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DOI: 10.1055/a-1690-2924
Morbus Bowen und pAK: Sind periläsionale Sonnenschäden ein Diagnose-Hinweis?
Perilesional sun damage as a diagnostic clue for pigmented actinic keratosis and Bowen’s disease.
JEADV 2021;
35: 2022-2026
DOI: 10.1111/jdv.17464
Pigmentierte aktinische Keratosen (pAK) und Morbus Bowen (BD) gelten als nicht-invasive Varianten des kutanen Plattenepithelkarzinoms. Pigmentierte Varianten von AK und BD sind dermatoskopisch jedoch nur schwer von anderen pigmentierten Hautläsionen zu unterscheiden. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigte in Bezug auf die Diagnosegenauigkeit für pAK und BD große Unterschiede zwischen Künstlicher Intelligenz und manueller Dermatoskopie.
So waren menschliche Betrachter (Dermatologen) den Computeralgorithmen in einer simulierten telemedizinischen Umgebung unterlegen. Während die besten Computeralgorithmen 90 % der pAK/BD richtig diagnostizierten, stellten die Dermatologen mithilfe von Dermatoskopie nur in 50 % der Fälle eine korrekte Diagnose. Dies könne der Tatsache geschuldet sein, dass die Künstliche Intelligenz eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Umgebung der Läsion zeigte, während die menschlichen Betrachter diese eher übersahen und sich nur auf die Läsion konzentrierten, wie die Studienautoren der vorliegenden Studie vermuteten. Zwar sind eine Handvoll dermatoskopischer Kriterien für pAK/BD beschrieben, jedoch ist nicht bekannt, ob die Kenntnis dieser Kriterien die Diagnosegenauigkeit der Kliniker verbessert. Die österreichischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schlugen daher periläsionale Sonnenschäden als zusätzlichen diagnostischen Anhaltspunkt vor.
In einer aktuellen Studie untersuchten sie nun, ob periläsionale Sonnenschäden als zuverlässiger diagnostischer Hinweis für pAK/BD dienen können und ob dadurch die diagnostische Genauigkeit der Dermatoskopie verbessert werden kann. Dafür wählten sie per Zufallsprinzip 220 dermatoskopische Bilder aus, bei denen die interessierende Läsion verdeckt wurde. Anschließend wurde jedes Bild von 2 Dermatologen auf das Vorhandensein von periläsionalen Sonnenschäden begutachtet. Um auch die Auswirkungen einer Schulung zum Thema periläsionale Sonnenschäden zu bewerten, führten die Forschenden eine Onlinestudie durch. Zunächst bestand die Aufgabe der Teilnehmenden darin, bei jeweils 10 Bildern die richtige Diagnose aus 7 Auswahlmöglichkeiten auszuwählen. Anschließend wurden sie nach dem Zufallsprinzip einem von 2 Online-Tutorials zugewiesen – ein Tutorial wies dabei auf periläsionale Sonnenschäden als Hinweis auf pAK/BD hin (Gruppe A), das andere nicht (Gruppe B). Danach durften die Teilnehmenden noch einmal bei jeweils 10 Bildern eine Diagnose stellen. Zuletzt verglichen die Forschenden die Häufigkeit der korrekten Diagnosen vor und nach Erhalt des Tutorials zwischen den beiden Gruppen.
Ergebnisse
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Die Häufigkeit von periläsionalen Sonnenschäden war bei pAK/BD höher als bei anderen Arten von pigmentierten Hautläsionen. Die Gutachter beobachteten bei 100 von 120 pAK/BD-Bildern (83,3 %) periläsionale Sonnenschäden.
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Es bestand eine gute Übereinstimmung zwischen den Gutachtern, die unabhängig voneinander die Sonnenschäden beurteilten (Kappa = 0,675).
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Zwischen dem 15. Januar und dem 16. Juli 2020 nahmen 124 Dermatologen (47,6 % Frauen) an der Onlinestudie teil.
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Die diagnostische Genauigkeit für pAK/BD verbesserte sich in beiden Gruppen (Gruppe A: +16,1 %, 95 %-KI 9,5–22,7; Gruppe B: +13,1 %; 95 %-KI 7,1–19,0; p für beide < 0,001).
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In Gruppe A verbesserte sich die durchschnittliche Anzahl der richtigen Antworten von 59,1 % (95 %-KI 55,0–63,1) vor dem Tutorium auf 63,5 % (95 %-KI 59,5–67,6; p = 0,002) nach dem Tutorium. In Gruppe B hingegen war die Verbesserung der Gesamtgenauigkeit nicht signifikant (59,5 % [95 %-KI 55,9–63,1] vs. 60,3 % [95 %-KI 56,7–63,8]; p = 0,44).
Die Studienergebnisse zeigen, dass periläsionale Sonnenschäden ein relevantes diagnostisches Indiz darstellen können, um pAK/BD in dermatoskopischen Bildern von anderen pigmentierten Hautläsionen zu unterscheiden. So verbesserte sich die Diagnosegenauigkeit der Betrachtenden nach Kenntnis dieses Hinweises. Laut den Studienautoren könnten sich diese Studienergebnisse v. a. in der Teledermatologie als nützlich erweisen.
Leandra Metzger, Stuttgart
Publication History
Article published online:
16 March 2022
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