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DOI: 10.1055/a-1661-2551
Digitale Dermatoskopie hilft bei Melanom-Früherkennung
Die Erkennung neuer oder sich verändernder Läsionen kann bei Patienten mit zahlreichen oder atypischen Nävi eine Herausforderung darstellen. Insbesondere die digitale Dermatoskopie hat sich bei der Diagnose von kutanen Melanomen als genauer erwiesen als die Untersuchung mit bloßem Auge. Babino et al. evaluierten die Effektivität der digitalen Dermatoskopie zur Identifizierung von Melanomen.
Die digitale Dermatoskopie kann helfen, Melanome zu erkennen, die zu Beginn keine spezifischen dermatoskopischen Merkmale aufweisen. Mehr als die Hälfte der Melanome, die mithilfe der digitalen Dermatoskopie diagnostiziert werden, haben keine melanomspezifischen dermatoskopischen Kriterien entwickelt und werden nur durch den Vergleich von aufeinanderfolgenden Bildern erkannt. Die Wissenschaftler nutzten für die retrospektive Studie eine Datenbank mit mehr als 100 000 Nachsorge-Fotos von pigmentierten Läsionen, die in 3 Hautkrebszentren (Neapel, Thessaloniki und Wien) aufgenommen wurden. Aus dieser Datenbank extrahierten die Experten 103 Melanome, die per digitaler Dermatoskopie diagnostiziert und exzidiert wurden und für die mindestens 2 Nachuntersuchungsbilder mit einem Mindestabstand von 3 Monaten vorlagen. Die Forscher erfassten außerdem demografische Daten der Patienten, die anatomische Lage und die Breslow-Dicke des Melanoms sowie den Zeitraum, in dem das Melanom bis zur Erkennung mit digitaler Dermatoskopie überwacht wurde. Dieser Stichprobe ordneten die Forscher 103 Melanome zu, die zu Studienbeginn diagnostiziert und exzidiert worden waren. Die Experten betrachteten außerdem 309 gutartige Läsionen (103 Nävi, 103 exzidierte Nävi und 103 seborrhoische Keratosen), um eine gemischte Stichprobe aus gutartigen und bösartigen Melanomen zu erhalten. Die Bilder wurden nach dem Zufallsprinzip von 2 verblindeten Dermatologen beurteilt.
Die Experten betrachteten insgesamt 515 pigmentierte Läsionen von 515 Patienten. Die Dermatologen erkannten nur 42 der 103 per digitaler Dermatoskopie diagnostizierten Melanome, was eine Sensitivität von 40,8 % in dieser Gruppe ergab, klassifizierten jedoch 81 der 103 zu Studienbeginn diagnostizierten Melanome richtig (Sensitivität von 78,6 %). Dieser Unterschied erwies sich als statistisch signifikant. Von den 309 gutartigen Läsionen klassifizierten die Experten 247 richtig, was einer Spezifität von 73,1 % entspricht. Nach der Bewertung der Dermatologen unterteilten die Experten die Gruppe der per digitaler Dermatoskopie diagnostizierten Melanome in die Untergruppe A1 (42 von 103 korrekt diagnostizierten Melanomen) und die Untergruppe A2 (61 von 103 falsch klassifizierten Melanomen). Alle dermatoskopischen Kriterien, einschließlich bläulich-weißliche Schleier, atypische vaskuläre Muster und unregelmäßige Streifen, unregelmäßige Pigmentierungen, atypische Pigmentnetzwerke, unregelmäßige Flecken und Regressionsstrukturen, traten in der Untergruppe A1 signifikant häufiger auf. Den auffälligsten Unterschied beobachteten die Wissenschaftler bei der Häufigkeit der unregelmäßigen Pigmentierung, die bei allen Melanomen der Untergruppe A1 und bei 44,2 % der Melanome der Untergruppe A2 auftrat.
Vorliegende Studie deutet darauf hin, dass etwa 60 % der Melanome, die mittels digitaler Dermatoskopie diagnostiziert werden, zum Zeitpunkt der Diagnose morphologisch unauffällig sind und erst durch einen Vergleich mit Bildern, die bei früheren Untersuchungen aufgenommen wurden, erkannt werden können. Dieses Ergebnis unterstreicht die wichtige Rolle der digitalen Dermatoskopie bei der Früherkennung von Melanomen bei Personen mit multiplen Nävi, so die Autoren.
Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen
Publication History
Article published online:
22 February 2022
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