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DOI: 10.1055/a-1285-0381
Topische Calcineurin-Inhibitoren erhöhen nicht das Risiko für weißen Hautkrebs
Bei verschiedenen Erkrankungen, bei denen chronisch-entzündliche Prozesse beteiligt sind, spielt die immunsuppressive Therapie inzwischen eine große Rolle, erhöht systemisch verabreicht aber auch häufig das Krebsrisiko. In dermatologischer Anwendung bei atopischer Dermatitis gehen die Autoren dieser Frage zu möglicherweise erhöhtem Risiko für weißen Hautkrebs bei topischer Gabe von Calcineurin-Inhibitoren nach.
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Die atopische Dermatitis zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen weltweit. Die Therapie besteht typischerweise zunächst in der topischen Anwendung von immunsuppressiven Arzneistoffen, häufig Kortikosteroide und Calcineurin-Inhibitoren. Im Gegensatz zu der topischen Gabe ist die systemische Gabe von Immunsuppresiva schon lange mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden. Das betrifft insbesondere auch die maligne Entartung von Keratinozyten, den sog. weißen Hautkrebs: das Plattenepithelkarzinom und das Basalzellkarzinom, zwei der häufigsten Krebserkrankungen überhaupt. Daher stellt sich die Frage: Kommt es auch bei der topischen Anwendung zu relevanter systemischer Absorption und dadurch zu einem erhöhten Risiko derartiger Tumoren? Vergangene Untersuchungen konnten dies nicht eindeutig beantworten. Die Autoren gingen dieser Frage hier mittels einer großen Kohortenstudie über einen 15-Jahres-Zeitraum in Bezug auf das Risiko für Plattenepithelkarzinom und Basalzellkarzinom nach topischer Anwendung von Calcineurin-Inhibitoren nach.
Methoden
Die Autoren führten eine retrospektive Beobachtungsstudie innerhalb eines großen kalifornischen Gesundheitsdienstleisters durch. Dabei
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rekrutierten sie über 93 000 Patienten mit atopischer Dermatitis ab 40 Jahren in einem Zeitraum zwischen 2002 und 2013 mit einer Follow-up-Periode bis 2017 und
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verglichen die Inzidenz von weißem Hautkrebs (Plattenepithelkarzinom und Basalzellkarzinom) zwischen den drei Gruppen:
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Patienten unter Therapie mit topischen Calcineurin-Inhibitoren: Tacrolimus und Pimecrolimus mit oder ohne bisherige Therapie mit topischen Kortikosteroiden
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Patienten unter Therapie nur mit topischen Kortikosteroiden
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Patienten ohne topische immunsuppressive Therapie
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Ergebnisse
Im Ergebnis zeigte sich: Eine topische Therapie mit Calcineurin-Inhibitoren war nicht mit einem erhöhten Risiko für weißen Hautkrebs assoziiert, weder für Plattenepithelkarzinome noch Basalzellkarzinome. Dieses Muster fanden die Forscher sowohl im Vergleich zu Patienten mit ausschließlich topischen Kortikosteroiden als auch im Vergleich zu Patienten ganz ohne topische immunsuppressive Therapie. Außerdem fanden die Forscher keinen Einfluss von Dosis, Häufigkeit und Dauer der Therapie mit topischen Immunsuppressiva auf die Risiken der untersuchten Karzinome.
Die Forscher fanden hier keinen Zusammenhang zwischen einer Therapie mit topischen Calcineurin-Inhibitoren und weißem Hautkrebs. Wenngleich die Studie aufgrund ihres Designs einer möglichen experimentellen randomisierten Studiengestaltung unterlegen ist, kann sie eine große und befriedigend repräsentative Stichprobe aufweisen. Eine topische immunsuppressive Therapie mit Calcineurin-Inhibitoren scheint also nach heutigem Stand eine sichere Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis zu sein.
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David Eckert, Ravensburg
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Publication History
Article published online:
08 February 2021
© 2021. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany
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