COVID-19-Komplikationen am Herzen mit Ultraschall schnell und sicher erkennen
COVID-19-Komplikationen am Herzen mit Ultraschall schnell und sicher erkennen
Vor allem viele ältere Patienten entwickeln im Laufe einer COVID-19-Erkrankung Komplikationen
am Herzen, beispielsweise eine Herzmuskelentzündung. Langzeitfolgen wie Luftnot, Müdigkeit
und Abgeschlagenheit, unter denen viele COVID-Patienten leiden, können auch auf eine
durch die Infektion entstandene Herzschwäche hindeuten. Insbesondere ältere Patienten
mit kardialen Vorerkrankungen scheinen ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe von
COVID-19 zu haben. Umso wichtiger ist es, Anzeichen für Schäden am Herzen früh zu
erkennen. Die schnellste und einfachste Methode ist dabei die Echokardiografie. Wie
genau der Herzultraschall bei akuter Infektion und in der Nachsorge eingesetzt wird,
erklärte Professor Dr. med. Fabian Knebel, Leitender Oberarzt an der Berliner Charité,
Klinik für Kardiologie am Campus Mitte und Kursleiter und Arbeitskreisleiter Echokardiografie
in der DEGUM, auf der Online-Pressekonferenz.
Die Echokardiografie, die Ultraschalluntersuchung des Herzens, ist eine der wichtigsten
Routineuntersuchungen am Herzen. Diese Ultraschalluntersuchung nutzt der Kardiologe,
um zum Beispiel eine Herzinsuffizienz zu erkennen oder den Zustand der Herzklappen
zu beurteilen. Die transösophageale Echokardiografie (auch Schluckecho genannt), bei
der eine Ultraschallsonde über die Speiseröhre eingeführt wird, liefert Erkenntnisse
über Blutgerinnsel in den Vorhöfen oder, bei Verdacht, auf eine bakterielle Infektion
der Herzklappen (Endokarditis). „Die Echokardiografie ist die zentrale Bildgebung
in der Kardiologie und in der Altersmedizin nicht wegzudenken“, erklärt Professor
Dr. med. Fabian Knebel. Sie sei vielseitig einsetzbar, habe keine Kontraindikation,
geringe Kosten und könne auch für Wiederholungsuntersuchungen genutzt werden, so der
Leiter des Arbeitskreises Echokardiografie in der DEGUM.
Vor allem aber auch in Zeiten der COVID-19-Pandemie hat sich der Herzultraschall zu
einem wichtigen Instrument entwickelt [1]. „Insbesondere ältere Patienten mit kardialen
Vorerkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe von COVID-19“, sagt
Knebel. Wer beispielsweise an Störungen der linksventrikulären Pumpfunktion leidet
oder einen Herzklappenfehler hat, sollte sich im Falle einer COVID-19-Infektion dringend
einer Echokardiografie unterziehen. Dies gelte auch für Patienten ohne bekannte Vorerkrankungen.
„In der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass eine engmaschige echokardiografische
Untersuchung von COVID-Patienten sinnvoll ist“, betont Knebel und verweist auf die
erhöhte Gefahr für eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) während einer Infektion.
„Hier bietet es sich an, moderne echokardiografische Methoden wie den Screen einzusetzen.“
Dies belegen auch Studien.
Laut einer Publikation in der Fachzeitschrift Jama Cardiology [2] hatten von 100 Patienten,
die durch das hessische COVID-19-Testzentrum identifiziert wurden, Wochen nach der
Genesung 78 Auffälligkeiten am Herzen – davon wiesen 60 Anzeichen einer Herzmuskelentzündung
auf. Hier wurde das Herz mittels MRT untersucht. Eine frühe Diagnose sei deshalb wichtig,
da die rechtzeitige Behandlung schwere Entzündungsschäden verringern oder sogar aufhalten
kann. „Wir empfehlen in jedem Fall, dass Patienten, die nach einer COVID-19-Infektion
beispielsweise weiterhin an Luftnot oder Abgeschlagenheit leiden, sich echokardiografisch
untersuchen lassen, um neben einer Myokarditis auch eine Verminderung der Herzfunktion
zu erkennen“, sagt Knebel.
Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass es sich bei COVID-19 um eine Erkrankung
des Endothels handelt [3]. Die Schädigung des Endothels durch SARS-CoV-2 bildet den
Beginn einer Reaktionskette, die mit der Thrombosierung der kleinen Blutgefäße endet.
Die Folge ist eine verstärkte Verklumpungsneigung des Blutes. In Autopsien verstorbener
Patienten stellten Mediziner überraschend viele Thrombosen und Blutgerinnsel in Arterien,
Venen und auch Kapillaren fest. „Etwa ein Drittel der schwer an COVID-19 erkrankten
Patienten verstirbt an Thrombosen und Lungenembolien“, erklärt Knebel. Des Weiteren
sei beobachtet worden, dass es bei einigen COVID-Patienten durch Thrombosen und Thromboembolien
zu einer Erhöhung des Lungendrucks und einer Vergrößerung des rechten Herzens kommen
kann. „Auch hier ist die Echokardiografie eine sehr elegante Methode, um dies frühzeitig
und sicher zu detektieren.“
Sonografie beim Bauchaortenaneurysma kann Leben retten
Sonografie beim Bauchaortenaneurysma kann Leben retten
Bis zu 2000 Menschen sterben pro Jahr an einer Ruptur, also einem Zerreißen oder Aufplatzen,
eines Bauchaortenaneurysmas. In Deutschland gehört die Ultraschalluntersuchung der
Bauchaorta für Männer zum durch die Krankenkassen bezahlten Gesundheits-Check-up ab
65 Jahren. Warum zusätzlich eine flächendeckende Einladung zum Screening sinnvoll
ist und warum die Vorsorgeuntersuchung auch für Frauen wichtig ist, war ebenfalls
Thema der Online-Pressekonferenz.
Schmerzfrei, risikolos und ohne Nebenwirkungen – das ist eine Ultraschalluntersuchung.
Sie steht im starken Kontrast zu dem, was sie, im Falle der Ruptur eines Bauchaortenaneurysmas,
verhindern kann: Nur 10 % aller Patienten, die eine Ruptur erleiden, erreichen lebend
das Krankenhaus, alle anderen versterben bereits auf dem Weg dorthin oder noch zu
Hause. Geschätzt 250 000 Menschen in Deutschland sind an einem Bauchaortenaneurysma
erkrankt.
Das Bauchaortenaneurysma (BAA) ist eine Erweiterung der Bauchschlagader (Aorta) auf
einen Durchmesser von mindestens 30 Millimeter. Durch die Ausdünnung der Wand erhöht
sich die Rupturgefahr in Abhängigkeit des Aneurysmadurchmessers. „Wichtige Faktoren
für die Entstehung eines Aneurysmas sind das männliche Geschlecht ab dem 65. Lebensjahr,
familiäre Häufung und Nikotinkonsum“, erklärt Dr. med. Siegfried Krishnabhakdi, Chefarzt
der Klinik für Gefäßchirurgie, vaskuläre- und endovaskuläre Chirurgie im Klinikum
Osnabrück GmbH. „Bauchaortenaneurysmen sind in der Bevölkerung nicht selten. Ein Großteil
der Aneurysmen wird nach der Diagnose lediglich regelmäßig kontrolliert, nur bei wenigen
ist ein Eingriff als Reaktion auf die Diagnose notwendig“, so Krishnabhakdi. Die Ultraschalluntersuchung
liefert bei der Diagnosestellung sehr genaue Ergebnisse. „In beinahe 100 % der Untersuchungen
kann die Größe des Aneurysmas zuverlässig bestimmt werden“, sagt der DEGUM-Experte.
Die Kriterien, ab wann eine Kontrolle oder eine Therapie notwendig ist, sind definiert.
Ist bei Männern das BAA größer als 55 Millimeter und bei Frauen größer als 50 Millimeter,
wird empfohlen, das Aneurysma auszuschalten. Kleinere Aneurysmen mit geringer Wachstumsgeschwindigkeit
werden mit Ultraschall weiter beobachtet. Die Intervalle hängen dabei von der Größe,
den Risikofaktoren, wie z. B. Nikotinkonsum, und der Wachstumsgeschwindigkeit ab.
Da Frauen – und noch mehr rauchende Frauen – zur Ruptur neigen, werden hier kürzere
Intervalle empfohlen.
Seit 2018 ist das Ultraschallscreening für Männer ab 65 Jahre Teil der Vorsorgemaßnahmen,
die von den Krankenkassen bezahlt werden. Die Untersuchung wird von Hausärzten, Urologen,
Internisten, Radiologen und Chirurgen durchgeführt. „Die Raten von Gesamtsterblichkeit,
Aneurysma-bedingter Mortalität, Zahl der Rupturen und Notfalloperationen gingen im
Langzeitverlauf durch das Screening signifikant zurück“, betont Krishnabhakdi. Allerdings
werde eine Risikogruppe vernachlässigt: die Frauen. „Bei Frauen über 65 Jahren, die
rauchen, ist das Risiko der Ruptur eines Bauchaortenaneurysmas sogar höher als bei
gleichaltrigen Männern.“ Für Krishnabhakdi wäre deshalb eine Ausweitung des Vorsorge-Screenings
auf Frauen über 65 Jahre, die Risikofaktoren wie Nikotinkonsum und Bluthochdruck erfüllen,
sinnvoll.
Frühes Ultraschallscreening der Halsschlagadern kann Schlaganfallrisiko verringern
Frühes Ultraschallscreening der Halsschlagadern kann Schlaganfallrisiko verringern
Rund 265 000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Schlaganfall. Bei etwa
30 000 Patienten ist die Ursache eine Verengung oder ein Verschluss der inneren Halsschlagader
– die sogenannte Karotisstenose. Kalkablagerungen in der Carotis können aufbrechen,
als Gerinnsel ins Gehirn verschleppt werden und so einen Schlaganfall auslösen. Ultraschall-Experten
können heute schon frühzeitig leichte Gefäßveränderungen bis hin zu Carotisstenosen
sehr leicht durch eine Sonografie der Halsgefäße diagnostizieren. Ob ein Carotis-Ultraschallscreening
im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll ist und ob asymptomatische Carotisstenosen
bei Menschen höheren Alters zwingend eine Operation zur Folge haben müssen, erklärte
Professor Dr. med. Felix Schlachetzki, Chefarzt am Zentrum für Vaskuläre Neurologie
und Intensivmedizin, Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universität Regensburg,
medbo Bezirksklinikum Regensburg, auf der Online-Pressekonferenz.
Der Schlaganfall gehört nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland.
Je älter die Patienten sind, desto höher das Risiko. „Die Ultraschalluntersuchung
der Halsschlagader ist eine breit verfügbare Technik, um das individuelle Risiko für
kardiovaskuläre Ereignisse, insbesondere für Schlaganfälle, abzuschätzen“, erklärt
Schlachetzki.
Im Ultraschall kann ein Arzt feststellen, ob die Karotis eine erhöhte Intima-Media-Dicke
(Verdickung der inneren und mittleren Schicht der Gefäßwand) oder Plaques (Lipid-
und Kalkablagerungen) aufweist. „Ist dies der Fall, sollten Patienten dazu ermutigt
werden, sich mehr zu bewegen, Übergewicht zu reduzieren sowie gegebenenfalls ihre
Ernährung umzustellen und das Rauchen aufzugeben“, so der stellvertretende DEGUM-Arbeitskreisleiter
„Vaskulärer Ultraschall“. Außerdem müssen bestehende Risikofaktoren wie Bluthochdruck,
Diabetes und Cholesterin konsequent behandelt werden, um das Risiko für einen Gefäßverschluss
einzudämmen. Diese präventiven Therapien – auch als „Best-medical-treatment“ bezeichnet
– seien bei Risikopatienten mit erblicher Vorbelastung auch schon im berufsfähigen
Alter unbedingt empfehlenswert. Im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung sei das Karotis-Ultraschallscreening
daher durchaus sinnvoll, gibt der Ultraschall-Experte zu Bedenken.
Entstehen durch Kalkablagerungen aus Plaques erst einmal manifeste Stenosen – also
Engstellen an der Halsschlagader – können diese aufbrechen, als Gerinnsel ins Gehirn
verschleppt werden und so einen Schlaganfall auslösen. Welche Therapie nach einer
entsprechenden Diagnose erfolgen soll, muss interdisziplinär bewertet werden. Das
Carotis-Screening darf hier nicht alleinige Entscheidungsgrundlage sein. „Bei allen
Patienten mit Stenosen der Halsschlagadern ist eine detaillierte Nutzen-Risiko-Abwägung
zwischen den Möglichkeiten der modernen Pharmakotherapie und den operativen Möglichkeiten
inklusive Stenting nötig, und da ist auch das reelle Patientenalter ein wichtiges
Kriterium“, mahnt der Neurologe. So sind Carotisstenosen, die keine Symptome verursachen,
zwar ein Maßstab für Erkrankungen des gesamten arteriellen Systems. „Sie sind aber
gleichzeitig nur ein Teil des komplexen arteriellen Hirnversorgungssystems, welches
durchaus in der Lage ist, sich anzupassen“, erklärt Schlachetzki. Das führe dazu,
dass der Anteil der Arteriosklerose-bedingten Schlaganfälle ab der siebten Lebensdekade
wieder sinke. Eine Carotisstenose müsse in diesem Alter deshalb immer in der Zusammenschau
des gesamten Gefäßsystemzustandes betrachtet werden. Zudem seien die möglichen Komplikationsraten
einer Carotis-Operation beziehungsweise eines Carotis-Stents gegenüber den Möglichkeiten
des „Best-medical-treatment“, von dem auch die Herzinfarkte und arterielle Verschlusskrankheit
der Beine profitieren, abzuwägen.
Insgesamt ist aus neurologischer Sicht ein Ultraschallscreening der Halsschlagadern
wichtig, um frühe Gefäßwandveränderungen zwischen dem 30. und 70. Lebensjahr an den
Karotiden zu erkennen. „Damit können wir das sogenannte Gefäßalter eines Menschen
definieren und gegebenenfalls notwendige Lebensveränderungen initiieren“, fasst Schlachetzki
zusammen. Hier hilft ein breites Screening bei versierten Ultraschallern. Werden hämodynamisch
relevante Stenosen erkannt, sollten jedoch Aktionismus vermieden und die Patienten
zu neurovaskulären Experten überwiesen werden. Dazu gehören insbesondere Neurologen
oder Angiologen, die auch intrakranielle Gefäße beurteilen können. Eine Operation
oder Stent-Therapie ohne vorherige Begutachtung durch diese Spezialisten sei strikt
abzulehnen und für den Patienten gefährlich.
Literatur zu Herzkomplikationen am Herzen:
[1] Szekely Y, Lichter Y, Taieb P et al. Spectrum of Cardiac Manifestations in COVID-19.
A Systematic Echocardiographic Study. Circulation 2020; 142: 342–353
[2] Puntmann VO, Carerj VL, Wieters I et al. Outcomes of Cardiovascular Magnetic Resonance
Imaging in Patients Recently Recovered From Coronavirus Disease 2019 (COVID-19). JAMA
Cardiol 2020; 5: 1265–1273
[3] Libby P, Lüscher T. COVID-19 is, in the end, an endothelial disease. Eur Heart
J 2020; 41: 3038–3044
Weiterführende Literatur zum Carotis-Screening:
[1] Nezu T, Hosomi N. Usefulness of Carotid Ultrasonography for Risk Stratification
of Cerebral and Cardiovascular Disease. Atheroscler Thromb 2020; 27: 1023–1035
[2] Näslund U, Ng N, Lundgren A et al. Visualization of asymptomatic atherosclerotic
disease for optimum cardiovascular prevention (VIPVIZA): a pragmatic, open-label,
randomised controlled trial. Lancet 2019; 393: 133–142
[3] Paraskevas KI, Veith FJ, Spence JD. How to identify which patients with asymptomatic
carotid stenosis could benefit from endarterectomy or stenting. Stroke Vasc Neurol
2018; 3: 92–100
[4] Abbott A, Brunser AM, Giannoukas A et al. Misconceptions regarding the adequacy
of best medical intervention alone for asymptomatic carotid stenosis. J Vasc Surg
2020; 71: 257–269
[5] Keyhani S, Cheng EM, Hoggatt KJ et al. Comparative Effectiveness of Carotid Endarterectomy
vs Initial Medical Therapy in Patients With Asymptomatic Carotid Stenosis. JAMA Neurol
2020; 77: 1110–1121