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DOI: 10.1055/a-1503-1135
Mitteilungsseiten des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK)
- Liebe Kollegen und Kolleginnen, liebe Interessierte an der Tuberkulose,
- Digitaler Therapiebegleiter – „TB Companion“ im Rahmen des RoGerTB-Projektes
- „TB Companion“ im Rahmen des RoGerTB-Projektes
- Umfrage zu COVID-19 und Tuberkulose im öffentlichen Gesundheitsdienst
- Virtuelle Tagung „Tuberkulose aktuell“ am 15. 03. 2021
- Preisträger DZK-Tuberkulosepreis
- Impfung gegen SARS-CoV-2 und Tuberkulose
- Literatur
Liebe Kollegen und Kolleginnen, liebe Interessierte an der Tuberkulose,
seit nun mehr als einem Jahr beeinflusst die SARS-CoV-2-Pandemie sowohl unser Privatleben wie auch unser berufliches Umfeld sehr stark. Für Menschen mit Tuberkulose kann dies aber auch eine verzögerte oder fehlende Versorgung ihrer Erkrankung bedeuten.
Die WHO kommt in einer vorläufigen Auswertung der weltweiten Meldedaten zu dem Schluss, dass im letzten Jahr zusätzlich 1,4 Millionen Menschen aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie keinen Zugang zur Diagnose bzw. Behandlung ihrer Tuberkulose erhalten haben [1]. Als digitale Unterstützung ist nun die neue App „TB Companion“ in den Appstores verfügbar. Eine erste Studie dazu sucht Sie als Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Ob die Versorgung für Tuberkulosepatienten auch in Deutschland eingeschränkt ist, zeigt eine Umfrage des DZK, die in Kürze auch im Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht wird. Auch berichten wir über die erste virtuelle Tagung „Tuberkulose aktuell“ am 15. 03. 2021 und die Preisträger des 2. Tuberkulosepreises des DZK. Aus gegebenem Anlass haben wir die Frage aufgegriffen, ob und wann Tuberkulosepatienten eine Impfung gegen SARS-CoV-2 erhalten können.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen der Beiträge und bleiben Sie gesund und munter,
Ihr DZK
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Digitaler Therapiebegleiter – „TB Companion“ im Rahmen des RoGerTB-Projektes
Um die Ziele der „End TB Strategy“ der Weltgesundheitsorganisation zu erreichen, ist bei einer zunehmend mobilen Weltbevölkerung die verbesserte Tuberkuloseversorgung und -prävention bei Migranten ein Schlüsselelement. Menschen aus Rumänien sind derzeit die zweitgrößte Gruppe der in Deutschland lebenden EU-Bürger. Rumänien ist aber auch eines der am häufigsten gemeldeten Herkunftsländer bei den in Deutschland gemeldeten Tuberkulosepatienten. Die Therapie der Tuberkulose ist langwierig, nebenwirkungsreich und wird insbesondere im Migrationskontext durch Stigmatisierung und soziale Probleme erschwert. Es kommt häufiger zu Therapieunterbrechungen, die ein Risiko für Therapieversagen, weitere Transmission sowie die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen darstellen. Diese vulnerable Patientengruppe soll nun im Rahmen eines Kooperationsprojektes zur grenzüberschreitenden TB-Versorgung zwischen Rumänien und Deutschland (RoGerTB) adressiert werden. Gefördert wird das Projekt über das Global Health Protection Programme (GHPP) der Bundesregierung und beteiligt sind die Institutionen Robert-Koch-Institut, Forschungszentrum Borstel und Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK).
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„TB Companion“ im Rahmen des RoGerTB-Projektes
Als Teil des RoGerTB-Projektes hat das DZK die kürzlich entwickelte App „TB Companion“ für die Unterstützung rumänischer TB-Patienten angepasst und spezielle Fragen der grenzüberschreitenden TB-Kontrolle integriert. Die App soll zur Aufklärung und Motivation von TB-Patienten während ihrer Behandlung dienen und durch interaktive, spielerische Wissensvermittlung kombiniert mit Motivationstexten und täglichen Erinnerungen an die Medikamenteneinnahme die Compliance erhöhen. Ziel ist eine Verbesserung der grenzüberschreitenden TB-Versorgung durch verbessertes Verständnis für TB-Kontroll- und Präventionsmaßnahmen. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie soll nun der digitale „TB Companion“ getestet werden. Wir würden uns freuen, wenn Sie rumänischen Patienten, die eine diagnostizierte Tuberkulose und eine verbleibende Therapiedauer von noch mindestens 2 Monaten haben, die Teilnahme an dieser Studie anbieten. Informationsmaterial zu Tuberkulose und zur Studie in rumänischer Sprache kann über das DZK bestellt werden. Weitere Informationen zur App sowie das Kontaktformular für spezielle Fragen oder Anmerkungen finden Sie unter https://tbcompanion.app oder https://dzk-tuberkulose.de.



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Umfrage zu COVID-19 und Tuberkulose im öffentlichen Gesundheitsdienst
Weltweit wird eine Überlastung des Gesundheitswesens als wahrscheinliche Ursache des Rückganges der Tuberkulosemeldezahlen diskutiert. Um eine Einschätzung aus dem öffentlichen Gesundheitsdienst zu der Frage zu erhalten, ob dies auch eine Rolle in Deutschland spielen könnte, führten wir zwischen Dezember 2020 und Februar 2021 eine Fragebogenstudie durch. Die Antwortenden repräsentieren 20 % der Gesundheitsämter und kamen zu folgenden Ergebnissen: Die Umgebungsuntersuchungen nach Tuberkulosekontakt sowie Untersuchungen nach § 36 Abs. 4 IfSG konnten von 73 % der Antwortenden Gesundheitsämter auch unter SARS-CoV-2-Maßnahmen durchgeführt werden. Allerdings gaben 68 % zeitliche Verzögerungen bei Beratungen und Untersuchungen im Rahmen des IfSG an. Knapp die Hälfte der Teilnehmenden kam zu der Einschätzung, dass es bei der Diagnose und Versorgung von Patienten und Patientinnen mit Tuberkulose zu Einschränkungen durch die SARS-CoV-2-Pandemie kam. Die Umfrage zeigt, dass es auch in Deutschland teilweise zu Einschränkungen in der zeitnahen Versorgung von Tuberkulose kommt. Inwieweit dies allerdings einen Einfluss auf die, auch in Deutschland zurückgehenden, Tuberkulosemeldezahlen hat, bleibt spekulativ.
Die Ergebnisse der Umfrage sollten Anlass geben, die Strukturen im öffentlichen Gesundheitsdienst zu stärken. Alle Angebote für Tuberkulosepatient*innen wie auch Maßnahmen zur aktiven Fallfindung, Prävention und Abklärung tuberkuloseverdächtiger Symptome müssen entsprechend aufrecht erhalten werden [2] [3]. Wenn die Eindämmung der Tuberkulose weiterhin erfolgreich gelingen soll, dürfen die Maßnahmen zu deren Bekämpfung auch unter den erschwerten Bedingungen der Pandemiesituation nicht vernachlässigt werden.
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Virtuelle Tagung „Tuberkulose aktuell“ am 15. 03. 2021
Am 15. 03. 2021 fand zum 7. Mal die gemeinsame Tagung „Tuberkulose aktuell“ des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK), des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Forschungszentrums Borstel (FZB) statt. Die unter Federführung des DZK erstellte Veranstaltung mit dem Thema „Tuberkulose und Infektionskontrolle gestern, heute und morgen“ wurde wegen der SARS-CoV-2-Pandemie virtuell ausgerichtet. Auf das 125-jährige Bestehen des DZK und die damit verbundene Geschichte der Tuberkulosekontrolle in Deutschland wurde ebenso eingegangen, wie auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie. Dazu fanden sich Vorträge, die einen Ausblick auf Diagnostik und therapeutischen Möglichkeiten der Zukunft zeigen, Projekte zur Begleitung und Unterstützung von Patienten und Patientinnen, Analysen der aktuellen Tuberkulosefallzahlen und vieles mehr. Einige der Vorträge finden Sie auf der DZK-Internetseite, bei Interesse zur Geschichte des DZK und der Tuberkulosekontrolle in Deutschland ist die Jubiläumsschrift über das DZK bestellbar.
Wir freuen uns, dass das Interesse an der Veranstaltung und Tuberkulosethemen auch in diesem Jahr unter den besonderen Bedingungen groß war. Besonders vor dem Hintergrund der aktuell hohen Arbeitsbelastung im öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) und in den Kliniken ist dies ein positives Signal für die die Versorgung von Tuberkulosepatient*innen in Deutschland.
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Preisträger DZK-Tuberkulosepreis
Der diesjährige DZK-Tuberkulosepreis wurde während der Tagung „Tuberkulose aktuell“ am 15. 03. 2021 an die Autorengruppe Astrid Benölken, Hannah Lesch, Björn Rohwer und Tobias Zuttmann für den Artikel „Diagnose durch Dr. Ratte“ vergeben. Dieser in der Süddeutschen Zeitung publizierte Beitrag berichtet über Riesenhamsterratten, die mit erstaunlicher Effizienz die Tuberkulosediagnostik in ressourcenarmen Ländern ergänzen können. Der mit 2500 € dotierte DZK-Tuberkulosepreis wird für Veröffentlichungen verliehen, die wesentlich zum Verständnis für die Erkrankung beitragen und ein sachliches Bewusstsein für die Tuberkulose und die Betroffenen herstellen.
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Impfung gegen SARS-CoV-2 und Tuberkulose
Nach derzeitigem Wissenstand und auf Basis der Fachinformationen der bisher in der EU zugelassenen COVID-19-Impfstoffe (Stand 15. 04. 2021) besteht bei einer Erkrankung an Tuberkulose grundsätzlich keine Kontraindikation gegen eine Impfung. Auch für Menschen unter präventiver Therapie bei latenter Infektion mit dem Tuberkulosebakterium (LTBI) sowie für Menschen mit einer abgeschlossenen Tuberkulosebehandlung wird die Impfung als sicher und wirksam angesehen. Bestehen allerdings akute Beschwerden aufgrund der Tuberkulose (z. B. hohes Fieber) oder starke Nebenwirkungen der Tuberkulosemedikation, sollte ggf. nach ärztlicher Rücksprache eine Verschiebung des Impftermins erwogen werden, um besser zwischen Erkrankungssymptomen, Nebenwirkungen der Tuberkulosetherapie und möglichen Impfreaktionen unterscheiden zu können.
Die Einordnung der Impfreihenfolge erfolgt nach der Priorisierungsliste der Bundesregierung.
Da Tuberkulose sehr unterschiedlich verlaufen kann, sollte die Einordnung in die Priorisierungsliste durch die behandelnden Ärzte und Ärztinnen individuell, unter Berücksichtigung der Schwere und Ausdehnung der Erkrankung oder möglicher Folgeschädigungen der Lunge, erfolgen. Weitere Informationen finden Sie auch auf den Seiten des Robert Koch-Instituts.
Aktuelle Informationen zum Thema Tuberkulose erhalten Sie auch auf unserer Homepage www.dzk-tuberkulose.de. Bei Fragen stehen wir Ihnen gern unter 030 81 49 09 22 oder info@dzk-tuberkulose.de zur Verfügung.
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Literatur
- 1 WHO. Impact of the COVID-19 pandemic on TB detection and mortality in 2020. In: online WHO; 2021
- 2 Otto-Knapp R, Häcker B, Breuer C. et al. [DZK Recommendations for Tuberculosis, BCG and COVID-19 in Germany – (Official Abbreviation of Coronavirus Disease 2019 Caused by the New Coronavirus SARS-CoV-2)]. Pneumologie 2020; 74: 477-479
- 3 Lommatzsch M, Rabe KF, Taube C. et al. [Risk Assessment for Patients with Chronic Respiratory and Pulmonary Conditions in the Context of the SARS-CoV-2 Pandemic – Statement of the German Respiratory Society (DGP) with the Support of the German Association of Respiratory Physicians (BdP)]. Pneumologie 2021; 75: 19-30
Publication History
Article published online:
11 June 2021
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