Zusammensetzung der Darmflora beträchtlich: Insbesondere zeigte sich dies an
den Bakterienordnungen der Clostridiales und der Bacteroidales sowie an den
Pilzordnungen der Saccharomycetales und Candida albicans. Die Biologikatherapie
störte ferner die Wechselwirkungen der einzelnen Taxa untereinander und
veränderte ihr symbiotisches Auftreten. Die Mikrobiomalterationen gingen mit
metabolischen Veränderungen (z. B. Vitamin-, Kohlenhydrat-,
Aminosäurestoffwechsel) einher und korrelierten mit der fäkalen
Konzentration IL-23/Th17-assoziierter Zytokine sowie verschiedener
Fettsäuren. Die Auswertung der Ileumbiopsien ergab: Alle Patienten wiesen
nach der IL-17A-Inhibitorbehandlung Crohn-typische histologische
Veränderungen, erhöhte Zahlen IL-25/IL-17E-produzierender
Zellen in den Zotten sowie eine Expansion innater lymphoider Zellen vom Typ 2 (ILC2)
auf.
Die Therapie der Psoriasisarthritis/Spondylarthritis mit Biologika,
insbesondere IL-17A-Inhibitoren, führt zu signifikanten subklinischen
Veränderungen des Darmmikrobioms sowie metabolischen, inflammatorischen
und immunologischen Alterationen, schlussfolgern die Autoren. Die
wissenschaftliche Forschung muss nun klären, wie diese Informationen
dazu genutzt werden können, um bspw. Patienten mit hohem
Komplikationsrisiko unter Biologika-Therapie zu identifizieren.
Dr. med. Judith Lorenz, Künzell