Molander V.
et al.
Does the risk of venous thromboembolism vary with disease activity in rheumatoid
arthritis?.
Eine Therapie mit sogenannten biological disease-modifying antirheumatic drugs
(bDMARD) kann dieses erhöhte Thrombose-Risiko reduzieren, zeigen Daten des
deutschen RABBIT1-Registers, die im Vorfeld des Europäischen
Rheumatologenkongresses EULAR (European League against Rheumatism, EULAR)
veröffentlicht wurden. Diese Information ist besonders angesichts der
aktuellen Pandemie von Bedeutung, denn auch bei COVID-19 spielen Thrombosen und
Lungenembolien eine große Rolle im Erkrankungsgeschehen. Weltweit
untersuchen Wissenschaftler, wie sich eine SARS-CoV-2-Infektion auf Patienten mit
entzündlich-rheumatischen Erkrankungen auswirkt, um daraus
Handlungsempfehlungen für die Therapie abzuleiten. EULAR rät, bei
der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Rheuma immer an das
Thromboserisiko zu denken und die Krankheitsaktivität
regelmäßig zu kontrollieren.
Welche Faktoren das Entstehen einer Thrombose bei Patientinnen und Patienten mit RA
begünstigen und welche Medikamente das Risiko reduzieren könnten,
wurde jetzt in 2 aktuellen Studien untersucht. Eine schwedische Kohorten-Studie ging
der Frage nach, ob der Grad der Krankheitsaktivität das Thrombose-Risiko
beeinflusst. Das Team um Viktor Molander, Doktorand am Karolinska Institutet in
Stockholm, hat die Daten von 46 311 Patientinnen und Patienten mit RA aus
dem schwedischen Qualitätsregister für Rheumatologie (SRQ)
über einen Zeitraum von 12 Jahren analysiert. Für die Messung der
Krankheitsaktivität wurde der „Disease Activity Score“ (DAS)
verwendet. Mit dem DAS28 wird die Krankheitsaktivität der rheumatoiden
Arthritis auf der Basis von 28 definierten Gelenken erfasst.
Die Studie belegt einen starken Zusammenhang zwischen der mit dem DAS28 gemessenen
Krankheitsaktivität der RA und dem Risiko einer VTE: „Unter den
Patienten mit hohen Entzündungswerten wird einer von hundert innerhalb des
kommenden Jahres eine VTE entwickeln – das entspricht einer mehr als
2-fachen Zunahme im Vergleich zu Patienten in Remission“, fasst Molander die
Ergebnisse zusammen.
„Die regelmäßige Untersuchung und Prüfung der
Krankheitsaktivität beim Rheumatologen kann lästig sein, ist jedoch
sehr wichtig, um zu überprüfen, wie sich die Krankheit entwickelt
und ob die Behandlung entsprechend angepasst werden muss“, so Professor Dr.
med. John Isaacs, The University of Newcastle, Großbritannien, Vorsitzender
des wissenschaftlichen Programm-Komitees beim EULAR.
Biologika können Thromboserisiko reduzieren
Auch die Medikation bei Rheuma-Erkrankungen hat Einfluss auf das Thrombose-Risiko.
Sogenannte conventional synthetic disease-modifying antirheumatic drugs (csDMARD)
wie Methotrexat, Sulfasalazin und Leflunomid gehören zur Basistherapie bei
RA. Eine Alternative bilden die Biologika (bDMARD). Ob der Einsatz von bDMARDs wie
TNF-Inhibitoren im Vergleich zu csDMARDs das Thrombose-Risiko reduziert, haben
Wissenschaftler um den Erstautor Dr. rer. nat. Martin Schäfer vom
Programmbereich Epidemiologie des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums in Berlin
untersucht. Hierfür hat das Team die Daten von mehr als 11 000
RA-Patientinnen und -Patienten aus dem deutschen RABBIT-Register analysiert, die
nach mindestens einem csDMARD-Versagen entweder mit einem weiteren csDMARD behandelt
oder auf die Therapie mit einem bDMARD umgestellt wurden.
Das Ergebnis: „Die Behandlung mit TNF-Hemmern reduzierte das Risiko schwerer
VTE-Ereignisse im Vergleich zu csDMARDs um fast die Hälfte“,
erklärt Schäfer. Eine erhöhte
Entzündungsaktivität war auch anhand der RABBIT-Daten mit einem
signifikant erhöhten Risiko für VTEs assoziiert: Ein CRP-Wert von
mindestens 5 mg/l verdoppelte das Risiko annähernd. „Aus den
Ergebnissen können wir jedoch nicht ableiten, dass Patienten mit
entzündlichen rheumatologischen Erkrankungen durch ihre Therapie mit
TNF-Hemmern vor einem schweren Verlauf einer COVID-19-Infektion geschützt
sind“, so Isaacs. „Vielmehr warnen wir ausdrücklich davor,
Biologika ohne medizinische Indikation zum Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion
oder einem schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung einzunehmen“.
Nach einer Pressemitteilung des Europäischen Rheumatologenkongresses.