Glerup M.
et al.
Longterm outcomes of temporomandibular joints in juvenile idiopathic arthritis:
17 years followup of a nordic juvenile idiopathic arthritis cohort.
J Rheumatol 2020;
47: 730-738
Die Probanden der Studie wurden aus der Nordic JIA Cohort, einer prospektiven Studie,
die zwischen 1997 und 2000 Patienten einschloss, ausgewählt.
Von insgesamt 510 Probanden in der Kohorte kamen 420 für die Untersuchung
orofazialer Beschwerden in Frage, von ihnen wurden 265 (63,1%) in die Studie
eingeschlossen. Die Patienten wurden klinisch untersucht und sollten einen
Fragebogen zu ihren Beschwerden ausfüllen, bei 245 Patienten wurde
außerdem eine Computertomografie des Gesichts angefertigt. Das mittlere
Alter der Teilnehmer lag bei 23,5±4,2 Jahren, 186 von ihnen (70,2%)
waren weiblich. Die mittlere Zeit vom Krankheitsbeginn bis zur Follow-Up
Untersuchung der orofazialen Symptome lag bei 17,3±1,3 Jahren. Bei
61,1% der Teilnehmer war die Krankheit beim Follow-Up inaktiv, 12,8%
von ihnen nahmen Medikamente und 37,4% keine. 10,9% hatten eine
inaktive Krankheit, erfüllten die formalen Remissionskriterien aber nicht.
200 gesunde Teilnehmer bildeten eine Vergleichsgruppe, das mittlere Alter lag bei
23,6±2,9 Jahren, 52,5% waren weiblich.
87 der 265 JIA-Patienten (32,8%) berichteten über mindestens ein
orofaziales Symptom, dies war in der Kontrollgruppe ähnlich
(p=0,11). Die Probanden berichteten im Vergleich zur Kontrollgruppe
allerdings signifikant häufiger über Kiefergelenkschmerzen,
Steifigkeit, Einschränkungen beim Kauen und hatten häufiger mehrere
Symptome gleichzeitig.
Die maximale Mundöffnung war bei den Probanden signifikant geringer als in
der Kontrollgruppe (p<0,001). Auch litten die JIA-Patienten häufiger
an Schmerzen bei der Palpation des Gelenks. Bei 60,8% der Probanden wurden
in der CT Deformitäten und/oder Erosionen des Gelenks festgestellt.
Deformitäten und Erosionen lagen bei 43,5% der Probanden vor. In
69,8% der Fälle gab es beidseitige Veränderungen. Am
häufigsten waren die Veränderungen bei Patienten mit negativen
Rheumafaktoren, am seltensten in der Gruppe der Patienten mit Enthesitiden.
Als statistischen Risikofaktor für kondyläre Deformitäten
konnten die Autoren eine orofaziale Dysfunktion und Behandlungen mit Biologicals
identifizieren. Ein protektiver Faktor war eine Arthritis mit Enthesitis.
17 Jahre nach Krankheitsbeginn leidet eine Mehrzahl von Patienten mit juveniler
idiopathischer Arthritis an Deformitäten und/oder Erosionen der
Kiefergelenke mit entsprechenden Beschwerden – auch, wenn die Krankheit
inaktiv ist. Eine orofaziale Dysfunktion und eine Therapie mit Biologicals sind
Prädikatoren für kondyläre Deformitäten. Die
Autoren schlagen ein interdisziplinäres Follow-Up von JIA-Patienten auch
im Erwachsenenalter vor, das eine Untersuchung auf orofaziale Dysfunktionen
beinhaltet.
Marisa Kurz M. Sc. B. A. München