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DOI: 10.1055/a-1324-9840
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Test Your KnowledgeDie folgende Erkrankung ist klinisch oft eindeutig und wird daher selten beschrieben.
Anamnese
Eine 62-jährige fiebrige Patientin in reduziertem Allgemeinzustand wurde wegen einer atypischen Pneumonie (Klebsiella pneumoniae) stationär behandelt. Innerhalb weniger Tage entwickelte sie einen asymptomatischen Ausschlag an den vom Schwitzen feuchten Hautstellen, der mit der Genesung der Patientin selbstständig abheilte.
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Klinischer und histologischer Befund
Am Stamm und den Intertrigines zeigte sich disseminiert ein monomorphes vesikuläres Exanthem ([Abb. 1]). Die Einzelläsionen wirkten wie 1–2 mm große, klare Regentopfen auf unveränderter Haut.
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Histologisch zeigte sich ein atrophes Epidermisband, Hypogranulose, unreife Orthohyperkeratose, innerhalb kompakter Verhornung flächig intrakorneale Spaltbildung ([Abb. 2]). Akrosyringial typische Verhornung, um den intraepidermalen Gangabschnitt geringe Spongiose. In der oberflächlichen Dermis, dilatierte Kapillaren und geringe perivenuläre Infiltrate, in der tiefen Dermis Syringien unverändert. Die PAS-Färbung zeigte keine Hyphen oder Sporen, in der direkten und indirekten Immunfloureszenz kein Anhalt für eine autoimmun-blasenbildende Erkrankung.
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Diagnose
Miliaria cristallina.
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Kommentar
Miliaria (M.) beschreibt einen Hautausschlag aus Hirsekorn (griech.: Milium)-großen Vesikeln (M. cristallina), Papulovesikeln (M. rubra) oder Papeln und Knötchen (M. profunda). Ursächlich wird eine Flussunterbrechung im ekkrinen Schweißdrüsenausführungsgang auf unterschiedlichen Höhen angenommen, die das klinische Bild bestimmen [1] [2]. Bei der hier beschriebenen Miliaria cristallina ist dessen intraepidermaler Anteil (Akrosyringium) in der Hornschicht am oberflächlichsten unterbrochen [2]. Der Schweiß fließt somit hauptsächlich intrakorneal, eine reaktive Entzündung ist daher kaum ausgeprägt oder gar fehlend. Klinisch entstehen kleine wasserklare Vesikel, eine sichtbare Rötung fehlt typischerweise. Vermutete Mechanismen sind das vorübergehende Schließen der Schweißkanalöffnung aufgrund deren Unreife bei Neugeborenen, eine erhöhte Hydratation der Korneozyten mit Okklusion des Akrosyringiums durch verstärkte Schweißproduktion (Schwitzen bei Fieber, konstitutiv, umweltbedingt), bakterielle Infektionen oder eine mechanische Unterbrechung im Akrosyringium bei epithelialen Reifungsstörungen durch ultraviolettes Licht, zugrundeliegende Erkrankungen oder assoziierte Medikamenten [1] [2] [3] [4] [5].
Klinisch abzugrenzen ist die Miliaria rubra, bei der es zur Verlegung des Akrosyringiums tiefer im Stratum spinosum kommt. Infolge des Schweißkontaktes mit der vitalen Epidermis entsteht periakrosyringial eine irritativ-spongiotische Dermatitis, klinisch zeigen sich gerötete interfollikuläre Papulovesikel. Morphologisch zeigt sich in der optischen Kohärenztomografie eine Dilatation des spiralförmigen Akrosyringiums, freie Flüssigkeit und eine angrenzende hyporefraktile Substanz, die vermutlich mazeriertes Keratin darstellt, das als epidermales Irritanz wirkt [6]. Bei der Miliaria profunda kommt es zu einer dermalen, noch tieferen Verlegung des Schweißausführungsganges. Histologisch zeigt sich prästenotisch eine zystische Gangdilatation mit periduktalen Infiltraten, klinisch an der kleidungsbedeckten Haut auffällige tiefrote Papeln und kleine Knoten. Ein Übergang zwischen der aphlegmatischen (M. cristallina) und den entzündlichen Miliaria-Formen (M. rubra, M. profunda) ist denkbar, wenn eine oberflächliche Unterbrechung des Schweißflusses eine transepidermale oder dermale Schweißexzudation mit reaktiver Entzündung zur Folge hat [2].
Eine sekundäre Impetiginisation ist differenzialdiagnostisch abzugrenzen von infektiösen und sterilen intrakornealen Pustulosen, wie Impetigo contagiosa, Tinea corporis, Psoriasis pustulosa und der IgA-Pemphigus. Therapeutisch empfiehlt sich jegliche Vermeidung ursächlicher Faktoren, wie okkludierende äußere Einflüsse durch leichte Kleidung und Klimatisation, sowie die Behandlung zugrundeliegender, häufig febriler Systemerkrankungen.
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Interessenkonflikt
Die Autorinnen/Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
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Literatur
- 1 Mowad CM, McGinley KJ, Foglia A. et al. The role of extracellular polysaccharide substance produced by Staphylococcus epidermidis in miliaria. J Am Acad Dermatol 1995; 33: 729-733
- 2 Shuster S. Duct disruption, a new explanation of miliaria. Acta Derm Venereol 1997; 77: 1-3
- 3 Haas N, Martens F, Henz BM. Miliaria crystallina in an intensive care setting. Clin Exp Dermatol 2004; 29: 32-34
- 4 Rochmis PG, Koplon BS. Iatrogenic miliaria crystallina due to bethanechol. Arch Dermatol 1967; 95: 499-500
- 5 Dixit S, Jain A, Datar S. Congenital miliaria crystallina – A diagnostic dilemma. Med J Armed Forces India 2012; 68: 386-388
- 6 Tey HL, Tay EY, Cao T. In vivo imaging of miliaria profunda using high-definition optical coherence tomography: diagnosis, pathogenesis, and treatment. JAMA Dermatol 2015; 151: 346-348
Korrespondenzadresse
Publication History
Article published online:
08 February 2021
© 2021. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany
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Literatur
- 1 Mowad CM, McGinley KJ, Foglia A. et al. The role of extracellular polysaccharide substance produced by Staphylococcus epidermidis in miliaria. J Am Acad Dermatol 1995; 33: 729-733
- 2 Shuster S. Duct disruption, a new explanation of miliaria. Acta Derm Venereol 1997; 77: 1-3
- 3 Haas N, Martens F, Henz BM. Miliaria crystallina in an intensive care setting. Clin Exp Dermatol 2004; 29: 32-34
- 4 Rochmis PG, Koplon BS. Iatrogenic miliaria crystallina due to bethanechol. Arch Dermatol 1967; 95: 499-500
- 5 Dixit S, Jain A, Datar S. Congenital miliaria crystallina – A diagnostic dilemma. Med J Armed Forces India 2012; 68: 386-388
- 6 Tey HL, Tay EY, Cao T. In vivo imaging of miliaria profunda using high-definition optical coherence tomography: diagnosis, pathogenesis, and treatment. JAMA Dermatol 2015; 151: 346-348
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