Davies R.
et al.
The risk of uveitis in patients with JIA receiving etanercept: the
challenges of analysing real-world data.
Rheumatology (Oxford) 2020;
59: 1391-1397
Die Wissenschaftler werteten die Daten zweier britischer prospektiver
JIA-Register aus: Der „British Society for Paediatric and Adolescent
Rheumatology Etanercept Cohort Study“ (BSPAR-ETN) und des
„Biologics for Children with Rheumatic Diseases“ (BCRS). Die
Analyse umfasste 2294 Patienten mit einer nicht-systemischen JIA: 1047 wurden
erstmals auf Etanercept, 304 auf Adalimumab (n=243)/Infliximab
(n=61) und 943 (Kontrollkollektiv) auf Methotrexat eingestellt. Eine
vorangegangene Uveitis stellte ein Ausschlusskriterium dar. Anhand der
medizinischen Dokumentationen objektivierten die Forscher, wie viele Patienten
im Therapieverlauf eine Uveitis entwickelten. Die Nachbeobachtungszeit begann
mit der ersten Behandlung und endete mit der ersten Uveitisdiagnose, dem
Absetzen/Wechsel des Medikaments, dem jüngsten Betreuungstermin
bzw. dem Tod.
Ergebnisse
Im Verlauf von 5456 Personenjahren Nachbeobachtungszeit erlitten 44
Studienpatienten eine Uveitis, darunter einer der mit Adalimumab behandelten
Patienten, 16 Patienten der Etanercept-Gruppe sowie 27 Kontrollen. In der
Mehrzahl der Fälle handelte es sich dabei um eine einseitige
Problematik und meist war das anteriore Kompartiment betroffen. Eine
Panuveitis trat im Studienkollektiv nicht auf. Das Durchschnittsalter der
Kinder bei der Uveitisdiagnose betrug in der Etanercept-Gruppe 7 und in der
Methotrexat-Gruppe 4 Jahre. Seit der JIA-Diagnose waren in diesen beiden
Kohorten 4 bzw. 2 Jahre vergangen. Der unter Adalimumab erkrankte
Patient war älter als 15 Jahre und litt seit 2 Jahren an der JIA. In
der nicht adjustierten Analyse deutete sich zunächst im Kollektiv
der mit Biologika behandelten Patienten im Vergleich zu Methotrexat ein
reduziertes Uveitisrisiko an. Der bezüglich Propensity-Dezilen
adjustierte Vergleich Etanercept-Methotrexat bestätigte dies jedoch
nicht. Ein vollständig adjustierter Vergleich
Adalimumab/Infliximab-Methotrexat war angesichts geringer
Ereigniszahlen nicht möglich.
Mit einem TNF-Inhibitor behandelte JIA-Patienten erkranken im Vergleich
zu mit Methotrexat behandelten Kindern tendenziell seltener an einer
Uveitis – statistische Signifikanz besteht diesbezüglich
allerdings nicht, so die Autoren. Sie führen den vermeintlich
protektiven Etanercept-Effekt auf Störvariablen zurück:
Die Methotrexat-Kinder hatten angesichts ihres durchschnittlich
jüngeren Alters sowie der kürzeren JIA-Dauer im
Vergleich zu den Etanercept-Patienten per se ein höheres
Uveitisrisiko.
Dr. med. Judith Lorenz, Künzell