Aktuelle Dermatologie 2021; 47(08/09): 350
DOI: 10.1055/a-1502-9621
Editorial

Methotrexat – gute Substanz, wenn gut geführt

Methotrexate – Good Drug, if Carefully Monitored
C. Bayerl
 
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Prof. Dr. med. Christiane Bayerl

Der Folsäure-Antagonist Methotrexat ist ein häufig rezeptiertes Medikament. Die Substanz erfordert ein regelmäßiges Monitoring gemäß den möglichen Nebenwirkungen wie Knochenmarksdepression, Leber- oder Nieren-Dysfunktion, gastrointestinale und Schleimhaut-Nebenwirkungen und Neurotoxizität [1]. Die Einnahme nur 1-mal in der Woche ist die größte Herausforderung, dann folgt die Notwendigkeit zur Folsäure-Substitution. Es ist für unsere Patienten absolut ungewohnt, ein Medikament nur 1-mal in der Woche einzunehmen. Aufgrund der schweren toxischen Nebenwirkungen bei Überdosierung sind viele Kliniken seitens der Apotheken dazu übergegangen, nur Einzelbestellungen pro Woche für den individuellen Patienten zuzulassen. Das Patientengespräch im ambulanten Bereich fordert uns besonders. Am besten lässt man sich noch in der Sprechstunde aktiv von Patientenseite wiederholen, wie die Einnahme erfolgen soll – nämlich nur an Tag X. Aufklärungsbögen sind schön, aber Papier ist geduldig. Das „Signum“ auf dem Rezept mit Unterstreichen „nur 1-mal in der Woche“ und Benennen eines festgelegten Wochentages hilft in meinen Augen.

Wenn wir Dermatologen weiterhin gut sind mit unserer differenzierten Aufklärung, können wir uns hoffentlich die Substanz erhalten. Ich erinnere in dem Zusammenhang an die Diskussionen um Isotretinoin und die Teratogenität (regulatorisches Programm iPLEDGE in den USA, um Isotretinoin-induzierte Teratogenität zu unterbinden) [2]. Fast hätten wir Isotretinoin, dieses wichtige Medikament für die Akne-Therapie, verloren. Jetzt haben wir eben den großen Aufwand der monatlichen Schwangerschaftsteste bei unseren Patientinnen mit der Auflage auch nur den Bedarf für einen Monat zu rezeptieren.

Bleiben wir achtsam auch bei Methotrexat! Unsere S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis weist zur Patientensicherheit nicht nur auf die Abklärung vor der Behandlung und das Labormonitoring hin, sondern v. a. und explizit auf die Vorteile der subkutanen Applikation von Methotrexat [3].

Christiane Bayerl, Wiesbaden


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Interessenkonflikt

Die Autorinnen/Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.


Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Christiane Bayerl
Klinik für Dermatologie und Allergologie
Hauttumorzentrum Wiesbaden
Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken
Ludwig-Erhard-Straße 100
65199 Wiesbaden
Deutschland   

Publication History

Article published online:
19 August 2021

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Prof. Dr. med. Christiane Bayerl