Zusammenfassung
Ziel der Studie Analyse der Entwicklung der Ergebnisse des Zweiten
(klinisch-schriftlichen, „M2“) und Dritten
(klinisch-mündlichen; „M3“) Abschnitts der
Ärztlichen Prüfung in Deutschland.
Methodik Es wurden öffentlich verfügbare Daten des
Zweiten und Dritten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung
analysiert (Jahre 2014–2020). Meta-Regressions-Modelle
(mixed-effects) schätzten Zusammenhänge zwischen
Prüfungsergebnissen und dem Zeitpunkt der Prüfung ein.
Ergebnisse Im untersuchten Zeitraum nahmen insgesamt 63 811
bzw. 32 852 Teilnehmer an den untersuchten M2- bzw.
M3-Prüfungen teil. Der Prozentsatz durchschnittlich richtig
beantworteter Fragen aller M2-Examina lag bei 77,7% (Minimum:
73%; Maximum: 82,7%). Es zeigte sich über die Zeit
eine große Variation in den Ergebnissen: Der Anteil von Teilnehmern
mit „sehr gutem“ Ergebnis variierte zwischen 0,1%
(Frühjahr 2020) und 17% (Herbst 2015) und der Anteil von
Teilnehmern mit „gutem“ Ergebnis zwischen 21%
(Frühjahr 2020) und 52% (Herbst 2015). Insgesamt zeigte sich
bei Analyse der M2-Examina ein negativer Trend. Über die Zeit sanken
bspw. der Prozentsatz richtig beantworteter Fragen (Steigung
β=-0,82%; p < 0,01) und der Anteil von
Teilnehmern mit „sehr gutem“ (β=-1,17;
p=0,04) und „gutem“ (β=-2,58;
p=0,02) Ergebnis. In den Modellen konnte mit dem Zeitpunkt der
Prüfung zwischen 20 und 34% der Heterogenität
zwischen den Prüfungen erklärt werden. In den M3-Examina
zeigte sich nur eine sehr geringe Variation über die Zeit,
außerdem waren keine Trends zu erkennen
(p=0,08–0,60).
Schlussfolgerung Die Ergebnisse der M2-Examina variierten über
die letzten Jahre stark, außerdem zeigte sich ein deutlicher Trend
hin zu durchschnittlich schlechteren Ergebnissen. Die Ergebnisse der
M3-Examina blieben hingegen bei geringer Variation auf konstantem Niveau.
Mögliche Ursachen dieser Entwicklungen – etwa schlechter
werdende schriftliche Fähigkeiten der Studierenden oder ein
höherer Anforderungsgrad in den M2-Examina – sollten
untersucht werden. Die große Variation der durchschnittlichen
Ergebnisse stellt die Reliabilität und Vergleichbarkeit der
M2-Examina in Frage.
Abstract
Objective Trend analysis of the results of the second clinical
(written, “M2”) and third clinical (oral,
“M3”) part of the German medical licensing examination.
Methods Publicly available data were analyzed (2014–2020)
using meta-regression models (mixed-effects) for evaluation of correlations
between results and the time point of the examinations.
Results A total of 63,811 and 32,852 students participated in the M2
and M3 examinations, respectively. The average percentage of correctly
answered questions across all M2 examinations was 77.7% (minimum:
73%; maximum: 82.7%). Generally, there was great variation:
The percentage of participants with “very good” results
varied between 0.1% (spring 2020) and 17% (fall 2015) as did
the percentage of participants with “good” results (between
21% (spring 2020) and 52% (fall 2015)). Analysis of M2
examinations showed an overall negative trend. Over time, for example, the
percentage of correctly answered questions (slope
β=-0.82%; p < 0.01) and the percentage of
participants with “very good” (β=-1.17;
p=0.04) and “good” (β=-2.58;
p=0.02) results decreased significantly. The time point of the
examinations explained between 20 and 34% of heterogeneity between
examination results. With regard to the M3 examinations, there was only
little variation over time, and no negative trends were observed
(p=0.08–0.60).
Conclusion Results of the M2 examinations varied greatly over the last
years, and there was a significant negative trend. In contrast, results of
the M3 examinations remained constant with little variation. Possible
explanations such as worsening written skills or higher requirements in the
M2 examinations need to be investigated. The observed great variation of
average results questions the reliability and comparability of the M2
examinations in Germany.
Schlüsselwörter
Ärztliche Prüfung Staatsexamen - Medizinstudium - Deutschland
Key words
German medical licensing examination - Medical school - Germany