Moriguchi T.
et al.
A first Case of Meningitis/Encephalitis associated with SARS-Coronavirus-2.
Int J Infect Dis 2020;
94: 55-58
SARS-CoV-2 wurde erstmalig im Dezember 2019 in Wuhan, China, nachgewiesen und ist Verursacher der aktuellen weltweiten Pandemie. Der Bericht basiert auf dem Fall eines 24 Jahre alten Mannes aus Japan, der das Land noch nie verlassen hat. Bei diesem traten im späten Februar 2020 zunächst Kopfschmerzen, generalisierte Fatigue sowie Fiebersymptome auf (Tag 1). Am zweiten Tag wurde er bei einem Arzt in seiner Nähe vorstellig. Dieser verschrieb zunächst Laninamivir sowie fiebersenkende Medikamente. Weil sich die früheren Symptome, Kopfschmerzen sowie eine Halsentzündung weiter verschlechterten, suchte der Patient an Tag 5 eine Klinik auf. Dort wurden eine Röntgenuntersuchung der Brust sowie ein Bluttest durchgeführt – beide Testergebnisse waren negativ. Bis zu Tag 9 hatte sich der Zustand des Patienten weiterhin verschlechtert. So wurde er auf dem Boden liegend, bewusstlos vorgefunden. Es erfolgte ein Nottransport in ein Krankenhaus, währenddessen zeigte der Patient Krampfanfälle, die ungefähr 1 Minute dauerten. Der Patient litt zudem offenbar an einer Nackensteifigkeit. Auf Basis eines Nasen-Rachen-Abstrichs erfolgte eine Testung auf SARS-CoV-2, es konnte keine spezifische Virus-RNA detektiert werden. Allerdings wurde SARS-CoV-2-RNA innerhalb der Zerebrospinalflüssigkeit nachgewiesen. Ein Bluttest offenbarte eine erhöhte Anzahl weißer Blutzellen (mit einer Dominanz von Neutrophilen) sowie relativ verminderte Lymphozyten. Die Levels an C-reaktivem Protein waren erhöht. Ein CT-Scan erbrachte keinen Beweis für ein Hirnödem. Wegen multipler epileptischer Anfälle während der Notbehandlung erfolgten eine endotracheale Intubation und künstliche Beatmung. Danach wurde der Patient auf die Intensivstation verlegt. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns erbrachte Hinweise auf eine durch SARS-CoV-2 verursachte Meningitis. Die klinische Diagnose lautete Meningitis sowie virale Pneumonie. Auf der Intensivstation erhielt der Patienten in intravenöser Form Ceftriaxon, Vancomycin, Aciclovir sowie Steroide. Um den Krampfanfällen entgegenzuwirken, wurde zudem Levetiracetam verabreicht. Ab dem zweiten Tag wurde der Patient zusätzlich für insgesamt 10 Tage mit Favipiravir behandelt.
Bei dem 24-jährigen Mann aus Japan handelt es sich um den ersten Fall von Meningitis im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion. Der Nasen-Rachen-Abstrich war negativ für SARS-CoV-2-RNA, es fand sich allerdings Virus-RNA in der Zerebrospinalflüssigkeit. Nach Meinung der Autoren sind Symptome einer Enzephaliti – neben Atembeschwerden – möglicherweise die ersten Hinweise auf eine „versteckte“ SARS-CoV-2-Infektion.
Dr. Frank Lichert, Weilburg