Kim PH.
et al.
Lymphangiography with or without Embolization for the Treatment of Postoperative Chylous
Ascites.
Ann Vasc Surg 2020;
68: 351-360
Die Autoren haben für diese Studie nicht nur die Daten von 15 eigenen Patienten ausgewertet,
sondern auch ein systematisches Review zu diesem Thema durchgeführt. Ihre Patienten
waren durchschnittlich 61,9 (± 10,5) Jahre alt. Bei allen trat das Lymphleck (1610 ml/Tag)
nach einer radikalen Tumorresektion in Abdomen und/oder Becken mit oder ohne Lymphknotenresektion
auf. Meist litten sie unter einem Ovarial- oder Prostatakarzinom. Zwischen der Tumoroperation
und den lymphatischen Interventionen vergingen im Mittel 49 Tage.
Bei allen Patienten war die LAG technisch erfolgreich, d. h. das Kontrastmittel konnte
ins Lymphsystem injiziert und der angezielte Lymphgang damit angefärbt werden. Bei
12 Patienten konnte mindestens ein Leck lokalisiert werden. Auch die anschließende
Embolisation (bei 10 von 12 Patienten) war bei allen Patienten erfolgreich, d. h.
der Lymphgang konnte vollständig okkludiert werden. Die übrigen 5 Patienten wurden
nicht embolisiert, entweder weil in der LAG keine Leckstelle gefunden werden konnte
oder weil diese an einer ungünstigen Stelle lag.
Klinisch erfolgreich (Lymphleck vollständig behoben) waren die Eingriffe bei 80 %
(LAG) bzw. 60 % (Embolisation). Komplikationen traten in keinem Fall auf. Die primäre
bzw. sekundäre klinische Erfolgsrate (vollständiges Verschwinden des Lecks ohne Notwendigkeit
weiterer Interventionen bzw. klinischer Erfolg nach mehreren Eingriffen) lag bei 66,7 %
bzw. 93,3 %.
Die Literaturrecherche ergab 13 retrospektive Studien mit insgesamt 280 Patienten
(einschließlich der eigenen 15); davon erfüllten 87 Patienten die Einschlusskriterien
(postoperatives Lymphleck in Abdomen oder Becken behandelt mit lymphatischen Interventionen).
In dieser Patientenkohorte lag die technische Erfolgsrate der LAG bzw. der Embolisation
bei 97,7 % bzw. 97,4 %, die klinische Erfolgsrate bei 68,1 % bzw. 70,3 %. Auch hier
traten keine größeren Komplikationen auf; kleinere Komplikationen wie Unterschenkelödeme
oder periaortale Hämatome gab es bei 5,4 % (Embolisation) bzw. 1,2 % (LAG) der Patienten.
Von den 30 Patienten, bei denen ein Eingriff nicht ausreichte, um das Lymphleck zu
beheben, unterzogen sich 14 Patienten weiteren lymphatischen Interventionen (sekundäre
klinische Erfolgsrate 78,2 %).
Kann das Lymphleck in der LAG dargestellt werden, sollte dieses, soweit möglich, embolisiert
werden, empfehlen die Autoren. Die Embolisation erhöht die klinische Erfolgsrate,
ohne zu größeren Komplikationen zu führen. Bei 20 % der Patienten konnte das Lymphleck
auch nach wiederholten Eingriffen nicht behoben werden. Um unnötige lymphatische Interventionen
bei solchen Patienten zu vermeiden, sollten Risikofaktoren für ein Therapieversagen
identifiziert werden, so die Autoren.
Stephanie Gräwert, Leipzig