Allgemein
Trekking und Aufenthalte in großen Höhen erfreuen sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit bei Reisenden jeden Alters. Dies führte in den letzten Jahren zu einer zunehmenden Nachfrage nach reisemedizinischer und speziell höhenmedizinischer Beratung.
Zu diesem Thema gab es daher in den letzten Jahren eine größere Anzahl an wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Empfehlungen, u. a. in Büchern, die sich speziell mit dem Thema der Höhen- und Bergmedizin befassen [1]
[2]
[3]
[4].
Im Rahmen der derzeit noch hochaktuellen Thematik der COVID-19-Pandemie wird der reise- und höhenmedizinisch beratende Arzt vor eine große Herausforderung gestellt, wenn sich ein Patient mit ausgeheilter COVID-19-Infektion bezüglich eines Höhenaufenthaltes beraten lassen möchte.
Dies gilt insbesondere unter der wieder zunehmenden Lockerung der Reisefreiheit, die zu wiedereinsetzendem Tourismus auch in hochgelegene Regionen führen wird.
Die vorliegenden Empfehlungen basieren auf dem Wissensstand mit Datum 9. 8. 2020.
Reisen in größere Höhen und Höhenaufenthalte
Reisen in größere Höhen und Höhenaufenthalte
Bei Reisen in Höhen von bis zu 2500 Metern ist nicht damit zu rechnen, dass bei gesunden Menschen Probleme auftreten. Bei Aufenthalten in größeren Höhen sollte der Reisende, insbesondere, wenn er unter Vorerkrankungen leidet, sich höhenmedizinisch informieren bzw. beraten lassen.
Grundsätzlich kann es aber schon in Höhen ab 2000 Metern zu höhenbedingten Gesundheitsbeschwerden kommen.
In der derzeitigen Pandemie-Situation liegen noch Reisewarnungen des Robert-Koch-Instituts für die am Himalaya gelegenen Länder wie z. B. Nepal, Bhutan und Indien (Stand 9. 8. 2020) und weitere außereuropäische Hochgebirgsregionen wie z. B. die Anden vor [5].
Für die Alpenländer Österreich, Schweiz, Frankreich und Italien wurden Reisewarnungen unter Berücksichtigung der Einhaltung von Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht und Abstandsregeln inzwischen aufgehoben ([Abb. 1] und [Abb. 2]).
Abb. 1 Mundschutzpflicht in Bergbahnen.
Abb. 2 Mundschutzpflicht in Berghütten.
Daher und durch die bodengebunden gute Erreichbarkeit dieser Länder ist damit zu rechnen, dass der Tourismus in alpine Gebiete wieder zunehmen wird. Mit dieser Zunahme werden sich auch wieder Reisende in hochalpine Gegenden und in Höhen über 2500 Meter begeben, denn allein in den Alpenstaaten beträgt die Anzahl der Gipfel, die höher als 2500 Meter sind, über 2000 (Deutschland: 36, Österreich: 1169, Schweiz: 609, Italien: 627, Frankreich: 106, Liechtenstein: 4).
In Österreich bieten Schutzhütten wieder Übernachtungen an, wenn ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Schlafgelegenheiten gewährleistet ist. Auf schmalen Bergwegen und Steigen müssen Wanderer auch Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn die 1,50 Meter Abstand zum nächsten Wanderer sonst nicht einzuhalten sind [6].
Das Wissen um die Anpassung an größere Höhen und auch die Behandlung von Höhenkrankheiten gewinnt mit der Wiederaufnahme der Reisebewegungen in die Alpenländer wieder eine wachsende Bedeutung – insbesondere unter dem Aspekt der Corona-Pandemie.
Alle wesentlichen Aspekte der Höhenmedizin beruhen darauf, dass mit zunehmender Höhe der Luftdruck und damit auch der Sauerstoffpartialdruck kontinuierlich abnimmt.
Die Schwere und Inzidenz der Höhenkrankheit sind insbesondere von der erreichten Höhe und der Aufstiegsgeschwindigkeit abhängig. Bei nicht akklimatisierten Bergsteigern finden sich zu 10 – 25 % Zeichen einer Höhenkrankheit nach dem Aufstieg auf 2500 Meter. Diese sind jedoch oftmals mild und schränken die Aktivität nicht ein. Meist treten Symptome nach frühestens 4 – 6 Stunden Aufenthalt in Höhen ab 2500 Metern auf.
Weiterhin kommt es unter hypobaren Umgebungsbedingungen zu einer Reduktion der Ausdauerleistung von ca. 1 % pro 100 Höhenmeter.
Höhenkrankheit und Höhenlungenödem
Höhenkrankheit und Höhenlungenödem
Unter dem Überbegriff Höhenkrankheit werden die Krankheitsbilder Akute Höhenkrankheit (Acute Mountain Sickness, AMS), Höhenhirnödem (HHÖ) und Höhenlungenödem (HLÖ) zusammengefasst.
Allen Entitäten der Höhenkrankheit liegt zugrunde, dass mit zunehmender Höhe der Sauerstoffpartialdruck (pO2) in der Atemluft sinkt. Entsprechend der barometrischen Höhenformel kommt es zu einer Abnahme des Luftdrucks mit zunehmender Höhe über dem Meeresspiegel. So beträgt in einer Höhe von 5000 Metern über Meeresspiegel der Luftdruck nur etwa die Hälfte dessen auf Meereshöhe.
Die Zusammensetzung der Luft in allen Höhen ist gleich, entsprechend beträgt der Sauerstoffanteil der Luft in jeder Höhe 21 %, aber der Sauerstoffpartialdruck sinkt entsprechend des Luftdrucks, wodurch es zu einer verringerten Aufnahme von Sauerstoff kommt.
Im Gegensatz zur AMS und zum HHÖ ist die Pathogenese des HLÖ weitestgehend geklärt. Durch hypoxische Vasokonstriktion in den Arteriolen der Lunge (Euler-Liljestrand-Mechanismus) steigt der pulmonalarterielle Druck (PaP) um das 2 – 3-Fache (bis zu 65 mmHg) an, wodurch kapilläre Strukturen destruiert werden. Dadurch entstehen Druck- und Scherkräfte, welche die kapillar-endotheliale Barriere zerstören. Es treten Mikrorupturen auf, die ein hydrostatisches Leck erzeugen und zum Flüssigkeits-, Protein- und Erythrozytenaustritt ins alveoläre Interstitium und in die Alveolen führen. Das HLÖ entwickelt sich meist nach sehr raschem Aufstieg in Höhen von mehr als 4000 Metern in einem Zeitraum von 48 – 72 Stunden [7].
Aus dem verringerten pO2 in großen Höhen werden außerdem Kompensationsmechanismen induziert wie z. B. Hyperventilation und respiratorische Alkalose. Zu den typischen Symptomen der Höhenkrankheit zählen u. a. Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit bei der AMS bis hin zu Bewegungsstörungen wie z. B. Ataxie, Krämpfen und Koma beim HHÖ und Reizhusten, Dyspnoe, Tachypnoe und Zyanose beim HLÖ.
Prädisponierende Faktoren für das Auftreten der Höhenkrankheit sind nicht sicher geklärt. Es gibt große individuelle, genetisch bedingte Dispositionsunterschiede. Grundsätzlich kann jeder Mensch bei zu schneller Aufstiegsgeschwindigkeit in große Höhen erkranken. Der größte Risikofaktor für das Auftreten der Höhenkrankheit ist eine positive Anamnese für Höhenkrankheit bei vorangegangener Höhenexposition.
In diesem Artikelabschnitt wird insbesondere auf die Entität des HLÖ eingegangen.
Das HLÖ ist eine nichtkardiogene Form des Lungenödems, verursacht durch eine hypoxische pulmonale Vasokonstriktion und hohen Pulmonalarteriendruck mit folgendem Kapillarleck.
Als weitere Beispiele für nichtkardiogene Lungenödeme mit dem Risiko eines folgenden ARDS sind z. B. Lungenödeme aufgrund von bakteriellen oder viralen Pneumonien, Immersions-Lungenödeme oder Unterdruck-Lungenödeme zu nennen. All diesen Entitäten ist gemeinsam, dass sie eine Hypoxämie unterschiedlichen Ausmaßes verursachen. Radiologisch verursachen alle genannten nichtkardiogenen Lungenödeme diffuse bilaterale Trübungen. Es bilden sich interstitielle und alveoläre Ödeme als Folge eines Ungleichgewichts in den Starling-Kräften.
Was die genannten Entitäten jedoch trennt, ist der Mechanismus, mit dem sich dieses Ungleichgewicht entwickelt, wobei das HLÖ als Folge einer hypoxischen pulmonalen Vasokonstriktion auftritt.
Im Gegensatz zum HLÖ kann die Gabe von Sauerstoff die Hypoxämie bei COVID-19 zwar verbessern, nicht aber die zugrunde liegende Entzündung oder Lungenschädigung [8].
COVID-19
COVID-19 ist eine akute Atemwegserkrankung, die durch das durch Tröpfchen übertragene Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht wird.
Bis zum 9. 8. 2020 hat die Pandemie weltweit zu fast 20 Millionen Infektionen und zu fast 750 000 Todesfällen geführt. Während 80 % der Menschen, die mit COVID-19 infiziert sind, an Symptomen einer leichten, akuten Atemwegsinfektion leiden, liegt die Sterblichkeit zwischen 2 und 7 %. Patienten mit einer COVID-19-Pneumonie können aufgrund hypoxämischer Ateminsuffizienz respiratorisch dekompensieren. Autopsieergebnisse von Patienten, die im Zusammenhang mit einer COVID-19-Infektion verstorben sind, zeigen makroskopisch verdichtetes Lungengewebe, ödematöse Veränderungen und Pleuritiden.
Mikroskopische Veränderungen beinhalten Pneumozyten-hyperplasie, fokale Entzündungen, diffuse alveoläre Schäden und Flüssigkeitsansammlungen in den Alveolen [9]
[10].
In einer 4-wöchigen Verlaufsbeobachtung mit 391 Patienten verläuft bei 91 % der COVID-19-Infektionen die Erkrankung leicht bis mild [11].
Lungenschäden nach COVID-19-Infektion
Lungenschäden nach COVID-19-Infektion
Über Spätfolgen nach COVID-19-Infektion gibt es noch keine zuverlässigen Aussagen, da Langzeitstudien bisher fehlen.
Vorläufige Berichte deuten darauf hin, dass Hypoxämie und Entzündungen, die durch COVID-19 induziert werden, zu heterogenen Lungenveränderungen und einem akuten Atemnotsyndrom (Acute respiratory distress syndrome, ARDS) führen, welches schließlich zu akuter Ateminsuffizienz führen kann [12].
Einige Autoren postulieren, dass ein durch COVID-19 induziertes ARDS Ähnlichkeiten mit dem eines HLÖ aufweist [8]. Luks et al. stellen jedoch klar, dass die Pathogenesen des COVID-19-induzierten ARDS und des HLÖ grundlegende Unterschiede aufweisen und sich daher die Therapie grundlegend unterscheidet [8].
Manferdelli et al. schlagen im Zusammenhang von COVID-19 vor, vor, während und nach Höhenexposition beim Höhentraining von Sportlern besondere Vorsicht walten zu lassen. Insbesondere sollten frühe Symptome einer Maladaptation an Hypoxie und Atemprobleme aufmerksam betrachtet werden, da sie COVID-19-Symptome maskieren können [13].
Es scheint eine geringere Inzidenz für das Auftreten von COVID-19-Infektionen bei Bewohnern großer Höhen zu geben. Diese Beobachtungen zu höhenbedingten Unterschieden zu Inzidenz, Prävalenz und Morbidität bei COVID-19-Infektionen müssen jedoch aufgrund der Vielzahl anderer Faktoren derzeit noch als spekulativ betrachtet werden [14].
In einer Analyse epidemiologischer Daten von Bewohnern großer Höhenlagen über 2500 Metern in Tibet, Bolivien und Ecuador und dem Vergleich mit epidemiologischen Daten von Bewohnern in geringeren Höhen beschrieben Arias-Reyes et al. eine geringere Inzidenz von COVID-19-Infektionen bei Bewohnern großer Höhenlagen und vermuteten, dass eine Übertragung des Virus langsamer erfolgen könnte [15].
Insgesamt ist die Datenlage für den Zusammenhang zwischen Erkrankungsschwere und -verläufen von COVID-19-Infektionen und hypobaren Umgebungsbedingungen jedoch schlecht.
Woolcott et al. beobachteten bei Populationen in Höhen von mehr als 2000 Metern im Vergleich zu Populationen, die in Höhen unter 1500 Metern lebten, eine um 31 % höhere Wahrscheinlichkeit für unter 65 Jahre alte Männer, an einer COVID-19-Infektion zu versterben, als für die übrige Population [16].
Die Pathogenese der beiden Krankheiten HLÖ und COVID-19-Pneumonie unterscheidet sich stark, weist aber Ähnlichkeiten in klinischen und radiologischen Merkmalen auf [8].
Daher könnte trotz der unterschiedlichen Pathogenese die Annahme naheliegen, Präventions- und Behandlungsstrategien vom HLÖ könnten eins zu eins auf eine COVID-19-Pneumonie übertragen werden. Diese Annahme ist jedoch mit großer Vorsicht zu betrachten.
Patienten mit COVID-19-Pneumonie werden oft intensivbehandlungspflichtig, während das HLÖ eine Erkrankung ist, die selten einer Intensivtherapie bedarf, da sie durch Sauerstoffgabe und Übergang in niedrigere Höhen meist suffizient behandelt werden kann [17].
Langzeitstudien über pathologische Veränderungen des Lungengewebes nach durchgemachter COVID-19-Infektion und über klinische Spätfolgen existieren noch nicht, da das Virus erstmals im Dezember 2019 beschrieben wurde. Erste klinische Beobachtungen deuten jedoch darauf hin, dass es bei einigen Patienten nach durchgemachter Infektion zu körperlichen Leistungseinbußen kommt.
Es gibt nach derzeitigem Kenntnisstand ebenfalls Hinweise für das Vorkommen von gesundheitlichen Folgeschäden beim Überleben eines schweren COVID-19-Krankheitsverlaufs.
Für Beobachtungen bezüglich des Auftretens klinischer Folgen nach COVID-19-Infektion finden sich in der Literatur nur vereinzelte Berichte.
Huang et al. führten bei 57 Patienten Untersuchungen der Lungenfunktion 30 Tage nach Krankenhausentlassung nach COVID-19-Infektion durch. Bei 30 Patienten zeigten sich pathologische Veränderungen der Diffusionskapazität: 26 Patienten wiesen leichte, 4 Patienten moderate Veränderungen der DLCO (Diffusing capacity of the lung for carbon monoxide) auf. Dies lässt auf eine Einschränkung des pulmonalen Gasaustausches schließen.
Im Rahmen der Nachuntersuchung durchgeführte CT-Untersuchungen der Lunge zeigten bei 31 Patienten weiterhin bestehende radiologische Veränderungen der Lunge. Hiervon waren überwiegend Patienten betroffen, bei denen die Verläufe der COVID-19-Infektion als schwer eingestuft wurden. Bei dem zusätzlich durchgeführten 6-Minuten-Gehtest fand sich bei den Untersuchten nach schwerem COVID-19-Verlauf eine signifikant eingeschränkte Gehstrecke im Vergleich zu den Patienten mit mildem Verlauf [18].
Bei Patienten, die aufgrund ihrer COVID-19-Infektion hospitalisiert waren, ist mit Spätfolgen zu rechnen [19]. Von 143 nachbeobachteten Patienten wiesen fast 88 % auch 60 Tage nach Auftreten der ersten Symptome noch immer mindestens ein COVID-19-Symptom, meist Dyspnoe und Abgeschlagenheit, auf [20].
Bei der Literaturrecherche zu radiologischen Veränderungen des Lungengewebes nach COVID-19-Infektion finden sich ebenfalls einzelne Berichte.
Hier sind insbesondere fibrotische Veränderungen des Lungengewebes zu erwarten [21]. Diese könnten sich auf die körperliche Leistungsfähigkeit auswirken. Bei 21 Patienten, die nach nachgewiesener COVID-19-Infektion ohne schwere Atemnotsymptome genesen waren, und insgesamt 89 CT-Untersuchungen des Thorax zeigten sich Veränderungen des Lungengewebes im größten Ausmaß ca. 10 Tage nach dem ersten Auftreten der Symptome [22].
Dies bestätigten auch Wang et al. bei 90 Patienten, bei denen das Ausmaß der pathologischen Befunde im Thorax-CT nach dem Auftreten der Symptome rasch zunahm und ein Höchstmaß 6 – 11 Tage nach Beginn der klinischen Symptome erreichte. In dieser Studie wurde jedoch nicht nach unterschiedlichen Symptomschweren unterschieden [23].
Insgesamt können derzeit jedoch noch keine Aussagen über die Prävalenz und den Langzeitverlauf sowohl klinischer als auch radiologischer Aspekte getroffen werden [24]. Aufgrund der Wichtigkeit zur Beurteilung der Sportfähigkeit sei hier zusätzlich noch darauf hingewiesen, dass es im Verlauf einer COVID-19-Infektion zu einer Myokarditis kommen kann [25].
Infektionen des Respirationstrakts und Höhenkrankheit
Infektionen des Respirationstrakts und Höhenkrankheit
Studien über den Zusammenhang von Infektionen des Respirationstrakts vor oder während eines Höhenaufenthaltes sind kaum zu finden. Insbesondere fehlen bis heute Studien an größeren Fallzahlen.
Murdoch beobachtete 1995, dass Personen, die während eines Höhenaufenthaltes Infekte, z. B. des Respirationstraktes, entwickelten, häufiger Höhenkrankheiten aufwiesen [26]. In einer kleinen Beobachtungsstudie kam es bei 13 von 19 Bergsteigern während einer Tour auf den Aconcagua zu einer Bronchitis [27].
Höhenmedizinische Beratung bei Patienten nach durchgemachter COVID-19-Infektion
Höhenmedizinische Beratung bei Patienten nach durchgemachter COVID-19-Infektion
Aus den vorausgegangenen Ausführungen geht hervor, dass die Erkrankungsschwere bei COVID-19 eine sehr große Bandbreite aufweist. Es sind asymptomatische Verläufe bei positiven COVID-19-Testergebnissen möglich bis hin zu schwersten intensivmedizinischen Verläufen.
Als Dauer bis zur Erholung nach COVID-19-Infektion werden Zeiträume von 2 Wochen bei milden bis zu 6 Wochen und länger bei schweren Verläufen angegeben [28]. In einer chinesischen Verlaufsbeobachtung wird die Genesungsdauer mit durchschnittlich 21 Tagen angegeben [11].
Daher ist die Beratung eines Patienten, der nach durchgemachter COVID-19-Infektion einen Aufenthalt in Höhen über 2500 Metern plant, differenziert zu betrachten.
Empfehlungen zur Wiederaufnahme des Leistungssports bei stattgehabter COVID-19-Infektion werden in einem Positionspapier von Nieß AM et al. gegeben [29].
Kurz zusammengefasst wird hier empfohlen, dass bei asymptomatischer Erkrankung keine intensiven Belastungen für 2 Wochen stattfinden sollten. Bei symptomatischer Erkrankung ohne Pneumonie wird eine Sportpause von 2 – 4 Wochen empfohlen. Bei einer Pneumonie im Krankheitsverlauf empfehlen die Autoren eine Sportpause für mindestens 4 Wochen. Kam es im Verlauf zu einer Myokarditis, wird eine Sportpause von mindestens 3 Monaten empfohlen. Vor erneuter Aufnahme des Leistungssports werden neben einer körperlichen Untersuchung mindestens ein Labor und Ruhe-EKG empfohlen, differenziert nach Verlauf außerdem noch zusätzliche Untersuchungen [29].
Ähnliche Empfehlungen zur Sportpause nach durchgemachter COVID-19-Infektion geben auch Schellhorn et al. [30] und Phelan et al. [31]. Auch diese beiden Publikationen beziehen sich auf Empfehlungen für Athleten und Leistungssportler.
Nach einer Myokarditis im Rahmen einer COVID-19-Infektion empfehlen die Autoren die Einhaltung der „Return to play“-Empfehlungen nach Myokarditis der American Heart Association (AHA) [32], weisen aber auch darauf hin, dass die Datenlage für Langzeitfolgen nach COVID-19-Infektion noch schwach ist und daher noch nicht sicher ist, ob diese Empfehlungen der AHA auch langfristig für Myokarditis nach COVID-19-Infektion gelten können.
Diese Empfehlungen lassen sich nicht eins zu eins auf die höhenmedizinische Beratung übertragen. Die o. g. Empfehlungen aus dem Leistungssport können als Anhaltspunkt dienen, beziehen sich aber nicht unbedingt auf die Patienten, die einen Höhenaufenthalt planen. Die o. g. Empfehlungen betreffen Wettkampfsportler, die sicher überwiegend einen gut trainierten und gesunden Status vor ihrer COVID-19-Infektion aufweisen und sicher teilweise auch jünger sind als die Patienten, die sich höhenmedizinisch beraten lassen.
Nach jetzigem Kenntnisstand sollte man Patienten nach durchgemachter COVID-19-Infektion, die einen Aufenthalt in Höhen von mehr als 2500 Metern planen, Folgendes raten:
Lag ein milder Krankheitsverlauf vor, d. h. der COVID-19-positiv getestete Patient hatte leichte Symptome einer Atemwegsinfektion wie Husten und war nicht stationär behandlungspflichtig, kann diesem Patienten, solange er keine relevanten kardiovaskulären Vorerkrankungen hat, die in Höhe Probleme bereiten könnten, geraten werden, 4 Wochen nach Symptomfreiheit seinen Urlaub unter hypobaren Umgebungsbedingungen anzutreten.
Lag ein schwerer Krankheitsverlauf vor, d. h. der Patient war stationär behandlungsbedürftig oder sogar intensiv- oder beatmungspflichtig nach nachgewiesener COVID-19-Infektion, sollte man sicherheitshalber dahingehend beraten, dass nach Symptomfreiheit 3 Monate gewartet werden sollte, bis ein Aufenthalt in Höhen über 2500 Meter angetreten werden sollte. Dies gilt, wenn der Patient keine relevanten kardiovaskulären Vorerkrankungen aufweist. Ist dies der Fall, muss ggfs. ein längerer Zeitraum abgewartet werden, bis ein Aufenthalt in großen Höhen angetreten werden kann.
Dann sollte auch ergänzend zur sorgfältigen Anamnese und körperlichen Untersuchung ein Belastungs-EKG und eine Spirometrie durchgeführt werden. Ebenfalls kann man ergänzend die Bestimmung der Diffusionskapazität und die Durchführung einer Blutgasanalyse (BGA) unter Belastung zur Bestimmung der Gasaustauschfunktion erwägen.
Grund für die Empfehlung dieser zeitlichen Abstände zur COVID-19-Infektion ist das mutmaßlich erhöhte Risiko des Auftretens eines HLÖ, da im Rahmen einer auch asymptomatischen COVID-19-Infektion pathologische Veränderungen der Lunge im Vordergrund stehen.
Liegen kardiopulmonale Vorerkrankungen vor, so ist auch bei mildem Krankheitsverlauf oder asymptomatischem Verlauf zur Feststellung der Höhentauglichkeit die Durchführung eines Belastungs-EKGs und einer Spirometrie mit Diffusionsmessung und BGA unter Belastung zu empfehlen.
Finden sich hier pathologische Befunde, die schon bei normobaren Bedingungen zu einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit führen, sollte von körperlichen Anstrengungen in großen Höhen abgeraten werden.
Ein Alter über 60 Jahre war in einer Analyse von mehr als 17 Millionen Personen der mit Abstand wichtigste Risikofaktor für letale Verläufe bei schweren Verläufen einer COVID-19-Infektion [33]. Daher empfehlen wir auch bei Patienten, die über 60 Jahre alt sind und damit einer Risikogruppe angehören, die Durchführung eines Belastungs-EKGs und einer Spirometrie nach durchgemachter COVID-19-Infektion.
Zusätzlich zu den genannten Empfehlungen für apparative Untersuchungen versteht sich bei jedem Patienten die ausführliche Erhebung einer Anamnese und einer körperlichen Untersuchung von selbst.
Zur Anamnese gehören dabei mindestens Fragen nach dem Verlauf der COVID-19-Infektion, nach kardiopulmonalen Beschwerden wie Husten, Dyspnoe oder Angina pectoris, jeweils in Ruhe oder bei Belastung, nach Schwindel, Myalgien und Abgeschlagenheit.
Zur körperlichen Untersuchung gehören mindestens die Erhebung des Lymphknotenstatus, die Untersuchung der Herzfrequenz und des Blutdrucks, die Herz- und Lungenauskultation, das Messen der Körpertemperatur und eine neurologische Basisuntersuchung.
Fazit
Wenn längerfristige Verlaufsbeobachtungen von Patienten nach durchgemachter COVID-19-Infektion und Studien über Langzeitverläufe vorliegen, sollte man die hier aufgeführten Empfehlungen möglicherweise ändern oder ergänzen in Anpassung an neue Erkenntnisse.
Mit zunehmender Erfahrung und wissenschaftlicher Evidenz sind daher kontinuierliche Aktualisierungen der genannten Empfehlungen notwendig.
Es sind unabhängig vom Verlauf der stattgehabten COVID-19-Infektion und evtl. Vorerkrankungen die allgemeinen Empfehlungen zur Höhenanpassung zu beachten. Diese umfassen sowohl eine moderate Aufstiegsgeschwindigkeit als auch eine Schlafhöhensteigerung von 300 – 500 Metern pro Tag und eine adäquate Flüssigkeitszufuhr. Weiterhin darf bei den o. g. Symptomen einer Höhenkrankheit nicht weiter aufgestiegen werden, sondern es muss eine Aufstiegspause implementiert werden.