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DOI: 10.1055/a-1296-5658
Zulassungsstudie für Remdesivir zur Therapie von COVID-19 voll publiziert
Viele medikamentöse Therapien zur Behandlung der Coronavirus-Erkrankung 2019 (COVID-19) wurden untersucht. Remdesivir war die erste antivirale Substanz, die auf Basis einer doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Studie als Infusion zur Therapie von COVID-19 zugelassen wurde. Der Wirkstoff ist ein Inhibitor der viralen RNA-abhängigen RNA-Polymerase.
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An der weltweit durchgeführten ACCT-1-Studie (Adaptive COVID-19 Treatment Trial, erstes Stadium) nahmen Patienten teil, die wegen COVID-19 stationär behandelt wurden und Zeichen einer Infektion der unteren Atemwege aufwiesen. Randomisiert erhielten sie entweder Remdesivir (1. Tag 200 mg, 2.–10. Tag 100 mg täglich) oder 10 Tage ein entsprechendes Placebo. Der klinische Status der Patienten wurde täglich erhoben. Dazu verwendeten die Wissenschaftler eine 8 Kategorien umfassende Ordinalskala und den National Early Warning Score, der 6 physiologische Parameter berücksichtigt und das klinische Risiko auf einer Skala von 0–20 angibt (0 niedrigstes, 20 höchstes Risiko). Als primärer Endpunkt der Studie war zunächst der Wert auf der 8 Kategorien umfassenden Ordinalskala an Tag 15 festgelegt worden. Er wurde aufgrund der wachsenden Erkenntnisse zum Verlauf der COVID-19-Erkrankung früh in die Zeit bis zur Erholung bis zum Tag 29 geändert. Definiert war die Erholung als Entlassung aus dem Krankenhaus (mit oder ohne Beeinträchtigung der Aktivitäten) oder Fortsetzung des stationären Aufenthalts nur noch zur Infektionskontrolle (Kategorie 1, 2 oder 3 der Ordinalskala). Die aktuelle Publikation ist die Auswertung nach Abschluss der geplanten Beobachtungsdauer. Zuvor waren bereits vorläufige Ergebnisse veröffentlicht worden.
Ergebnisse
Die ACTT-1-Studiengruppe um John H. Beigel von der Northwestern University in Chicago berichten über 1062 randomisierte Patienten, von denen 541 der Remdesivir- und 521 der Placebogruppe zugelost worden waren. 15,0 % der Patienten wurden als leicht bis moderat erkrankt eingestuft, die übrigen 85 % waren bei Randomisierung schwer erkrankt, d. h. sie
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benötigten eine mechanische Beatmung,
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benötigten eine Sauerstoffgabe,
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hatten bei Atmung normaler Raumluft eine Sauerstoffsättigung ≤ 94 % oder
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wiesen eine Tachypnoe auf (≥ 24 Atemzüge pro Minute).
Die mediane Zeit bis zur Erholung lag in der Remdesivir-Gruppe bei 10 Tagen (95 % Konfidenzintervall [KI] 9–11) und in der Placebogruppe bei 15 Tagen (95 % KI 13–18). Die Verhältnisrate (Rate Ratio, RR) für eine Erholung lag bei 1,29 zugunsten von Remdesivir (95 % KI 1,12 – 1,49; p < 0,001).
Bei Modellierung nach der 8-stufigen Ordinalskala zeigte sich nach Adjustierung gemäß der aktuellen Krankheitsschwere, dass die Patienten der Remdesivir-Gruppe eine höhere Wahrscheinlichkeit hatten, an Tag 15 eine klinische Besserung zu zeigen, als die Patienten der Placebogruppe (Odds Ratio 1,5; 95 % KI 1,2–1,9).
Die Remdesivir-Gruppe zeigte gegenüber der Placebogruppe auch Vorteile in anderen sekundären Endpunkten wie Zeit bis zur Verbesserung um ein oder zwei Werte auf der Ordinalskala, die Zeit bis zu einer anhaltenden Verbesserung des National Early Warning Score auf eine Wert von ≤ 2, die Dauer des stationären Aufenthalts (median 12 vs. 17 Tage) und die Zeit bis zur Entlassung.
Die Kaplan-Meier-Schätzungen zur Mortalität lagen an Tag 15 bei 6,7 % mit Remdesivir und 11,9 % mit Placebo, an Tag 29 bei 11,4 % mit Remdesivir und 15,2 % mit Placebo (Hazard Ratio 0,73; 95 % KI 0,52 – 1,03). Schwere unerwünschte Ereignisse wurden in der Remdesivir-Gruppe seltener als in der Placebogruppe dokumentiert (24,6 % vs. 31,6 %).
Die Autoren betonen, dass die Studie durch Lockdown und Reiserestriktionen unter erschwerten Bedingungen durchgeführt werden musste. Die deutlichsten Vorteile von Remdesivir fanden sich bei Patienten mit supportiver Sauerstoffgabe, was allerdings daran liegen könnte, dass diese Gruppe besonders groß war. Nach ersten Ergebnissen der SOLIDARITY-Studie rät die WHO inzwischen vom Einsatz von Remdesivir ab (WHO Solidarity trial consortium 2020; doi:10.1101/2020.10.15.20209817).
Friederike Klein, München
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Publication History
Article published online:
12 February 2021
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