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DOI: 10.1055/a-1541-3750
Kinder mit Ichthyose sind häufig mangelernährt
Frühere Studien berichten über Kurzwuchs bei Patienten mit kongenitaler Ichthyose (KI), dennoch ist bislang wenig über den Ernährungszustand der Betroffenen bekannt. Dabei stellt Unterernährung v. a. für Kinder aufgrund ihrer Wachstumsgeschwindigkeit und der Gehirnentwicklung ein Risiko dar. Momentan empfehlen europäische KI-Richtlinien u. a. die Überwachung des Vitamin-D-Spiegels – für andere Mängel gibt es jedoch keine Screening-Empfehlung.
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Spanische Wissenschaftler*innen untersuchten daher nun in einer prospektiven Beobachtungsstudie den Ernährungszustand von Kindern und jungen Erwachsenen mit KI. Kongenitale Ichthyosen werden vererbt und zeichnen sich durch Hyperkeratose, Schuppung und Erythem aus. KI-Patient*innen zeigen Fissuren, Hautbrüchigkeit und unkontrollierbaren Juckreiz. KI tritt entweder nur in der Haut auf (nicht-syndromale Ichthyosen) oder in Kombination mit anderen Organbeteiligungen (syndromale Ichthyosen).
Um den Ernährungszustand bei KI-Patient*innen zu beschreiben, werteten die Forschenden Daten von Patient*innen mit diagnostizierter KI aus, die zwischen November 2016 und April 2018 im universitären Kinderkrankenhaus Niño Jesús in Madrid, Spanien, behandelt wurden. Dafür erfassten sie demografische Daten, die Art und den Schweregrad (beurteilt mithilfe des Visual Ichthyosis Index Severity [VIIS]-Scores) der Ichthyose. Auch wurde eine Ernährungsanamnese durchgeführt sowie der Bedarf an Ernährungsunterstützung erhoben. Die anthropometrische Beurteilung umfasste die Messung von Gewicht und Größe, die Bewertung des Ernährungszustands erfolgte auf Grundlage der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegten Definitionen für Mangelernährung.
Die Laboruntersuchungen umfassten ein Blutbild und die Serumspiegel von Kalzium, Magnesium, Phosphor, C-reaktivem Protein (CRP) und Immunglobulinen. Den Ernährungszustand untersuchten die Forschenden anhand von Serumalbumin und -präalbumin, Vitamin A, 25(OH) Vitamin D, Vitamin B12, Folsäure, Eisen, Ferritin, Zink und Selen. Die Laborergebnisse verglichen sie mit altersentsprechenden Referenzwerten.
Ergebnisse
Insgesamt schloss die Studie 50 Patient*innen mit einem mittleren Alter von 5 Jahren (IQR 1,6–10,3) ein, 31 (62 %) davon waren männlich.
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Bei 16 (32 %) Patient*innen wurde eine Unterernährung festgestellt. An einer akuten Unterernährung litten 8 %, weitere 8 % wiesen eine chronische Unterernährung auf und 16 % litten an einer akuten Mangelernährung, wobei diese eine chronische Unterernährung überlagerte.
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Eine Wachstumsstörung konnte bei 75 % der unterernährten Kinder beobachtet werden.
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Jüngere Kinder waren häufiger unterernährt (p = 0,006); Kinder bis 5 Jahre waren am häufigsten von Unterernährung betroffen (p = 0,015).
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Kinder mit schwerer Ichthyose waren stärker von Mangelernährung betroffen (p = 0,01) und wiesen höhere Raten von Wachstumsstörungen (p < 0,001) auf.
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Mikronährstoffdefizite wurden bei 30 (60 %) Patient*innen festgestellt. Dabei waren Defizite an Selen (34 %), Eisen (28 %), Vitamin D (22 %) und Zink (4 %) am häufigsten.
Die Studie belege, dass v. a. für jüngere Kinder mit KI ein hohes Risiko für Unterernährung bestehe, so war ein Drittel der untersuchten Patienten mangelernährt. Zudem seien Nährstoffdefizite häufig, sodass Kinder mit Ichthyose in Zukunft eine adäquate Ernährungsbeurteilung erhalten sollten, so die Autorinnen und Autoren – auch weil Wachstumsstörungen bei Kindern mit Ichthyose durch die Mangelernährung verursacht bzw. verschlimmert werden könnten.
Leandra Metzger, Stuttgart
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Publication History
Article published online:
19 November 2021
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Georg Thieme Verlag KG
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