Koo BS.
et al.
Tumour necrosis factor inhibitors slow radiographic progression in patients
with ankylosing spondylitis: 18-year real-world evidence.
Ann Rheum Dis 2020;
79: 1327-1332.
Im Rahmen einer retrospektiven Studie werteten sie umfangreiche Daten von 1280
Patienten mit einer ankylosierenden Spondylitis aus, welche sich zwischen 2001
und 2018 an der Universität Seoul in Behandlung befunden hatten. 595
Personen hatten im Beobachtungszeitraum mindestens einmal TNF-Inhibitoren (z. B.
Adalimumab, Etanercept, Infliximab, Golimumab) erhalten. Die Analyse umfasste
338 dieser Patienten, bei welchen sowohl mindestens ein Zeitintervall mit als
auch ein Zeitintervall ohne TNF-Inhibitor-Anwendung ausgewertet werden konnte.
Alle Studienpatienten waren regelmäßig radiologisch untersucht
worden. Anhand dieser Aufnahmen erhoben die Forscher nun den modifizierten Stoke
Ankylosing Spondylitis Spinal Score (mSASSS) und prüften, inwiefern sich
dieser in den Zeiträumen mit bzw. ohne TNF-Inhibitor-Behandlung
verändert hatte.
Ergebnisse
Zum Zeitpunkt der Diagnose waren die Studienpatienten (90%
Männer) im Schnitt 33,1 Jahre alt. Die Krankheitsdauer betrug
durchschnittlich 12,6 Jahre. Die Analyse umfasste 2364 Zeitintervalle, wobei die
1281 Intervalle „mit TNF-Inhibitor“ durchschnittlich 633,0 und
die 1083 Intervalle „ohne TNF-Inhibitor“ 209,8 Tage dauerten.
Die multivariate Analyse ergab: Eine Augenbeteiligung sowie die
Erythrozytensedimentationsrate zu Intervallbeginn korrelierten mit einer Zunahme
der mSASSS-Veränderungsrate, weibliches Geschlecht sowie der BASDAI
(Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index) bei Intervallbeginn dagegen
mit einer Abnahme. Ferner bestand ein signifikanter Zusammenhang zwischen den
TNF-Inhibitoren und einer Abnahme der mSASSS-Veränderungsrate. Die ITPW
(Inverse Probability of Treatment Weighting)-Analyse deutete auf einen kausalen
Effekt der TNF-Inhibitoren bezüglich der mSASSS-Veränderungsrate
hin: Unter TNF-Inhibitoren nahm die mSASSS-Veränderungsrate signifikant
ab, wobei die bezüglich verschiedener Kovariablen adjustierten
jährlichen mSASSS-Veränderungen in Intervallen mit
TNF-Inhibitor-Behandlung 0,848 und in Intervallen ohne diese Therapie 0,960
betrugen.
Bei Berücksichtigung verschiedener Störvariablen wie
beispielsweise der Entzündungsparameter, so das Fazit der Autoren,
verlangsamen TNF-Inhibitoren im Vergleich zu anderen Therapiestrategien ohne
diese Wirkstoffe die radiologische Progression der ankylosierenden
Spondylitis deutlich. TNF-Inhibitoren stellen daher ihrer
Einschätzung nach einen wichtigen modifizierbaren Faktor im Hinblick
auf den radiologischen Krankheitsprogress dar.
Dr. med. Judith Lorenz, Künzell