Zahnmedizin up2date 2022; 16(01): 81-99
DOI: 10.1055/a-1540-2703
Parodontologie

Die neue Nomenklatur der Parodontologie – der Weg zur Diagnose

Beke Schütz
,
Pia-Merete Jervøe-Storm
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Im November 2017 tagten in Chicago (Illinois, USA) die „American Academy of Periodontology (AAP)“ und die „European Federation of Periodontology (EFP)“: Beim „World Workshop“ wurde eine neue Klassifikation der parodontalen und periimplantären Erkrankungen und Zustände entwickelt und löste damit die alte Klassifikation der Parodontalerkrankungen von 1999 ab [1]. Wesentliche Unterschiede zwischen der neuen und der alten Klassifikation sind die erstmalige Definition der parodontalen Gesundheit bei verschiedenen parodontalen Zuständen. Auch die periimplantäre Gesundheit und Erkrankung sind nun klar definiert. Eine Anleitung zur Diagnosefindung wird anhand von Patientenbeispielen in diesem Beitrag gezeigt (Abb. 1).

Kernaussagen
  • Als gingivale Gesundheit ist ein Zustand mit unter 10% BOP und Sondierungstiefen von 3 mm zu bezeichnen. Bei stabilen Parodontitis-Patienten dürfen die Sondierungstiefen für diese Diagnose maximal bei 4 mm – aber ohne BOP – liegen.

  • Gingivale Gesundheit kann sowohl bei einem Patienten mit intaktem Parodont, einem Patienten mit reduziertem Parodont als auch bei einem stabilen Parodontitis-Patienten vorgefunden werden.

  • Bei Patienten mit Vorgeschichte einer Parodontitis wird bei Erkrankung der Gingiva (BOP ≥ 10%) nicht der Begriff „Gingivitis“, sondern „gingivale Entzündung“ verwendet.

  • Eine Parodontitis wird durch die Zuordnung eines Stadiums (Schwere und Komplexität der Erkrankung) und eines Erkrankungsgrades (biologische Merkmale, Progression und Risiko) beschrieben.

  • Die Parodontitis bei Patienten mit Diabetes ist keine eigenständige Erkrankung. Ebenso wie bei Parodontitis bei Rauchern gibt es keine speziell zutreffenden phänotypischen Besonderheiten.

  • Zur Beschreibung einer Rezession wird die Klassifikation nach Cairo et al. [9] verwendet. Diese nimmt Bezug auf den interdentalen klinischen Attachmentverlust im Verhältnis zum vestibulären oder oralen Attachmentverlust. Für die Beschreibung einer Rezession werden zusätzlich der gingivale Phänotyp und die Beschaffenheit der freigelegten Wurzeloberfläche beschrieben.

  • Der Begriff „biologische Breite“ wird durch „suprakrestales Attachment“ ersetzt.

  • Erhöhte Sondierungstiefen bei einem Implantat weisen nicht unbedingt auf einen pathologischen Zustand hin. Das Vorliegen einer Blutung oder Eiterung bei sanfter Sondierung zeigt eine Entzündung an. Das Röntgenbild zum ausgeheilten initialen Zustand mit Suprakonstruktion ist wichtig für die Beurteilung des möglicherweise vorhandenen Knochenabbaus.



Publication History

Article published online:
25 March 2022

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