Aktuelle Dermatologie 2021; 47(01/02): 35-42
DOI: 10.1055/a-1262-2086
Originalarbeit

Struktur der Hautkliniken und dermatologische Lehre in den neuen Universitäten in Deutschland

Structure of the Dermatology Departments and Teaching in Dermatology at the New Universities in Germany
C. C. Zouboulis
 1   Hochschulklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Immunologisches Zentrum, Städtisches Klinikum Dessau, Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane und Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg, Dessau
,
C. C. Geilen
 2   Health and Medical University (HMU) Potsdam, Medical School Hamburg (MSH)
,
S. Grunewald
 3   Dermatologische Gemeinschaftspraxis, Kitzingen
,
C. Kauczok
 4   Zentrum für Dermatohistologie und Oralpathologie Tübingen/Würzburg
,
U. Raap
 5   Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie, Klinikum Oldenburg
,
C. Sander
 6   Eduard-Arning-Klinik für Dermatologie und Allergologie, Asklepios Klinik St. Georg, Hamburg
,
M. Sárdy
 7   Klinik für Dermatologie, Dermatoonkologie und Venerologie, Semmelweis Universität Budapest, Ungarn
,
E. Schultz
 8   Klinik für Dermatologie, Klinikum Nürnberg Nord, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Nürnberg
,
R. Stadler
 9   Universitätsklinik für Dermatologie, Johannes Wesling Klinikum Minden, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
,
J. Welzel
10   Klinik für Dermatologie und Allergologie, Universitätsklinikum Augsburg
› Author Affiliations
 

Zusammenfassung

Im Zuge der Neugründung medizinischer Fakultäten in Deutschland muss auch die dermatologische Forschung und Lehre aufgebaut werden. Diese großen Zusatzaufgaben neben der Krankenversorgung stellen eine Herausforderung für die Klinikleitungen dar. In diesem Übersichtsbeitrag beschreiben exemplarisch Chefärztinnen und Chefärzte neuer Universitätshautkliniken und dermatologischer Fachabteilungen die Auswirkungen, die die Umwandlung in eine Universitätsklinik auf die Forschung und Lehre sowie den klinischen Alltag mit sich gebracht hat.


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Abstract

In the course of the foundation of new medical faculties in Germany dermatological research and teaching has to be established, too. These major tasks in addition to patient care represent a challenge for the hospital management. In this review article, chief physicians of new university dermatology clinics and dermatological departments describe in an exemplary manner the effects which the transformation into a university clinic has had on research and teaching as well as on everyday clinical life.


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Einleitung

Das bundesweit, aber insbesondere im ländlichen Bereich und im Osten der Republik zunehmende Problem der Besetzung von Arztstellen mit deutschen Absolventen trifft v. a. bestimmte Fächer, zu welchen auch das Fach des Arztes/der Ärztin für Haut und Geschlechtskrankheiten gehört [1]. Bundesweit liegt die Anzahl von Hautärzten bei 6205 (Stichtag 31. 12. 2019) [2]. Davon arbeiten 1080 Hautärzte im Krankenhaus (+ 3,3 % im Vergleich zu 2018) und 3509 im ambulanten Sektor (–0,6 % im Vergleich zu 2018). Von den ambulant tätigen Hautärzten sind ca. 30 % und von allen berufstätigen Hautärzten ca. ein Viertel über 60 Jahre alt. Daher ist es naheliegend, dass auch das Fach Dermatologie und Venerologie sich in Konkurrenz mit den anderen Fächern um die Gunst des Nachwuchses junger Ärzte befindet.

Diese Konkurrenz beginnt bereits während des Studiums. Die Entscheidung eines Arztes/einer Ärztin, ein Fach zu wählen, welches er/sie lebenslang ausüben wird, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • von der Intensität der Auseinandersetzung mit dem Fach während des Studiums, die auch vom Zeitpunkt der fachspezifischen Lehre innerhalb des Studiums und der Dauer der fachbezogenen Ausbildung abhängt,

  • der Qualität des angebotenen Unterrichts und dem Anteil praktischer Lehre,

  • der Durchführung einer Dissertation während des Studiums im bestimmten Fach, die die Sozialisierung mit dem Fach verstärkt,

  • den beruflichen Perspektiven und der Lebensqualität, die jedes Fach anbietet,

  • individuellen persönlichen Präferenzen der Studierenden.

Der Inhalt der Lehre ist in Deutschland durch die Approbationsordnung festgelegt. Der Nationale Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Medizin (NKLM) gibt die Inhalte vor, die an den Fakultäten gelehrt werden müssen, während der Gegenstandskatalog (GK) die Prüfungsthemen festlegt. Die „Altuniversitäten“, die einen Regelstudiengang durchführen, bieten den Unterricht der Dermatologie und Venerologie, nach dem jeweiligen Lehrplan, nach dem Physikum während des klinischen Abschnittes zwischen dem 8. und dem 10. Semester an. Zu diesem relativ späten Zeitpunkt haben manche Studenten über ihre zukünftige Fachrichtung entschieden und andere bereits eine Dissertationsarbeit übernommen. Bei Modellstudiengängen ist eine engere Verzahnung von vorklinischen, naturwissenschaftlichen Inhalten und der klinischen Medizin zu einem früheren Studienzeitpunkt möglich und gewünscht, sodass hier propädeutische Inhalte der Dermatologie bereits in den ersten Semestern gelehrt werden dürfen.

Die Intensität der Fachlehre ist hierbei von besonderer Bedeutung, da die Dermatologie und Venerologie selten „Liebe auf den ersten Blick“ ist. Die jungen Studierenden werden während des Studiums viel häufiger mit den großen Fächern wie Innere Medizin, Chirurgie und inzwischen auch Allgemeinmedizin konfrontiert als mit der Dermatologie und Venerologie, die gerade 1,5 % der gesamten Ärzteschaft darstellt [2]. Darüber hinaus dauert es i. d. R. in einem visuellen Fach wie Dermatologie und Venerologie, das nicht so sehr vom Auswendiglernen und Faktenwissen abhängt, längere Zeit, um den Zugang zu finden und zu merken, ob man für das Fach geeignet ist.

Wir haben uns bereits mit dem aktuellen Phänomen der Entstehung neuer medizinischer Fakultäten in Deutschland beschäftigt. Der Aufbau eines Universitätsklinikums oder Lehrkrankenhauses mit einem neuen Studiengang stellt eine große Herausforderung, aber auch eine Chance dar, von vorneherein das Fach Dermatologie und Venerologie zu positionieren. Daher wollen wir mit diesem Beitrag den Status der Forschung und Lehre in unserem Fach in den neuen Universitäten darstellen, um abschätzen zu können, ob das Fach aus den oben genannten Tatsachen Konsequenzen gezogen hat.


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Material und Methodik

Nach einem Brainstorming und Internetrecherche wurden Direktorinnen und Direktoren von Hautkliniken neuer Fakultäten in Deutschland, an Privatuniversitäten sowie ausländischen Universitäten mit deutscher Assoziation kontaktiert und gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Die Fragen bezogen sich auf:

  • Umfang und Zeitpunkt der Einbindung der Dermatologie in das Studium,

  • Auswirkungen auf die Forschung,

  • Umfang der Lehrverpflichtungen, Art der Lehre (e-learning, blended learning etc.),

  • Auswirkungen auf die Klinikleitung,

  • Auswirkungen auf die Mitarbeiter der Hautklinik,

  • persönliches Fazit.

Als Kriterien zur Aufnahme in die Studie wurde ein Beginn der medizinischen Ausbildung innerhalb der letzten 15 Jahre und eine bereits erfolgte Ausschreibung von Studienplätzen der Humanmedizin, wie in unserer Studie „Entstehung neuer medizinischer Fakultäten in Deutschland“ definiert.


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Ergebnisse

Wir haben Daten von 9 neuen medizinischen Fakultäten in Deutschland erheben können ([Tab. 1]). Von den 9 Fakultäten haben 7 erst in den letzten 5 Jahren ihre Lehre aufgenommen. Die Entstehung der neuen Fakultäten erfolgte durch die

Tab. 1

Neue medizinische Universitäten und ihre dermatologischen Kliniken

Universität

Ruhr-Universität Bochum

Universität Augsburg

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (in Kooperation mit der Rijksuniversiteit Groningen)

Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane

Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg

Asklepios Medical School GmbH (in Kooperation mit der Semmelweis Universität Budapest)

Medical School REGIOMED (in Kooperation mit der Universität Split)

Medical School Hamburg (MSH)

Health and Medical University (HMU) Potsdam

Fakultät

Medizinische Fakultät

Medizinische Fakultät der Universität Augsburg

Fakultät VI – Medizin und Gesundheitswissenschaften

Medizinische Fakultät/Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg

Medizin – Niederlassung Nürnberg

Medizinische Fakultät

Medical School REGIOMED

Fakultät Humanwissenschaften

Fakultät Medizin

Klinikum

Johannes Wesling Klinikum Minden – Universitätsklinikum

Universitätsklinikum Augsburg

Klinikum Oldenburg

Städtisches Klinikum Dessau

Klinikum Nürnberg Nord

Asklepios Klinik St. Georg Hamburg/Klinik der Semmelweis Universität Budapest

Klinikverbund REGIOMED (Kliniken Coburg, Lichtenfels, Sonneberg, Neuhaus und Hildburghausen)

MSH Campus Helios Kliniken Schwerin

Ernst-von-Bergmann Klinikum

Klinik

Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Phlebologie

Klinik für Dermatologie und Allergologie

Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie

Hochschulklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Immunologisches Zentrum

Universitätsklinik für Dermatologie

Eduard-Arning-Klinik für Dermatologie und Allergologie (Hamburg)/Klinik für Dermato-Venerologie und – Onkologie (Budapest)

REGIOMED Hautfachärztliche Praxen (Kitzingen, Würzburg)

Hautklinik

Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie

Direktor (Professur)

Univ.-Prof. Dr. med. Rudolf Stadler

Prof. Dr. med. Julia Welzel

Univ.-Prof. Dr. med. Ulrike Raap

Univ.-Prof. Dr. med. Prof. honoraire Dr. h. c. Christos C. Zouboulis

Prof. Dr. med. Erwin S. Schultz

Prof. Dr. med. Christian Sander (fachverantwortlicher Dozent, Hamburg)/Prof. Dr. Miklós Sárdy (Budapest)

Prof. Dr. Dr. med. Susanne Grunewald, Priv.-Doz. Dr. med. Claudia Kauczok (fachverantwortliche Dozentinnen)

Zeitpunkt der Einbindung der Dermatologie und Venerologie in das Studium

8. und 9. Semester

Schwerpunkt im 5. Studienjahr – punktuell im 1. und 2. Studienjahr

Schwerpunkt im 4. Studienjahr – punktuell im 1. und 2, Studienjahr

Schwerpunkt im 4. Semester, Forschungswahlpraktikum (6. Semester), klinisches Wahlpraktikum (7. Semester)

ab dem 5. Semester

4. Studienjahr (klinisches Modul)

7. Semester

Schwerpunkt im 8. Semester – punktuell in der Vorklinik in Seminaren mit klinischem Bezug und im 5. und 7. Semester

Schwerpunkt im 8. Semester – punktuell in der Vorklinik in Seminaren mit klinischem Bezug und im 5. und 7. Semester

Umfang der Lehre in der Dermatologie und Venerologie

Fachlehre (8. Semester), Praktika (9. Semester)

1 Semester mit Vorlesungen, Seminaren, Unterricht am Krankenbett, longitudinale Einbindung in „Arztrollen“ und „wissenschaftlicher Longitudinalkurs“

Blockpraktikum, klinisch praktische Fertigkeiten, Kleingruppenunterricht, Seminare, Vorlesungen, Unterricht am Krankenbett

Blockpraktikum über 4 Wochen (Vorlesungen, Seminare, Übungen, Unterricht am Krankenbett, POL, 247 Stunden), Forschungspraktikum (3 Monate), Klinikpraktikum (2 Wochen)

Vorlesung, Praktika, Übungen

1 Semester mit Vorlesungen, Unterricht am Krankenbett auf Station und Unterricht in den Ambulanzen, Quiz

Blockpraktikum über 3 Wochen (Vorlesungen 30 Stunden, Seminare 15 Stunden und Unterricht am Krankenbett 35 Stunden)

Vorlesung (26 Stunden), Seminare (15 Stunden), Praktikum (2,5 Stunden), Unterricht am Krankenbett (10 Stunden)

Vorlesung (26 Stunden), Seminare (15 Stunden), Praktikum (2,5 Stunden), Unterricht am Krankenbett (10 Stunden)

Auswirkungen auf die Forschung

Lehrstuhl W3 Dermatologie und Venerologie

Lehrstuhl W3 Dermatologie, W2-Professur Allergologie – Aufbau der Forschungsfelder Umweltmedizin/Allergologie und Medizininformatik, Aufbau von Forschergruppen und Infrastruktur (Labore)

Lehrstuhl W3 Dermatologie – Aufbau einer Forschungsabteilung mit 12 Mitarbeitern in der Forschungsabteilung für Experimentelle Allergologie und Immundermatologie

Lehrstuhl W3 Dermatologie, Venerologie und Allergologie, W2-Professur Entzündliche Hautprozesse – 1 WiMi-Stelle – leistungsorientierte Forschungsmittel, Aufbau von Forschungsfelder Medizin im Alter/Registerforschung/Patienten-orientierte Grundlagenforschung, Infrastruktur

Lehrstuhl für Dermatologie

12 Forscher und 14 Nachwuchsstudenten

Geplante Beteiligung der Dermatologie am Forschungscluster „Aging Research and Preventive Medicine“

Geplante Beteiligung der Dermatologie am Forschungscluster „Aging Research and Preventive Medicine“

Umfang der Lehrverpflichtungen

Gestaffelt nach Mitarbeitern, z. B. Laborleiter 10 SWS

16 SWS (4. Semester)

5,3 SWS – Kooperation mit zwei niedergelassenen Hautpraxen, Berufung zum Assistant Professor der Universität Split

0,7 (7. Semester) 2,9 (8. Semester)

0,7 (7. Semester) 2,9 (8. Semester)

Art der Lehre (e-learning, blended learning usw.)

Klassische und digitale Lehrformen (blended learning)

Klassische und digitale Lehrformen (blended learning)

Klassische und digitale Lehrformen (blended learning)

Klassische und digitale Lehrformen (blended learning)

Klassische und digitale Lehrformen (blended learning)

Klassische und digitale Lehrformen (blended learning)

Klassische und digitale Lehrformen (blended learning)

Klassische und digitale Lehrformen (blended learning)

Auswirkungen auf die Klinikleitung

Ausweitung des Aufgabenfeldes auf Lehre und Forschung

Hauptvorlesungen – Berufung der Chefärztin der Klinik nach den üblichen Berufungskriterien, Erhalt zwei neuer Arbeitsverträge (Klinikum, Universität). Einarbeitung in digitalen Lehrformen, Dozententrainings, Definition von Forschungsfeldern und Aufbau von Forschergruppen

Lehre 2 SWS

6 SWS – Kompetitives Berufungsverfahren nach den üblichen Berufungskriterien, Erhalt eines ergänzenden Arbeitsvertrages für Lehre und Forschung (Klinikum/Universität)

Berufung des Chefarztes der Klinik nach interner und externer Evaluation

Kompetitives Berufungsverfahren nach den üblichen Berufungskriterien (Budapest)

Auswirkungen auf die Mitarbeiter der Klinik für Dermatologie und Venerologie

Einbeziehung aller ärztlichen Mitarbeiter in der Lehre – Ausweitung des Aufgabenfeldes auf Lehre und Forschung

Einbeziehung aller ärztlichen Mitarbeiter in der Lehre, neue ärztliche Mitarbeiter werden auch nach ihrer Motivation zu und ihren Fähigkeiten und Kenntnissen in Forschung und Lehre ausgewählt. Nicht habilitierte Oberärztinnen und Oberärzte haben einen Bestandsschutz

Einbeziehung aller ärztlichen Mitarbeiter in der Lehre (Dozenten: 2 aus der Klinik, 4 aus der Forschung)

Freiwillige Einbeziehung aller ärztlichen Mitarbeiter in der Lehre

Freiwillige Einbeziehung aller ärztlichen Mitarbeiterin die Lehre, neue ärztliche Mitarbeiter werden auch nach ihrer Motivation zu und ihren Fähigkeiten und Kenntnissen in Forschung und Lehre ausgewählt

Einbeziehung aller ärztlichen Mitarbeiter in die Lehre, neue ärztliche Mitarbeiter werden auch nach ihrer Motivation zu ihren Fähigkeiten und Kenntnissen in Forschung und Lehre ausgewählt

Beteiligung einzelner freiwilliger Praxismitarbeiter an der durch Arbeitsverträge (Minijobs) von der Medical School REGIOMED

Erweiterung persönlicher Kompetenzen in Lehre und Forschung

Erweiterung persönlicher Kompetenzen in Lehre und Forschung

Beteiligung externer Dozenten (Dermatologie und Venerologie)

Ja

Ja

Ja

Ja

Ja

  • Umstrukturierung von kommunalen Krankenhäusern in Universitätsklinika parallel zur Gründung einer staatlichen oder kommunalen medizinischen Fakultät bzw. durch die Aufnahme in einer bereits existierenden staatlichen Fakultät (Universitätsmedizin Augsburg [3], Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane [4], Integration des Johannes Wesling Klinikums Minden in die Ruhr-Universität Bochum [5]),

  • Umstrukturierung von kommunalen/privaten Krankenhäusern in Universitätsklinika durch die Kooperation mit einer medizinischen Fakultät eines Staates der Europäischen Union (Aufnahme des Klinikums Oldenburg in die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in Kooperation mit der Rijksuniversiteit Groningen [6], Aufnahme des Klinikums Nürnberg Nord in die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg [7], Aufnahme des Klinikverbundes Regiomed in die Medical School REGIOMED in Kooperation mit der Universität Split [8], Kooperation der Asklepios Kliniken Hamburg GmbH über ihre als gemeinnützig anerkannte Tochtergesellschaft Asklepios Medical School GmbH mit der Semmelweis Universität Budapest [9]),

  • Kooperation von kommunalen Krankenhäusern mit privaten Universitäten (Kooperation der Medical School Hamburg GmbH mit den MSH Campus Helios Kliniken Schwerin [10], Kooperation der Health and Medical University (HMU) Potsdam GmbH mit dem Ernst-von-Bergmann Klinikum Potsdam [11]).

Von den 9 neuen medizinischen Fakultäten haben 5 (Johannes Wesling Klinikum Minden – Universitätsklinikum, Medizinische Fakultät der Universität Augsburg, Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane, Klinikum Oldenburg – Medizinische Campus Universität Oldenburg, Klinikum Nürnberg – Paracelsus Universität) Universitätsprofessoren für Dermatologie und Venerologie nach den üblichen Berufungskriterien, Nachweis von Tätigkeiten in der Forschung und Lehre, Drittmitteleinwerbungen usw. berufen ([Tab. 1]). Während die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane und das Klinikum Oldenburg – Medizinische Campus Universität Oldenburg offene Verfahren mit Etablierung einer neuen Universitätsklinik für Dermatologie auswählten, haben das Johannes Wesling Klinikum Minden – Universitätsklinikum, das Universitätsklinikum Augsburg und Klinikum Nürnberg – Paracelsus Universität nach einem nichtkompetitiven Verfahren mit an die üblichen Berufungsverfahren angepassten Kriterien die existierenden Chefärztinnen und Chefärzte bei entsprechender Eignung auf die Lehrstühle berufen. Die Asklepios Kliniken der Asklepios Medical School GmbH und der Klinikverbund Regiomed der Medical School REGIOMED haben Dozenten ohne Berufungsverfahren für die Lehre beauftragt, wobei als Lehrstuhlinhaber die Direktoren der Kliniken der assoziierten Universitäten (Semmelweis Universität Budapest und Universität Split) ihre Aufgaben zunächst verantwortlich weiter wahrnehmen. Im Falle der Asklepios Medical School GmbH ist pro Fach ein fachverantwortlicher Dozent für die Qualitätssicherung des Unterrichts aller anderen Dozenten in dem betreffenden Fach zuständig, der ein Berufungsverfahren der Semmelweis Universität durchlaufen muss. Die Medical School Hamburg (MSH) GmbH und die Health and Medical University (HMU) Potsdam GmbH haben noch keine Professoren für Dermatologie berufen oder Dozenten genannt.

Der Zeitpunkt der Einbindung der Dermatologie und Venerologie in das Studium und die Dauer des Dermatologie-Unterrichts in den neuen Universitäten sind sehr unterschiedlich. Während die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane den Schwerpunkt dermatologischer Lehre bereits im 4. Semester setzt und dafür 247 Lehrstunden (16 SWS im 4. Semester) investiert und die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg Dermatologie-Lehre ab dem 5. Semester anbietet, lehren alle anderen Universitäten das Fach schwerpunktmäßig später, und zwar zwischen dem 7. und 9. Semester. Allerdings lehren alle Universitäten Teile des Faches punktuell bereits ab dem 1. Studienjahr. Die Dauer des Dermatologie-Unterrichtes ist allerdings sehr unterschiedlich, wobei die Zeit bei manchen Fakultäten unterdurchschnittlich erscheint ([Tab. 1]).

Die Qualität der Lehre in der Dermatologie und Venerologie ist hervorragend, sie schließt Blockpraktika mit Vermittlung klinisch praktischer Fertigkeiten, Kleingruppenunterricht, Seminare, Vorlesungen und Unterricht am Krankenbett ein, wobei sowohl Frontalunterricht als auch digitale Lernformen eingesetzt werden.

Die Auswirkungen der Umwandlung ihrer Klinik in eine Universitätsklinik auf die Klinikleiter waren neben dem Berufungsvorgang eine – vertragliche – Ausweitung des Aufgabenfeldes auf Lehre und Forschung. Es erfolgten Einarbeitungen in digitale Lehrformen, Dozententrainings, Definition von Forschungsfeldern und Aufbau von Forschergruppen, da wo sie nicht bereits existierten. Die Mitarbeiter der Klinik werden in die Lehre freiwillig einbezogen, neue ärztliche Mitarbeiter werden auch nach ihrer Motivation zu und ihren Fähigkeiten und Kenntnissen in Forschung und Lehre ausgewählt. Nicht habilitierte Oberärztinnen und Oberärzte haben i. d. R. einen Bestandsschutz. Während die Mehrheit der neuen Universitäten die dermatologische Lehre traditionell in Krankenhäusern angesiedelt hat, führt der Klinikverbund Regiomed der Medical School REGIOMED die Fachlehre in dermatologischen Praxen unter der Leitung von habilitierten Dozentinnen durch.

Die Auswirkung auf die Forschung in den neuen Universitäten, die dermatologische Forschung auch planen und anbieten, ist durchgehend positiv. Akademisches und Forschungspersonal, kompetitive interne Forschungsmittel, die Gründung von Forschungsgruppen und die Bereitstellung entsprechender Infrastruktur werden – auch wenn oft in bescheidenem Maße – zur Verfügung gestellt. In den mit europäischen Medizinfakultäten assoziierten kommunalen oder privaten Kliniken ist allerdings der ärztliche Stellenplan für Forschung und Lehre bisher oft kaum oder gar nicht aufgestockt worden, wodurch die Mehrarbeit neben der Krankenversorgung deutlich größer wird.


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Diskussion

Die Lehre in der Dermatologie und Allergologie ist in der Mehrheit der neuen Universitäten bereits gut aufgestellt. Das liegt v. a. an den Kliniken, die die Rolle der Universitätsklinik übernommen haben oder dafür ausgewählt wurden. Allerdings haben nicht alle neuen Universitäten das Fach vollständig entwickelt, was noch stattfinden muss. Während der Aufstellung der Lehre von Anfang an sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde, lässt die Forschungsausstattung noch Wünsche übrig, was auch an den begrenzten den Universitäten zur Verfügung stehenden Mitteln liegt. Bei der Berücksichtigung der wichtigen Rolle, die die dermatologische Forschung in den „alten“ Universitäten spielt, wo sie überwiegend eine der ersten 3 Positionen bei der internen Evaluation belegt, ist es zu erwarten, dass die neuen Fakultäten dies bei der zukünftigen Verteilung der Mittel berücksichtigen. Der Schwerpunkt dermatologischer Lehre liegt bei der Mehrheit der neuen Universitäten, wie bei den alten Universitäten, zwischen dem 7. und dem 9. Semester; bei der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg wird Dermatologie und Venerologie im 4. Semester bzw. ab dem 5. Semester gelehrt. In Brandenburg folgen ein Forschungswahlpraktikum im 6. Semester und ein 2-wöchiges klinisches Wahlpraktikum im 7. Semester. Die Dauer dermatologischer Lehre (Gesamtzahl der Semesterwochenstunden) scheint noch sehr unterschiedlich zu sein.

Die für eine qualitativ hochwertige Forschung und Lehre zusätzlich zur Krankenversorgung erforderlichen Personalmittel werden bei Neugründungen nicht immer zur Verfügung gestellt. Dadurch hängt es noch mehr vom persönlichen Engagement der Dozenten ab, ob sich Studierende für das Fach Dermatologie und Venerologie begeistern lassen und somit als Nachwuchs zur Verfügung stehen.

Besonderes Augenmerk sollten alle Lehrenden darauf legen, dass in Deutschland die Approbationsordnung und damit das gesamte Medizinstudium im Zuge der Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020 einen Wandel erfährt. Die Ausbildung soll deutlich kompetenzbasierter sein. Ebenso ist, angelehnt an Modellstudiengänge, die es dann nicht mehr geben soll, eine enge Vernetzung zwischen medizinisch-theoretischen Grundlagenfächern und klinischen Fächern geplant. Es ist daher von großer Bedeutung, dass dieser Wandel von allen in der Dermatologie tätigen Dozentinnen und Dozenten getragen und aktiv gestaltet wird, um unser schönes, sehr breites und vielseitiges Fach attraktiv zu halten und unseren dermatologischen Nachwuchs auf hohem Niveau zu sichern. Letztlich ist trotz der Schwierigkeiten, die die ersten Schritte in einer neu zu entwickelnden Universitätsmedizin bereiten, das Fazit aller neuen Universitätsprofessorinnen und -professoren für ihre neuen Aufgaben überwiegend positiv ([Tab. 2]).

Tab. 2

Fazit der neuen Universitätsprofessor*innen und Dozent*innen für Dermatologie und Venerologie.

ass. Prof. Dr. Dr. Susanne Grunewald, fachverantwortliche Dozentin, Hautfachärztliche Praxis (Kitzingen), Medical School REGIOMED (in Kooperation mit der Universität Split): „Insgesamt ist es persönlich motivierend neben der Praxisroutine am Aufbau eines neuen Studienganges kreativ mitzuwirken und die dermatologische Lehre selbst aufzubauen und gestalten zu können. Durch die kleinen Gruppen entsteht eine persönliche Beziehung zu den Studenten, die wir so individuell abholen und für unser dermatologisches Fachgebiet begeistern können.“

Univ.-Prof. Dr. med. habil. Ulrike Raap, Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie, Klinikum Oldenburg, Fakultät VI für Medizin- und Gesundheitswissenschaften, Oldenburg: „Der Aufbau eines länderübergreifenden Curriculums mit Groningen und Oldenburg ist einzigartig. Für die ärztliche Versorgung im Nord-Westen ist die Ausbildung von Medizinern und damit die neue Universitätsmedizin in Oldenburg essentiell. Leider fehlt die entsprechende Finanzierung über das Land, sodass, obwohl die Studentenzahlen bereits verdoppelt wurden, ein entsprechendes Campus-Gebäude für die Lehre, aber auch Berufungszusagen für die Forschung nicht eingehalten wurden. Durch die fehlende Finanzierung in Forschung und Lehre im Vergleich zu den traditionellen Universitäts-Standorten scheint dieses erfolgreiche Projekt für die Zukunft gefährdet, obwohl die Qualität dieser neuen Universitätsmedizin im Nord-Westen mit überdurchschnittlichen Abschlussraten der Studierenden im Ranking mithalten kann.“

Prof. Dr. Miklós Sárdy, Klinik für Dermato-Venerologie und -Onkologie, Klinik der Semmelweis Universität Budapest: „Die Semmelweis Universität ist eine riesengroße Universität mit einer Klinik für Dermatologie mit > 20 Ambulanzen und 62 Betten. Das Versorgungsgebiet wird von etwa 4 Millionen Einwohnern bewohnt. Jedes Jahr unterrichten wir etwa 900 Studenten, unter ihnen ca. 150 deutschsprachige Medizin- und Zahnmedizinstudenten. Die Unterrichtsqualität ist hoch. Die Kriterien für die Aufnahme sind streng, die Anforderungen hoch, unbegabte Leute sind nicht fähig, das Physikum zu beenden. Diplom und Doktortitel werden in Deutschland ohne weiteres akzeptiert, die Approbation in Deutschland läuft problemlos.“

Prof. Dr. med. Erwin S. Schultz, Universitätsklinik für Dermatologie, Klinikum Nürnberg Nord, Medizin-Niederlassung Nürnberg, Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg: „Der Aufbau des dermatologischen Lehrcurriculums war eine sehr interessante und verantwortungsvolle Herausforderung. Das vermehrte Engagement in Forschung und Lehre kommt insbesondere auch der Patientenversorgung zugute und verbessert die Qualität der Weiterbildung. Die Übergangsphase von einer Klinik in einem kommunalen Klinikum zu einer Universitätsklinik war nicht einfach, weil die Finanz- und Personalressourcen zunächst nicht dem Umfang der zusätzlichen Aufgaben entsprechend zur Verfügung standen. Insgesamt aber hat die Klinik und das Klinikum sehr profitiert und für mich persönlich ist es eine spannende und interessante Herausforderung.“

Univ.-Prof. Dr. med. Rudolf Stadler, Johannes Wesling Klinikum Minden – Universitätsklinikum, Medizinische Fakultät, Ruhr-Universität Bochum: „Ich persönlich empfinde die Ausweisung als Universitätsklinik als Bereicherung. Es ist eine schöne Aufgabe, junge Menschen für das eigene Fach zu gewinnen und zu qualifizieren. Dazu soll man auch den Mehrwert betrachten, den das gesamte Personal sowohl Schwesternschaft, Funktionspersonal als auch die Ärzteschaft bei der intensiven Berührung mit jungen Studentinnen und Studenten und dadurch auch den persönlichen Mehrwert im Austausch der Gedanken junger Generationen bekommen. In Minden haben wir es geschafft durch ein neues Campus-Gebäude auch den entsprechenden akademischen Rahmen zu bieten. Leider besteht auch bei derartigen öffentlichen Ausweitungen des universitären Angebotes im Rahmen der Ruhr-Universität Bochum ein latenter Finanzierungsmangel. Insofern sehe ich eine Ungerechtigkeit und Chancenungleichheit im Vergleich zu traditionellen Universitäts-Standorten. Die Lehre wird engagiert durch alle Mitarbeiter durchgeführt und auch von den Studenten maßgeblich honoriert. Dies wird jedoch vom Wissenschaftsministerium noch nicht gebührend zur Kenntnis genommen.“

Prof. Dr. med. Julia Welzel, Klinik für Dermatologie und Allergologie, Universitätsklinikum Augsburg, Universitätsmedizin Augsburg: „Es ist eine große Aufgabe, aber auch eine riesige Chance, einen Studiengang und die Forschung im Fach selbst aufbauen zu dürfen. Es gibt viel weniger Vorgaben als an etablierten Standorten, sodass ich viel mehr gestalten kann. Die Übergangsphase von einem kommunalen Krankenhaus der Maximalversorgung zu einem Universitätsklinikum ist schwierig, weil die Personal- und Geldressourcen erst langsam aufgebaut werden, wohingegen die zusätzlichen Aufgaben jetzt schon anfallen und die Krankenversorgung weiter zunimmt. Allein durch das Siegel Universitätsklinik haben die Patientenzahlen und die Bewerber um ärztliche Stellen deutlich zugenommen. Es ist insgesamt eine sehr positive Entwicklung für die Klinik und mich persönlich.“

Univ.-Prof. Dr. med. Prof. honoraire Dr. h.  c. Christos C. Zouboulis, Hochschulklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Immunologisches Zentrum, Städtisches Klinikum Dessau, Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane und Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg: „Der Aufbau des dermatologischen Lehrcurriculums vom Beginn an war eine sehr interessante und verantwortungsvolle Herausforderung. Meinen Mitarbeitern und mir war es klar, welche riesige Chance für eine intensive Lehre in der Dermatologie, Venerologie und Allergologie dieser Prozess bedeutete. Der Studiengang und die intensivierte fachliche Forschung erhöhen die Qualität der Patientenversorgung und das Niveau der Ärzte in Weiterbildung. Die Übergangsphase von einer kommunalen Klinik zur einer Hochschulklinik war nicht einfach, weil die Personal- und Finanzressourcen am Anfang gleich blieben, wohingegen die zusätzlichen akademischen Aufgaben von Anfang an angefallen sind und die Krankenversorgung sogar zunimmt. Nichtdestotrotz ist es insgesamt eine sehr positive Entwicklung für die Klinik und ihre Mitarbeiter und für mich persönlich die Erfüllung langfristiger Ziele.“


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Anerkennung

Die Hochschulklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Immunologisches Zentrum, Städtisches Klinikum Dessau ist Health Care Provider des Europäischen Netzwerkes für Seltene und Komplexe Erkrankungen der Haut (ERN Skin) und am ERASMUS + „Harmonized European Dermato-Venereology Undergraduate blended LEARNing Implementation and Training (HEduLearnIt)“-Projekt beteiligt.


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Interessenkonflikt

Die Autorinnen/Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.


Korrespondenzadresse

Univ.-Prof. Dr. med Prof. honoraire Dr. h. c. Christos C. Zouboulis
Hochschulklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Immunologisches Zentrum, Städtisches Klinikum Dessau
Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane und Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg
Auenweg 38
06847 Dessau
Deutschland   

Publication History

Article published online:
08 February 2021

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